Die Schweizerische Volkspartei (SVP) hat ihren eigenen Song. „Welcome to SVP“ heisst das ungewohnte Wahlkampf-Lied und schafft es die Gemüter zu spalten.

Eine idyllische Landschaft, sanfte Klaviermusik und Vogelgezwitscher, so beginnt das neue offizielle Video der SVP. Inszeniert wurde das Ganze von Nationalrat Thomas Matter alias DJ Tommy. Das Bild zeigt die Villa in Herrliberg von niemand geringerem als dem inoffiziellen Oberhaupt des Parteiclans Christoph Blocher. Man könnte die Szenerie zunächst als Beginn einer verfilmten Biografie abtun. Falls man sich davon nicht abschrecken lässt und sich dazu durchringt weiterzuschauen, dann wird es sich lohnen. Die SVP weiss immer wieder mit ihren diversen Aktionen zu überraschen, aber den weiteren Verlauf des Videos hätte niemand vorhersehen können. Gemächlich schneidet Alt-Bundesrat Blocher mit einer Nagelschere seinen Rasen. Das ist zweifelsohne das richtige Werkzeug, um Gartenpflege zu betreiben. Er schreitet zum imposanten, hauseigenen Pool und dreht ein altes Radio auf. Daraufhin ertönen ganz und gar unerwartete poppige Klänge, die man so gar nicht mit der Person Blocher in Verbindung bringen würde. Mit einem anmutigen Kopfsprung befördert er sich ins kühle Nass. Im Rest des Videos werden weitere Polit-Stars der Führungsriege der SVP gezeigt, die sich in ungewohnt selbstironischer Weise präsentieren.

 Ein angeschlagenes Image wird aufpoliert

Das Video geht weiter und die Kamera zeigt zweimal die Weltwoche. Dies sollte bereits ein Hinweis darauf sein, wer sich als nächstes die Ehre gibt und im Film erscheint. Es ist Roger Köppel, Chefredaktor der Weltwoche, mit heruntergelassener Hose. Wortwörtlich, denn er befindet sich auf einer öffentlichen Toilette, bei der die einzelnen Kabinen anscheinend keine Türen mehr besitzen. Das muss unangenehm gewesen sein sich in solch einer Pose filmen zu lassen, fast so unangenehm, wie die Rüge des Presserats bezüglich des Artikels in der Weltwoche mit dem Titel: „Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz“. „Die Kombination von Text und Bild diskriminiere die Roma und entstelle Informationen“, so die Argumentation des Presserats 2012. Als nächstes sieht man Natalie Rickli, welche mit einer Schüssel voll Chips gebannt Roger Schawinski und Roger de Weck auf SRF bei einer Debatte zuschaut. Auch Christoph Mörgeli hat einen Auftritt und staubt ein Schulskelett ab. Nach dem Facebook Post des Zürcher-SVP-Nationalrats Ende August, welches ein Bild von Flüchtlingen mit dem Kommentar „Die Fachkräfte kommen“ zeigte, überrascht es nicht, dass alle Möglichkeiten, das eigene Image aufzupolieren, ausgeschöpft werden. Auf einem Militärvelo sieht man ausserdem den aktuellen Chef des VBS und Bundesrat Ueli Maurer, der anstatt einer Klingel einen Gripen an den Lenker geschraubt hat.

 Die SVP-Agenten

Der Refrain gestaltet sich ebenfalls etwas befremdlich, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um eine Regierungspartei handelt. Junge Damen tanzen zu den Elektro-Beats, während die Politiker mit Sonnenbrillen und verschränkten Armen alla „Secret Service“ dastehen und keinen Muskel bewegen. Toni Brunner, Parteipräsident, macht ein Picknick mit seiner Kuh. Dazu lässt sich nicht viel mehr sagen. Auch an Action sollte es anscheinend nicht fehlen und so springt Adrian Amstutz mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug und landet gekonnt im Freibad. Thomas Aeschi leert in einem Zug einen Zuger Kirsch runter, der mit K.o.-Tropfen versetzt ist, und verliert daraufhin das Bewusstsein. Dies soll wohl eine Anspielung auf den Sex-Skandal in seiner Kantonalsektion sein, in welchen Markus Hürlimann verwickelt war.

 Mutig aber inhaltslos

Humorvoll oder nicht. Innovativ oder unangebracht. Darüber lässt sich streiten. Geschmäcker scheiden sich bekanntlich. Zumindest hat das Video auf Youtube bereits über 150’000 Aufrufe und 1’371 positive Bewertungen versus 1’868 negative (Stand 13.09). Das verfolgte Ziel der SVP, nämlich Aufmerksamkeit, Provokation und Polarisierung hat sie mit diesem Video und viel Selbstironie auf jeden Fall erreicht. Silvia Bär, stellvertretende Generalsekretärin der SVP schildert auf Anfrage des prisma die Entstehung des Videos folgendermassen:

„Thomas Matter hat an einem schönen Sommerabend im Juni zum privaten Grillfest bei sich zu Hause geladen. Als grosser Musikliebhaber spielte er ein paar seiner Lieblingssongs auf seiner Musikanlage. Toni Brunner macht sich ein Spass daraus und fordert Thomas Matter auf, für die SVP einen Song als „DJ Tommy“ zu machen. Dieser willigt ein – daraus resultiert nun Welcome To SVP.“

Sie fährt fort, dass man eigentlich nur nach Klischees gesucht habe und sich selbst ein bisschen „habe hoch nehmen“ wollen. Gleichzeitig sei aber natürlich der Inhalt des Songs (Text) sehr wichtig und beinhalte eine klare Botschaft. Die Frage, wieso man aber gerade die SVP an den Nationalratswahlen vom 18.10.2015 wählen sollte, kann das Wahlkampf-Video jedoch nicht beantworten. Bei aktuellen Thematiken, wie der Flüchtlingspolitik, der aktuellen Wirtschaftslage und der Aufhebung des Euro-Franken Mindestwechselkurses, scheint ein inhaltsleerer Spot zumindest ziemlich gewagt zu sein.