Ein berührendes Familienportrait hat Marcel Gisler mit „Rosie“ geschaffen. Empfehlenswert für graue Sommertage!

Als Rosie einen Hirnschlag erleidet, wird ihrer Tochter Sofie und ihrem Sohn Lorenz zum ersten Mal wirklich bewusst, dass ihre Mutter alt ist und, dem Zustand der Wohnung nach zu urteilen, auch nicht mehr für sich selbst sorgen kann. Doch was soll geschehen, wenn Rosie aus der Reha kommt? Wie soll es weitergehen? Rosie sieht das ganz klar – sie kann das weiterhin alleine und für alles was sie nicht kann, hat sie Chantal, eine junge Frau aus dem Dorf. Doch so einfach sehen das ihre Kinder natürlich nicht! Lorenz übernimmt, gezwungenermassen, in der Übergangsphase den Pflegedienst – oder er sollte zumindest. Ein Hexenschuss führt dazu, dass er nicht wirklich eine Hilfe für Rosie ist und schliesslich der Sohn der betagten Nachbarn, Mario, die Einkäufe nach Hause tragen muss und einen Teil der Haushaltsführung übernimmt.

Zwischen ihm und Lorenz beginnt so etwas wie eine Affäre, zumindest ein One-Night-Stand, denn Lorenz will sich nicht binden, ja fühlt sich sogar durch Marios Anwesenheit und seinen jugendliche, bewundernde Art belästigt. Immer wieder lässt Sofie eine spitze Bemerkung gegen ihre Mutter fallen, sie sei schuld, dass der Vater depressiv gewesen sei. Aber auch bei Sophie scheint es in der Ehe zu kriseln, ihre Spitzen mag man ihr verzeihen. Während des Films wird immer deutlicher, wie schlecht es Rosie eigentlich geht und dass sie kaum mehr in der Lage ist, für sich selbst zu sorgen – doch sie kämpft weiter für ihr Selbstbestimmungsrecht. Doch nicht nur ihr Hirnschlag wirbelt das Leben der drei ordentlich durcheinander, auch die Vergangenheit und die (mögliche) Zukunft mischen gehörig mit.

Rosie zeigt die nicht ganz einfache Geschichte einer Familie mit Geheimnissen, voreinander und vor sich selbst. Zeigt, was Liebe bedeuten kann und zu was sie einem treibt. Er zeigt aber auch, wie schnell es im Alter gehen kann, wie schnell die eigenen Unabhängigkeit nur noch eine Farce ist und welche Belastung dieser Prozess für die erwachsenen Kinder darstellen kann.

Die Besetzung ist mit Fabian Krüger, Judith Hoffmann und Sybille Brunner mehr als gelungen und überzeugt. Keine Effekthascherei oder „kreative“ Effekte stören den langsam-plätschernden Lauf der Geschichte. Ein gelunges Stück Schweizer Film, das übrigens in Altstätten gedreht wurde.