Der Graduate Survey Report 2010 der Universität St. Gallen beinhaltet Zahlen und Fakten über die HSG-Studentenschaft, von Durchfallquoten über Notenschnitte bis hin zu Einstiegslöhnen. Der zweite Teil des Reports liefert Informationen zur Bachelor-Stufe.

Die Umfrage wurde im Frühling und Herbst 2009 bei Bachelor-Absolvierenden durchgeführt. Die Daten repräsentieren also nicht die aktuelle Bachelor-Stufe, jedoch besteht die Annahme, dass es weitgehende Parallelen zu dieser gibt.

Wenige Romands und Ticinesi

Die soziodemografischen Daten der Bachelor-Stufe ähneln natürlich denjenigen des Assessment-Jahres, allerdings mit einer durch die Selektion bedingten Abweichung. Die Befragten setzen sich nun aus 72 Prozent Männern und somit nur noch 28 Prozent Frauen zusammen. 92 Prozent der Studierenden sind deutscher Muttersprache, nur je 2 Prozent hingegen italienisch- oder französischsprachig. Die starke Untervertretung der nicht-deutschsprachigen Schweiz zeigte sich auch darin, dass nur jeder zwanzigste befragte Bachelor aus der Romandie stammt.

2009 absolvierten satte 57 Prozent aller Studierenden im Fachgebiet BWL. Die zweit- und drittgrösste Gruppe stellten die VWL- und IA-Studierenden mit 15 und 13 Prozent dar. Neun Prozent erhielten ein Bachelor-Diplom der Rechtswissenschaften, und nur sechs Prozent waren fleissig genug, um im Major Law & Economics zu absolvieren.

Ewige Studenten: Es gibt sie auch an der HSG!

Mehr als der Hälfte der Studierenden, nämlich 53 Prozent, gelang es 2009, den Bachelor in der Regelstudienzeit von sechs Semestern abzuschliessen. Dieses Resultat ist im Vergleich mit dem Jahr 2008, in welchem 64 Prozent rechtzeitig absolvierten, nicht so glänzend.
«Just in time» waren vor allem die Studierenden in den Majors rund um das Recht, nämlich 78 in den Rechtswissenschaften und sogar 86 Prozent in Law & Economics. In BWL gelang dies 58 und in VWL immerhin 46 Prozent. Deutlich darunter – mit 21 Prozent – lagen «typisch» die IA-Studierenden.

Aber nun zu den ewigen Studenten: Als «Langzeitstudent» wird definiert, wer mehr als acht Semester studiert, bis er den «B.A. HSG» erlangt. Insgesamt taten dies nur fünf Prozent, wovon drei Prozent neun Semester und zwei Prozent ganze zehn Semester im Bachelor verweilten. Wie gemütlich!

«Go international!»

Ein knappes Drittel (32 Prozent) verbrachte ein Semester an einer Auslands-Universität. Am häufigsten zog es VWL- und – nomen est omen – International-Affairs-Studierende in die Ferne (52 und 43 Prozent). Dahingegen verliess kein einziges Mitglied des Majors Recht während des Bachelors die Schweiz, um in einem anderen Land zu studieren.

Extracurriculare Aktivitäten

Mit einem Engagement in studentischen Organisationen veredelten 51 Prozent der Studierenden während des Bachelor-Studiums ihren CV. Besonders engagiert waren die IA-ler (68 Prozent) – dies im Kontrast zu den Juristen (17 Prozent). Ob dies erklärt, weshalb die IA-Studierenden mehr Zeit für das Bachelor-Studium benötigen, wurde nicht ermittelt, der Schluss liegt jedoch nahe.

Die Notenschnitte

Und es wird brisant: Jeder hat wohl einen persönlichen Zielwert vor Augen, doch wirklich wichtig ist der Vergleich. Hier also die Zahlen.

Die meisten Studierenden gehörten zur Gruppe, die den vielbeschworenen Fünfer-Schnitt knapp verpassten: Insgesamt 28 Prozent der Absolvierenden wurde das B.A.-Zeugnis mit einer Durchschnittsnote zwischen 4,75 und 4,99 ausgehändigt. Am zweithäufigsten wurde eine Note zwischen 5,0 und 5,24 erreicht, nämlich von 22 Prozent der Studierenden.

Nur acht Prozent der Studierenden landeten in der schlechtesten Gruppe «4,0 bis 4,49» an. Noch seltener wurden Notenschnitte am oberen Ende der Skala erreicht: Magere sieben Prozent der Studierenden arbeiteten sich in die beste Gruppe «5,5 bis 6,0» hoch.

Insgesamt erreichten 44 Prozent der Studierenden einen Fünfer-Schnitt oder höher, wodurch 56 Prozent unter der Fünfer-Grenze lagen.

Master oder Zwischenjahr: Den Worten folgen nicht immer Taten

Nur eine knappe Hälfte der Absolvierenden (46 Prozent) plante, ohne Unterbruch einen Master anhängen. 44 Prozent hingegen wollten ein Zwischensemester oder gar -jahr einlegen. Auch hier sind grosse Unterschiede zwischen den Majors festzustellen. Vor allem die BWL- und IA-Studierenden wünschten sich eine Verschnaufpause: 53 Prozent der IA-ler und 49 Prozent der BWL-er planten, den Master nicht sofort anzuhängen. Bei den anderen Majors waren es nur 35 (VWL), 22 (Recht) oder 18 Prozent (L&E).

In der Realität sieht es anders aus: Faktisch steigen drei Viertel aller Studierenden direkt in den Master ein!

Daneben gibt es noch diejenigen, die nicht mit einem Master liebäugeln. 2009 gaben zehn Prozent an, voll arbeiten zu wollen, allerdings mit dem Plan, später «noch einmal ein Studium aufzunehmen.» Einer von hundert hatte genug vom Studentenleben und plante, den akademischen Weg nach Erlangen des Bachelor-Diploms nicht wieder einzuschlagen.

Die Beziehung zur Alma Mater

88 Prozent derjenigen, die direkt weiter studierten, blieben der HSG treu. Begründet wird diese Entscheidung vor allem mit der «Qualität der Masterprogramme», den «Karrierechancen» und der «Vertrautheit mit der Universität». Dahingegen spielte die «Attraktivität des Standorts St. Gallen bei der Entscheidung kaum eine Rolle.» Komisch.

Übrigens sind 88 Prozent der Absolvierenden 2009 «vollständig» oder «grösstenteils zufrieden» mit ihrem Bachelor-Studium.

Wie steht es um unseren Marktwert?

Vier von fünf arbeiteten bei der beruflichen Ersttätigkeit in einer Festanstellung, der Rest in einem Praktikum oder Trainee-Programm. Die Absolvierenden landeten fast ausschliesslich in der Privatwirtschaft, und zwar vor allem in Beratungs- (66 Prozent) und / oder Grossunternehmen (75 Prozent).

Die Selbsteinschätzung der HSG-Absolvierenden hat unter der Wirtschaftskrise gelitten: Nur jeder Siebte schätzte seinen Wert als «sehr gut» ein. Immerhin dachte mehr als die Hälfte – nämlich 54 Prozent – dass er oder sie zumindest die Bezeichnung «gut» verdient.
Der Arbeitsmarkt bestätigte diese positive Einschätzung: Die Ersteinkommen waren «nach wie vor» beachtlich und lagen im Schnitt bei 80‘000 Franken. Unter der impliziten Annahme, dass Geld glücklich macht, meinen die Autoren des Reports: «Dementsprechend gross ist die Zufriedenheit mit dem Berufseinstieg»: 92 Prozent waren «sehr zufrieden» oder «zufrieden» damit.

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