13.30 Uhr, A Mensa. Zwei Männer Mitte Zwanzig mit auffallenden, roten Küchenschürzen betreten die Kantine. Einen kurzen Augenblick später steht einer der beiden an unserem Tisch und stellt sich als einer der Künstler der „intervention – young artists on campus“ vor. Er klärt uns über sein Anliegen auf: „Mir sammled Essensreste zums nacher verchole“. Die übliche Montagsbeschäftigung halt. „Ich han da scho ganz en huufe schöni Sache becho“, meint er halb stolz, halb begeistert. Behutsam öffnet er daraufhin seine Keksschachtel, die er in Händen hält und lässt uns einen Blick auf seine erworbenen Schätze erhaschen: zwei Cherrytomaten, einige Pommes und ein Hämpfelchen Maccaroni mit Käse. Mit dem Blick auf unsere Teller gerichtet, auf welchen sich nur noch je ein einsamer Schnitz Zitrone befindet, folgt die Frage, ob wir vielleicht auch etwas spenden würden. Obwohl wir die eigentlich gerne selbst mit nach Hause genommen hätten, um eine Bio-Halskette zu basteln, willigen wir ein. Nach genauer Betrachtung und Abwägung der ästhetischen Merkmale beider Schnitze, entscheidet er sich schlussendlich für den schöneren der beiden. Nachdem er noch kurz unser Einverständnis eingeholt hat, dass das besagte Stück Zitrone nicht zu Biogas verwertet werde, setzt er seine Suche nach dem interessantesten Stück Country Potato (Annahme der mit Kunst nicht besonders bewandten Autorin; jegliche Haftung wird ausgeschlossen) auf anderen Tellern fort. Zurück bleiben ein einsamer Zitronenschnitz und zwei irritierte Gesichter.

 Denkstrukturen aufbrechen

Irritation durch Intervention – das ist wohl auch das Ziel des vom universitätseigenen Kunstverein proArte durchgeführten Projektes „intervention – young artists on campus“. So beschreibt Christina Lüthy, die Initiatorin und Leiterin der Veranstaltung, den Beitrag von Kunst darin, „bestehende Denkstrukturen aufzubrechen und Dinge neu zu betrachten“. Zu diesem Zweck wurden mittels eines Wettbewerbs fünf junge Künstler mit vier Arbeiten ausgewählt, welche durch die Begegnung mit ihren Installationen zum Nachdenken anregen sollen. Diese jungen Leute sind namentlich Flavio Cury, Jorim Huber, Christian Fischer und Rafael Lippuner, und Lea Rüegg. Die Werke, welche ganz nach HSG-Manier überall auf dem Campus verstreut sind, konnten am vergangenen Montag auf einer Führung mitsamt Erläuterungen vor Ort bestaunt werden.

 Vernissage neben der Garage

Der offizielle Start der einwöchigen Veranstaltung, nämlich die Vernissage, fand dann um 18.30 Uhr nicht ganz „on campus“, sondern eher unter dem Campus statt: im mit gemütlich blauem Licht durchfluteten Lüftungskeller neben der Parkgarage. Anwesend waren nicht nur das fünfköpfige studentische Organisationsteam, sondern auch die ebenfalls studentischen Künstler, die Jury und die Sponsoren sowie Vertreter der Kunstkommission. Bei einem, ebenso ganz nach HSG-Manier, reichlichen Apéro, wurden die besagten Personen vorgestellt und die Gedankengänge hinter den Kunstwerken erläutert. Hier erfuhr man auch den Gedanken hinter den verkohlten Cherrytomaten, nämlich die symbolische Schliessung eines Essenskreislaufes: Essen wird verkohlt und mit dieser Kohle wird wiederum Essen gekocht. Pommes zu Kohle, Kohle zu Pommes, sozusagen. Das Künstlerduo (a.k.a. die Küchenschürzenmänner), welches zwischen den Besuchern stehend den Erläuterungen der Organisatorin lauschte, grinste sich an. Einer der beiden wog, mit Blick auf seinen Kollegen, seine Hand hin und her in einer Manier, welche sich sprachlich zu „naja“ übersetzen lässt und bei einem unbeteiligten Beobachter Zweifel an der gewollten Erschaffung eines Essenskreislaufes aufkommen lässt. Ich glaube, sie wollten auch nur Bio-Halsketten basteln.