Der 1. August, das sind “Buurezmorge”, Feuerwerk und natürlich Ansprachen. Da wird geredet und geredet und bis man zu dem Teil kommt, wo man klatschen sollte, geht in der Regel (mindestens) die Hälfte des Gesagten bereits wieder vergessen. Frei nach dem Motto “Kurze Reden, langer Sinn”, wollten wir das beim prisma anders machen und haben Persönlichkeiten aus dem Umfeld der HSG gebeten, in zwei bis drei Sätzen zusammenzufassen, was die Schweiz für sie persönlich bedeutet:


Res Strehle

HSG & prisma Alumnus (mitverantwortlich für einige der legendärsten prisma-Ausgaben aller Zeiten), Chefredaktor des Tages-Anzeigers, prisma-Interview 2013

res_strehle

Patriotismus unterscheidet sich vom Nationalismus in der Dosis: Ich liebe die Schweiz für ihre Verlässlichkeit, ihre Natur, ihre gute Organisation und Infrastruktur, die vergleichsweise hohe Chancengleichheit, die Bereitschaft zum Konsens und die Tatsache, dass sich die alten Eidgenossen nach Konflikten jeweils wieder versöhnten. Aber ich halte deswegen das Rütli nicht für mehr als eine wunderschöne Bergwiese.


Amanda Ammann

HSG Alumna, Miss Schweiz 2007, Projektleiterin bei Trunz Watersystems, einer Organisation, die Menschen Zugang zu sauberem Wasser ermöglicht, prisma-Interview 2011

amandaammann

Es gibt keine Worte für die Dankbarkeit, die ich dafür empfinde, Bürgerin dieses tollen Landes sein zu dürfen. Das ausgezeichnete Bildungssystem der Schweiz und die Chancen, die jungen Menschen hier auf dem Arbeitsmarkt gegeben werden, sind unvergleichbar. Dank meiner Ausbildung und des hohen Lebensstandards, den wir hier geniessen dürfen, konnte ich bereits viele Orte dieser Erde bereisen und in zahlreichen Ländern Berufserfahrungen sammeln. Trotz meiner vielen Reisen freue ich mich immer wieder, zurück in die Schweiz zu kommen.


Hans-Rudolf Merz

HSG & prisma Alumnus, von 2003-2010 Bundesrat und Vorsteher des EFD, 2009 Bundespräsident, Präsident der Patenschaft für Berggemeinden, auch bekannt für seinen legendären Lachanfall

WEF 2009, Creative Commons 2.0 license, Author: World Economic Forum, swiss-image.ch/Photo by Monika FlueckigerBild: WEF 2009, Creative Commons 2.0 License, Author: World Economic Forum, swiss-image.ch/Photo by Monika Flueckiger

Der Erfolg unseres Landes beruht auf fünf Pfeilern, nämlich (1) dem Wohlstand ohne den alle unsere privaten und sozialen Ansprüche sowie der Staat gar nicht bezahlbar wären; (2) der Sicherheit für uns Bürger im Alltag und für das Land; (3) der kulturellen, sprachlichen und sozialen Vielfalt, (4) der Modernität in Bildung, Forschung und Gesellschaft sowie schliesslich (5) der Solidarität, vor allem auch mit jenen Mitmenschen, die in Not und Bedrängnis geraten. Solange diese Pfeiler tragfähig bleiben, solange ist die Schweiz ein lebenswertes, erfolgreiches Land und eine starke Nation. Das ist sie heute und darauf bin ich stolz.


Patrik Müller

HSG & prisma Alumnus, Initiator des SwissMediaForum, Chefredaktor der Schweiz am Sonntag

patrikmüllerprisma2010

Ich schreibe diese Zeilen aus Kanada, wo ich seit drei Wochen in den Ferien bin. Hier und auch anderswo im Ausland fällt mir immer wieder auf auf: Der Ruf der Schweiz ist ungebrochen fantastisch. Man bewundert unser Land. Vielleicht tun wir selbst das zuwenig.


Johannes Rüegg-Stürm

Professor für Organization Studies, Direktor am IMP, einer der Hauptentwickler des SGMM dritter und vierter Generation, VR-Präsident von Raiffeisen Schweiz

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Für mich ist es ein grosses Privileg, in diesem Land leben zu dürfen. Die Schweiz bedeutet für mich eine unglaublich bereichernde Vielfalt an Kulturen, Sprachen und Landschaften auf engstem Raum. Ich bin gerne in diesem Land unterwegs.

Ich schätze es, dass das Bewusstsein, persönlich Verantwortung für die Weiterentwicklung dieses Landes mitzutragen, (immer noch) weit verbreitet und im föderalistischen politischen System auch breit verankert ist.

Was mir Sorge bereitet, sind politische Strömungen, denen nicht nur jeder selbstkritische Blick nach innen und in die Vergangenheit abgeht, sondern – sehr „unschweizerisch“ – auch jeglicher Respekt vor dem politischen Gegner und für Menschen in Not. Demgegenüber steht die Schweiz für mich für eine Kultur, die offen ist für Neues, und einen gesunden Ausgleich gefunden hat zwischen Leistungsdenken und Solidarität. Dazu müssen wir Sorge tragen.


Thomas Geiser

Professor für Privat- und Handelsrecht, Nebenamtlicher Bundesrichter, Mitinitiant der RASA-Initiative, Profs Privat 2011, Pro/Kontra zu Zuwanderungsquoten 2015

thomasgeiser

Die Schweiz ist für mich ein wunderbares Land, weil es von einer kulturellen Vielfalt lebt und als kleines Land dauernd auf Aussenbeziehungen angewiesen ist, welche die Schweiz und das Ausland bereichern.


Peter Wuffli

HSG & prisma Alumnus, 2001-2007 CEO der UBS, VR-Präsident der Partners Group Holding, VR-Vizepräsident des Opernhaus Zürich und der Managementschule IMD, Gründer der Elea-Stiftung

Wuffli_symposium2005Bild: St. Gallen Symposium 2005, Creative Commons 3.0 License, Author: International Students Committee

In der Schweiz geboren zu sein und hier leben zu dürfen ist ein Privileg, für das ich zutiefst dankbar bin. Für mich leiten sich daraus zwei Verantwortungen ab: Erstens, mich für jene zu engagieren, die – anders als die Schweiz – von der beschleunigten Globalisierung der letzten Jahrzehnte nicht profitieren konnten und weiterhin in absoluter Armut leben. Die Stiftung “elea Foundation for Ethics in Globalization”, die meine Frau und ich vor knapp 10 Jahren gegründet haben, investiert zu diesem Zweck in unternehmerische Projekte zur Armutsbekämpfung. Und zweitens setze ich mich in vielfältiger Weise dafür ein, dass wir unsere schweizerische Erfolgsgeschichte nach Möglichkeit fortschreiben können.


Yvette Sánchez

Professorin für Spanische Sprache und Literatur, Direktorin des Lateinamerikazentrums (CLS HSG), Präsidentin der HSG-Kunstkommission

sanchez

Ja, ich mag sie sehr, die Schweiz, verspüre ein kaum jemals erschüttertes Grundvertrauen in die Qualitäten dieses Landes und lasse mich hier von so vielen, weltweit einzigartigen Annehmlichkeiten verwöhnen: Soziale und medizinische Versorgung, Sicherheit, Bildungssystem, Wasser höchster Qualität (à discrétion, wohl auch in Zukunft), wunderschöne, gepflegte Landschaft, Essen (nicht nur Schoggi und Käse, sondern auch das Brot), Hygiene, qualitativ hochstehendes Handwerk, Einkommensniveau, Konsens-Kultur, Bedachtsamkeit, direkte Demokratie, das Schweizerdeutsche und die Sprachenvielfalt. Einige der Privilegien können zuweilen beeinträchtigend wirken, etwa Perfektionismus, Ordnung oder ein skeptisches, kritisches Denken, das unsere Experimentierfreude auch bremsen kann. Was mir hin und wieder fehlt, besonders im gewässerlosen St.Gallen: der Weitblick auf das Meer…