Die Podiumsdiskussion zur Frage „Wie viel Staat erträgt die Wirtschaft?“ an den Consulting Days der HSG, trumpfte mit guten und teilweise bekannten Rednern auf, hitzige und kontroverse Diskussionen zwischen den Teilnehmern blieben jedoch aus.

Wo der Name Christoph Blocher im Zusammenhang mit einer Podiumsdiskussion steht, erwartet man grosse Kontroversen, hochkochende Emotionen und überschwängliche Gestik. Das dies nicht immer so sein muss, zeigte die Podiumsdiskussion, welche diesen Dienstag im Audimax stattfand.

„Die Linken sagen, die freie Marktwirtschaft habe zur Krise geführt, die Rechten sagen, der Staat habe die Krise nicht kommen sehen“, eröffnete die Moderatorin und Wirtschafsjournalistin Marianne Fassbind die Runde verheissungsvoll. Die Zusammensetzung der Podiumsteilnehmer liess Fassbinds Absicht, mit ihrem Statement eine lebhafte Diskussion zu entfachten, im Keim ersticken. Christoph Frei, Staatswirtschaftler und Professor, Christoph von Gamm, CEO von „vonGammCom Global Institute for Change“, Monika Ribar, Unternehmerin und Verwaltungsmitglied bei der Swiss International Air Lines und Christoph Blocher mussten sich fast nie widersprechen. An der „Namensvetterschaft“ der männlichen Podiumsteilnehmer mag es wohl nicht gelegen haben.

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Schnell waren sich die Vier einig, dass Firmen sterben können müssen. Sobald wurden mehr und mehr liberale Klischees abgearbeitet, Konsens fand man dabei schnell. Erstens: „Too big to fail“ darf es – natürlich mit Ausnahme der Banken – nicht geben. Zweitens: Der Staat soll sich um wichtigere Dinge kümmern, anstatt seine Bürger zu bemuttern. Oder wie es Christoph von Gamm ausdrückte: „Der Staat soll das Wetter machen, und sich nicht nach dem Wind richten.“ Und drittens: Wer fleissig ist, soll auch nach oben wachsen dürfen.

Bald kamen Blocher, Frei, von Gamm und Ribar auf die 1:12-Initiative zu sprechen. Auch hier teilten sie ihre Meinungen. „Die besten Jahre um sozialistisches Gedankengut auszuweiten sind die guten Jahre“, argumentierte Blocher. Frei pflichtete ihm bei, dass die 1:12-Initiative ohne die letzten fünf Jahre undenkbar wäre. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der Ungleichheit weniger und weniger toleriert wird“, sagte er. Dem stimmte auch von Gamm zu: „Wir haben in der Schweiz einen Neidkomplex und glauben, keiner darf mehr verdienen als ich, auch wenn ich eine faule Sau bin.“

Selten bis nie ertönten Gegenargumente, ein grosses Kopfnicken begleitete (fast) jede Argumentation. Die Homogenität der Teilnehmer machte sich durch die ganze Diskussion hindurch stark bemerkbar, ein Gegenpol hätte den ganzen Anlass um einiges interessanter gestalten können. Der Podiumsdiskussion fehlte es an einem Cédric Wermuth – denn ständiges Nicken entspricht nicht dem Ideal einer interessanten Podiumsdiskussion.  Am meisten erstaunte wohl die Aussage von Christoph Frei, dass auch Staaten sterben können müssten und dürften. Leider ging aber keine der Personen auf dem Podium auf Freis Statement ein und so verhallte es – scheinbar – unbeachtet.