Der Graduate Survey Report 2010 der Universität St. Gallen beinhaltet Zahlen und Fakten über die HSG-Studentenschaft, von Durchfallquoten über Notenschnitte bis hin zu Einstiegslöhnen. Im ersten Teil werden euch die Resultate rund um das Assessment-Jahr präsentiert.

.Wer kommt an die HSG?

Das soziodemografische Profil der Assessment-Studentenschaft ist «recht typisch für eine wirtschaftswissenschaftliche Universität.» Konkret bedeutet das: Es hat überdurchschnittlich viele Männer aus gutem Elternhaus an der HSG.

Der Anteil der Studentinnen liegt bereits zu Beginn des Jahres bei mageren 34 Prozent. Dieser Schnitt wird durch die Rechtswissenschaften angehoben, wo sie sich mit 58 Prozent in der Mehrheit befinden (Anmerkung: Rechtswissenschaften bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Wahlfach Recht anstatt Mathematik belegt wird). Der Bildungshintergrund der Eltern ist gehoben: Rund zwei Drittel der Väter und zwei Fünftel der Mütter der Studierenden haben selbst an einer Hochschule absolviert. Die geografische Herkunft der Schweizer und Schweizerinnen ist deutsch-schweizerisch akzentuiert, und – nebst «starken Communities» aus Zürich, Bern und Basel – regional verankert. Fast ein Viertel der Assessment-Studierenden lebte vor dem Studium in St. Gallen oder in einem Umkreis von fünfzig Kilometern.

Assessment-Jahr: Frauen aufgepasst!

Bereits im ersten Semester führt die Uni eine Vollbefragung der Assessment-Stufe durch, um so die circa zehn Prozent mit zu erfassen, die nach einem halben Jahr abbrechen oder durchfallen. Im Jahr 2009 immatrikulierten sich 1341 Studierende, wovon 34 Prozent den Fragebogen ausfüllten. Hier die Ergebnisse.

«Schaut mal nach links und nach rechts. Einer eurer Nachbarn wird in einem halben Jahr nicht mehr hier sitzen.» Dieser fiese Witz, den gewisse Professoren in der ersten Vorlesung gerne reissen, prägt sich ein. Für die Assessis ist von besonderem Interesse, wer im ersten Jahr rausfällt. Natürlich ist dies für den Einzelfall nie vorhersehbar. Dennoch lassen statistische Daten folgende Prognosen zu.

Ob man das Drill-Jahr besteht ist am ehesten durch den Notenschnitt der allgemeinen Hochschulreife (Matura, Abitur, usw.) vorhersehbar. Studierende, die im Gymnasium mit einem Notenschnitt zwischen fünf und sechs absolvierten, sind im Assessment-Jahr mit 26-27, auf der Bachelor-Stufe hingegen mit 43 Prozent vertreten. Der Anteil der Gruppe «Note 4,0 bis 4,49» fällt von 15 auf knapp acht Prozent ab.

Weiter beeinflusst das Geschlecht, ob man in den ersehnten Bachelor aufsteigt. Bei Übertritt des Jahrgangs in den Bachelor ist ein Rückgang der Frauenquote von 33 auf 29 Prozent feststellbar. Charmant meinen die Autoren des Reports: «Zwischen Assessment- und Bachelorprogramm bleiben mehr junge Frauen als Männer auf der Strecke.»

Letztlich hat die «Bildungsnähe des Elternhauses» einen leichten Einfluss, ob man das erste Jahr besteht. Der Anteil der Akademikerkinder liegt auf Assessment- und Bachelorstufe gleich hoch, nämlich bei 63 Prozent. Dennoch: Auf Bachelor-Stufe beträgt die Quote der «Väter mit Universitätsabschluss» bei Schweizer Studenten 37 und bei Schweizer Studentinnen 34 Prozent. Auf Bachelorstufe ist die Quote höher (keine Angabe von Zahlen).

Ausländer müssen sich nicht fürchten

Ausländerinnen und Ausländer müssen weniger Angst vor dem Rausfliegen haben. Dank der «Vorselektion, bei der nur besonders vielversprechende Studierende zugelassen werden,» haben sie einen «klaren Leistungsvorteil.» Über die vermutlich sehr hohe Prozentzahl der Ausländerinnen und Ausländer, die das erste Jahr erfolgreich passieren, gibt der Report keine Auskunft. Übrigens täuscht der Eindruck nicht: Die grosse Mehrheit der Ausländer (Frauen & Männer) ist deutsch. Mit 17 Prozent stellen sie die mit Abstand grösste Gruppe der 24 Prozent Ausländer der Assessment-Studierenden dar, gefolgt von zwei Prozent Österreichern und einem Prozent Liechtensteinern.

Das Fazit ist, dass «die Auslese stark im Zusammenhang mit den gymnasialen Abschlussnoten steht, und moderat selektiv für Frauen und Schweizer wirkt.»

Warum an die HSG?

Für neun von zehn der Studierenden war die HSG die erste Wahl, nur ein kleiner Teil transferierte von einer anderen Uni. Einen zweiten Versuch wagte im Jahr 2009 eine beachtliche Zahl der Studierenden: Die Wiederholenden machten zwölf Prozent aller Assessment-Studierenden aus. Ein dritter Versuch ist übrigens nicht möglich.

Klischee bestätigt: An die HSG kommen viele, weil sie später eine Führungsposition erreichen wollen. Insgesamt drei Viertel finden dies ein «erstrebenswertes Ziel», unter den Männern sind 82 Prozent, unter den Frauen hingegen nur 59 Prozent dieser Meinung. Eine separate Betrachtung der Deutschen zeigt: Sie haben mit 88 Prozent Zustimmung besonders hohe Ambitionen bezüglich ihres Karriereverlaufs.

Viele Studierende sehen im hohen Lernaufwand eine «echte Herausforderung». Über die neuen Freiheiten, die das Studium mit sich bringt, herrscht nicht uneingeschränkt Freude. Viele finden es schwierig, durch die wenig verschulte Art genug Selbstdisziplin aufzubringen.
Die HSG-Kultur wir als «offen» aber auch als «kompetitiv» erlebt. Auch wenn es uns immer wieder vorgeworfen wird: Als elitär sehen wir uns selbst und unsere Alma Mater nicht – mit der Ausnahme «kleinerer Gruppen». Welche, bleibt offen.

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