Peter Liechtis neuer Film handelt von seinen Eltern und der Auseinandersetzung mit ihnen. Das Ausweichen, welches jahrelang die Gespräche zwischen ihnen geprägt hat, soll und wird gebrochen.

Einfach mal das Leben der eigenen Eltern filmen. Wie sie aufstehen, frühstücken, ihren Tag begehen – und dazwischen Gespräche, die man so vielleicht mit seinen Eltern nie führen würde und auch nicht unbedingt führen möchte: Hättet ihr euch manchmal gewünscht, ich wäre ein anderer? Bist du glücklich mit deinem Leben? Dabei wechseln sich Interviews, Offgespräche und Puppentheater ab. Man wird an seine eigenen Grosseltern erinnert und irgendwie an eine Welt, die so ganz fremd ist. „Wer hat denn bei euch die Hosen an?“ – „Das kann man so nicht sagen. Wir beraten uns gegenseitig und das, was mich überzeugt, das machen wir dann.“ Etwas schmunzeln muss man bei der Antwort von Liechtis Vater – doch die Rollenverteilung zwischen ihm und seiner Frau war nun einmal klar, sie ist die Frau, er der Mann, da gibt es nichts zu rütteln. Zum Beispiel die Geschichte mit der AHV. „Fast ein halbes Jahr hat er nicht mit mir geredet …“, meint die Mutter, nur weil sie aufs Amt gegangen sei und verlangte, dass ihre AHV auf ihr eigenes Konto überwiesen werde. „Schliesslich hat sie nie was zur AHV beigetragen und dann geht sie ganz selbstverstänlich davon aus, dass ihr die Hälfte zusteht. Das sehe ich nicht ein“, rechtfertigt sich der Vater.

Der Film liefert einen intimen Einblick in das Leben eines alten Ehepaares, aus einer noch intimeren Perspektive, wenn man bedenkt, dass der Sohn der beiden den Film gedreht hat. Dabei ist der Film sowohl ein Resümee der gemeinsamen Zeit der beiden, der Dinge, die man für einander aufgab und derer, die man durch den anderen gewonnen hat. Es zeigt aber auch, wie zwei derart verschiedene Menschen, die religiöse Mutter auf der einen und der überakkurate Vater auf der anderen Seite, es geschafft haben, 62 Jahre lang zusammen zu bleiben, obwohl es offensichtlich nicht immer einfach war. Am Ende hat man das Gefühl, die beiden zu kennen und man ist nachdenklich, über die eigenen Eltern, die Grosseltern vielleicht, ob sie mit ihrem Leben glücklich sind. Um es einfach zu sagen, ein schöner Film, der zum Nachdenken anregt.