Die zentralen Prüfungen finden auch an der University of Nottingham jeweils erst im neuen Jahr statt. Anfang Januar ging es also noch mal zurück und hinter die Bücher. Eine gute Gelegenheit auch, sich abends im Pub noch auf ein paar Bier zu treffen. Das Pub ist für den Engländer ja so etwas wie ein zweites Wohnzimmer (wie die Kaffeehäuser in Wien): Nach einem anstrengenden Tag kommt man hier in ein gemütliches Zimmer, an den Wänden hängen Gemälde und auf dem Boden liegen Teppiche. Mit dem Barkeeper kommt man schnell ins Gespräch und kennt ihn bald auch persönlich (die Briten sind sehr gesellig). Es fällt somit nicht sonderlich schwer, sich hier bald wie zu Hause zu fühlen – auch die günstigeren Getränke (verglichen mit CH) laden sehr dazu ein, noch ein Weilchen sitzen zu bleiben.

Nun aber ein paar Worte zu den Prüfungen, die der Grund für meine Rückreise waren: Rein formell läuft das ganze genau so ab wie an der HSG: Es sitzen dutzende Studenten im gleichen Raum (hier die dafür hergerichtete Sporthalle), arbeiten an einer 30x40cm grossen Fläche an ihren Prüfungsbögen und man hört lediglich das Kratzen von Stift auf Papier mal fünfhundert.

Der grosse Unterschied besteht nun aber im Inhalt der Prüfungen: Die Fragen sind ausschliesslich offen gestellt und man hat immer ein wenig Spielraum hinsichtlich der Fragen, die man beantworten möchte: In den meisten meiner Prüfungsfächer musste ich nur zwei aus zehn Fragen beantworten, die Aufgabe bestand jeweils darin, ein kurzes Essay zu schreiben. Viel Fachwissen war nicht gefragt, man sollte nur gut argumentieren. In der Exam Review Session raten die Dozenten auch explizit dazu, maximal 3-4 Themen aus der Vorlesung vorzubereiten. Da die Prüfungen der letzten zehn Jahre aufgeschaltet sind und sich die Fragen auch stets wiederholen, hat man ein ziemlich genaues Bild davon, mit welchen Fragen man in der Prüfung konfrontiert sein wird. Auch in der zweistündigen Prüfung in Micro II waren alle offen gestellt. Wer eine Frage nicht konnte, lässt die Frage einfach aus (ohne das Risiko, Punkte zu verlieren), es mussten nur vier der acht Fragen beantwortet werden. Insbesondere in der Vorlesung behandelt wurden Game Theory sowie Applied Game Theory and Strategic Behavior. Präferenzen praktisch gar nicht. Der Kurs gibt übrigens 10 Credits.

Nach den Prüfungen wird nochmal gefeiert. Im Januar war es auch in Nottingham um die null Grad, was die englischen Ladies aber nicht daran hindert, die Wohnungen abends nach wie vor so knapp bekleidet wie möglich zu verlassen. Crazy people…

Meine Mitbewohner, die Uni und Robin Hood sind verabschiedet, das Gepäck ist irgendwie im Koffer verstaut und ich sitze im Bus zum Flughafen. Am Flughafen dann der Klassiker: Handgepäck zu gross. Mit lauter Gegenständen in allen Taschen und drei Pullis an (ist ja kalt draussen) komme ich aber doch noch zum Gate und befinde mit nun wieder auf dem Heimflug.

Goodbye England…

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Teil 1: First Impression

Teil 2: Brighton und Nottingham

Teil 3: Ein Rundgang über den Campus

Teil 4: Winterzeit

Teil 5: Exams and Goodbye

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MEHR DAZU