prisma schaut für euch hinter die Kulissen des Symposium – hier der Auftakt

Nach langem Warten war es gestern so weit und Lord Griffiths of Fforestfach, der quasi bereits zum Inventar des Symposiums gehört, hielt die Eröffnungsrede in welcher er die Arbeit der Organisatoren und Helfern in höchsten Tönen lobte und das Symposium als „flagship of the liberal political and social order“ hervorhob. Danach schwenkte er zum diesjährigen Thema „proudly small“ über und warf die Frage auf ob zwischen der Grösse einer Organisation und deren Legitimation generell eine negative Korrelation besteht.

Auf den äusserst wortgewandten und durchaus charmanten Goldman Sachs Vice-Chairman und ehemaligen Berater von Margarethe Thatcher folgte sogleich Bundesrat Schneider-Ammann. Auffallend war bei diesem allerdings weniger der Inhalt als die Verpackung. Niemand behauptet die Schweiz benötige einen Entertainment-Präsidenten wie Obama, aber ein Bundesrat muss seine repräsentative Funktion erfüllen können und dazu gehören nun einmal auch öffentliche Reden. Mehr will ich dazu an dieser Stelle auch gar nicht sagen. Viel eher möchte ich auf die geehrten Aufsätze von Studenten aufmerksam machen:

Sieger-Essay, Laya Maheshwari, London School of Economics, „The Next Big Thing is a Series of Small Things“

2. Platz, Leon Schreiber, Freie Universität Berlin, “Small yet big: The Basic Income Guarantee”

3.Platz, Katharina Schramm, Universität St. Gallen, „Beyond Influence: Rethinking Elites in the Brave New World“

 

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Der Nationalstaat unter Beschuss

Ein absolutes Highlight des ersten Tages war Professor Bruno Freys Auftritt, welcher in Sachen Gestik und Mimik das genaue Gegenteil von Schneider-Ammanns Rede war. Der Wirtschaftswissenschaftler nahm kein Blatt vor den Mund und bezeichnete den Nationalstaat als künstliches Gebilde und Relikt des 19. respektive 20. Jahrhunderts, welches es zu überwinden gilt. Dabei forderte er den Wandel hin zu einem flexibleren Föderalismus-Modell „FOCJ“, welches er bereits 1997 zusammen mit Reiner Eichenberger entwickelt hat. FOCJ steht für „Functional Overlapping Comepting Jurisdictions“ und bezeichnet ein System in welchem es keine einheitliche Bezugsgrösse für alle Themenbereiche mehr gibt, sondern verschiedene regionale Organisationsformen verschiedene Funktionen erfüllen. Es entbehrte schon nicht einer gewissen Ironie. Während die Gegenbewegung „Smash Little WEF“, welche aus jenen linksalternativen Kreisen stammt, die gerne einmal „No Borders, No Nations“ skandieren, irgendwo ausserhalb gegen das böse Symposium demonstriert, wird innerhalb eigentlich dasselbe propagiert.

Der gute Lord Griffiths schien ob solch revolutionärer Rhetorik so geschockt, dass er sich bei der anschliessenden Paneldiskussion über Kleinstaaten erst einmal etwas fassen musste, um dann zu betonen, dass er ein Patriot jedoch kein Nationalist sei. Der maltesische Premierminister Muscat schien der Idee gegenüber hingegen grundsätzlich offen, betonte aber, dass die Identität des Bürgers heute immer noch eng mit dem Nationalstaat verbunden ist. Als sich die Teilnehmer dann dem Status Quo widmeten, liess sich feststellen, dass wenn Ökonomen oder Politiker die Hosen runter lassen und ihr „GDP-Growth“ vergleichen auch in diesem Jahr immer noch die Grösse zählt. Zum guten Glück für die beiden Insel-Premierminister aus Malta und Island die mit ihrem Wachstum prahlten, verzichtete die Aussenministerin von Ghana darauf bei diesem Grössenvergleich mitzumachen.

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Too Small To Pay

Die höhere Flexibilität und Adaptabilität beschert kleinen Staaten einen Vorteil darüber waren sich alle Teilnehmer einig. Islands Premierminister Gunnlaugsson erklärte dabei auch, dass die Grösse Islands im Zuge der Finanzkrise durchaus von Vorteil war. Island war schlicht zu klein, um seine „Too big to fail“-Banken retten zu müssen oder können. Muscat, der Premierminister von Malta, anerkannte wiederum, dass die Prosperität des kleinen Inselstaates natürlich auch aus dem Kontrast zu seinen grösseren Nachbarn besteht und bezeichnete Malta als „oasis“. Dies wäre dann auch eine relative simple Antwort auf die Frage weshalb kleine Staaten gerade in Europa oftmals ein höheres BIP pro Kopf als grössere Staaten ausweisen. Eine internationale Steuergesetzgebung, welche die negativen Effekte eines solchen Kontrasts für grössere Staaten in diesem Bereich minimieren würde, wollte allerdings wenig überraschenderweise niemand der Podiengäste. Schon gar nicht der Gouverneur von Delaware, der von der Weltmacht USA beschützten Steueroase, welche gemäss Aussage des Gouverneurs allerdings gar keine Steueroase ist. Es herrschen dort wie es Lord Griffiths mit einem verschmitzen Lächeln ausdrückte halt einfach „liberal corporate laws“.