Der Wahlkampf tobt und die Parteien schenken sich nichts. Vimentis lud zur Elefantenrunde in der Aula ein.

Gestern Abend, Donnerstag, lud Vimentis zur grossen Elefantenrunde mit fünf Vertretern der Parteien SP, CVP, BDP, FDP und SVP ein. Grosser Andrang herrschte vor der Aula der Universität St. Gallen und schon nach kurzer Zeit war kein freier Platz mehr zu finden, dies bei einem totalen Fassungsvermögen von insgesamt 700 Personen. Vor Beginn mussten aufgrund der vollen Aula sogar diverse Leute wieder weggeschickt werden. Diese liessen sich jedoch nicht so einfach vertreiben, sondern folgten von aussen durch die geöffneten Fenster gebannt der Podiumsdiskussion. Es sei logisch, wenn Elefanten kämen, dass man diese sehen wolle, begrüsst Urs Wiedmer, ehemaliger «Arena»-Moderator und jetziger Bundeshauskorrespondent bei SRF, die zahlreich erschienenen Studierenden und weiteren Zuschauer.

Während einer kurzen Vorstellungsrunde, in der platitudenhaft die Positionen der einzelnen Parteifunktionäre dargelegt wurden, eröffneten Martin Landolt, Nationalrat und Parteipräsident der BDP, und Christophe Darbellay, Nationalrat und Parteipräsident der CVP, dem Publikum ihre gemeinsamen Jagderlebnisse. Dabei sei es auch einmal vorgekommen, dass sich die beiden Politiker ein Doppelbett teilen mussten, erzählt Christophe Darbellay lachend.

Das erste Thema, welchem sich die Volksvertreter widmeten, war das momentan aktuellste – Migration. Toni Brunner, Nationalrat und Parteipräsident der SVP, meint, dass die Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht unschuldig an der momentanen Situation sei. Mit ihren ausgestreckten Armen habe sie die Flüchtlinge geradezu aufgefordert nach Europa zu kommen und deshalb seien wir momentan auch mit diesem Chaos im Asylwesen konfrontiert. Es werden alle aufgenommen und es werde nicht mehr zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und Flüchtlingen unterschieden. «Das Dublin-Abkommen ist gescheitert.» Nationalrätin und Vizepräsidentin der SP, Barbara Gysi, entgegnet darauf, dass in der Welt Krieg herrsche und wir aus ethischen, wie auch aus moralischen Gründen dazu verpflichtet seien Hilfe zu leisten. «Es ist keine europäische Ministerin, die ihre Arme ausstreckt und sagt kommt hier her, sondern es ist die Not in einem vom Krieg gebeutelten Nahen Osten.» Abschliessend äusserte sich Martin Landolt folgendermassen zur Thematik: Die Migranten seien auch nur Menschen, welche auf der Suche nach einem neuen Leben seien und man dürfe den Ausdruck «Wirtschaftsflüchtling» nicht zum Schimpfwort machen.

“Wirtschaftsstandort Schweiz»

Christian Wasserfallen, Nationalrat und Vizepräsident der FDP, räumte ein, dass der starke Franken in der Export-Industrie im Moment das grösste Problem sei. In der Schweiz hätten 97.5 Prozent der Unternehmen 50 oder weniger Angestellte und vor allem diese international tätigen KMUs seien von der Aufwertung des Franken betroffen. «Wir müssen dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen in der Schweiz gut bleiben», sagt Christoph Darbellay. Vor allem der bilaterale Weg sei zu verankern. Wenn man die Zuwanderung senken wolle, ohne dass die Wirtschaft darunter leide, müsse man mehr inländische Arbeitskräfte generieren, so Martin Landolt. «Hierbei gibt es vor allem ein zentrales Potential – die Frauen.»

Das letzte, von den Zuschauern gewählte, Thema war Bildung. In vielen Branchen habe man heutzutage einen Lehrstellenüberschuss, jedoch müsse man «die Gleichartigkeit aber Andersartigkeit der Berufslehre und des Studiums aufrecht erhalten», so Christian Wasserfallen. Toni Brunner fuhr fort, dass das duale Bildungssystem in der Schweiz schon richtig sei. Schlussendlich kam er auch auf die Maturitätsquote zu sprechen und unterstrich, dass man die Maturitätsquoten nicht auf «Teufel komm raus» erhöhen müsse.

Nach rund 90 Minuten waren die Zuschauer an der Reihe. Eine Zuschauerfrage, an Christian Wasserfallen gerichtet, stach besonders heraus. «Wie sollte der Bundesrat in Anbetracht der aktuellen Prognosen in der nächsten Legislaturperiode zusammengesetzt werden?» Die Antwort darauf, kurz und bündig: «Der Bundesrat wird die Zusammensetzung haben, zwei, zwei, zwei und eins. Die drei wählerstärksten Parteien werden je zwei Sitze bekommen und die viertstärkste Partei einen.»