Ich mag BigBen ja eigentlich ganz gerne. Ich habe keine Ahnung, wer er in Wirklichkeit ist (es lebe die Anonymität des Internets!) und auf den ersten Blick scheinen wir nicht beste Freunde zu sein – zu gross sind die ideologischen Differenzen zwischen uns. Unsere Zwiste auf dieser Homepage beginnen jedoch langsam aber sicher, mir ans Herz zu wachsen. Ob Blochers Ethik oder Minarett-Initiative – BigBen und ich finden immer Wege, uns uneinig zu sein. Und das alles auf der Plattform eines völlig unpolitischen Magazins.

Denn als solches stellt uns der Chefredaktor ad interim des neuen Dialog-Klub-Magazins DenkBar Campus in seinem Editorial dar. Er sei Leiter des «ersten politischen Studierendenmagazin an der Universität St. Gallen». 50 Jahre prisma-Tradition werden da einfach mal ignoriert. Wer diesen schweren Brocken erst mal verdaut hat – oder aufgehört hat, darüber zu lachen – liest mit mehr oder weniger grosser Erwartung weiter in dieser ersten Ausgabe von DenkBar Campus. Politisch wollen sie also sein! Sowohl schnelles Durchlesen als auch längere Analyse zeigen jedoch auf: sind sie aber nicht!

Die einzigen Artikel, die das Thema Politik einigermassen tangieren, sind die Kolumne des StuPa-Präsidenten (kommt das bekannt vor? Um Verwirrung zu vermeiden: Bei prisma gibt’s jeweils den Kommentar des SHSG-Präsidenten…) und ein Artikel zur «Enteignung Forum HSG». Diese Beleidigung scheint beim Herausgeber Dialog Klub noch immer tief zu sitzen. Das neue Heft erscheint daher vor allem als fast schon kindliche Herumstampferei und macht wenig Imagekorrektur. Dazu sind die Texte zu wenig interessant, ist deren Fehlerquote zu hoch und das gesamte Heft insgesamt zu wenig neu. Denn obwohl DenkBar Campus mit zweispaltigem Layout und gewissen angesprochenen Themen einiges feuilletonistischer daherkommt als prisma, enthält das Heft zu viele Elemente, die offensichtlich bei prisma abgeschaut worden sind. Nebst dem Austauschbericht und dem Studentenportrait liest sich der Artikel «Audimax Krieg» zudem sehr ähnlich wie eine Publikation im prisma vor Jahresfrist zum selbigen Thema…

Das einzige, was mir an DenkBar Campus wirklich besser gefällt, ist die wenige Werbung. Die erste Ausgabe wird jedoch wohl trotzdem die letzte von mir gelesene sein. Nebst den erwähnten Fehlern, die mir die Lektüre zu anstrengend machen, sind einige Artikel einfach nur stupid. Zum literarischen Erguss «1000 Worte» von Ralph S. Karg fallen mir dann auch nur deren drei ein: What the Fuck?