Vor rund einem Monat berichteten wir über das polarisierende „Welcome to SVP“-Musikvideo. Am Samstagabend fand nun ausgerechnet in der Villa Wahnsinn, dem Club neben der AFG Arena St. Gallen, die offizielle „Welcome to SVP-Party“ statt. prisma packte die Gelegenheit beim Schopf und besuchte die Feier jener Partei, die in der Vergangenheit eher durch Provokation als Party auffiel.

Bilder: Paul Schaub
 

«Seid ihr alle hier?!», ruft DJ Black Sheep den Feiernden zu. Die Menge rastet aus und Helene Fischer mit ihrem Song «Atemlos» ertönt aus den Boxen. Beim Plattenaufleger handelt es sich um niemand geringeren als Toni Brunner selber, den Parteipräsidenten der SVP, wobei Plattenaufleger wahrscheinlich ein bisschen weit hergeholt ist. «Wo-muss-ich-hier-auf-play-drücken» wäre wohl die treffendere Bezeichnung. Es herrscht ausgelassene Stimmung im Club. Die SVP zeigt sich von einer ganz anderen Seite.

Die junge Generation als ungenutztes Wählerpotential

Es war eine ganz und gar amüsante Party, mit welcher man sich Samstagabend in der Villa Wahnsinn konfrontiert sah. Der Eintritt war ab 16 Jahren und gratis für jedermann. Man konnte allerlei bekannte Gesichter der SVP antreffen. So nicht nur den Parteipräsidenten selber, sondern auch Christoph Mörgeli, Thomas Matter, Lukas Reimann, Thomas Aeschi und viele andere aus der Parteielite mischten sich unter die Gäste und waren für alle greifbar.

Letzteren zu sehen war doch eine Überraschung. Es ist schliesslich ein etwas weiterer Weg vom Kanton Zug bis nach St. Gallen. Ebenfalls befindet sich hier so gar nicht die für Herrn Aeschi relevante Wählerschaft. «Ich bin der Einladung der SVP St. Gallen gefolgt«, berichtet er auf Ansprache. Er habe aufgrund seines Studiums an der HSG einen engen Bezug zu St. Gallen, sei zu seiner Studienzeit aber eher in Lokalen in der Altstadt verkehrt und habe sich deshalb gedacht, etwas Abwechslung würde sicher nicht schaden. Dementsprechend sei er vor allem als Privatperson hier und nicht in seiner politischen Funktion. Auf die Frage, was denn das Ziel des Abends und vor allem des Welcome-to-SVP Videos sei, antwortet er: «Ein grosses Problem heutzutage ist, dass viele junge Menschen nicht wählen gehen. Es gibt verschiedenste Wahlwerbekanäle, welche genutzt werden und der Film sei nur einer davon. Dieser habe jedoch genau zum Ziel die Jungen anzusprechen und sie zum Wählen zu motivieren. Am 18.10 wird sich zeigen, wie erfolgreich wir damit und unseren anderen Werbemassnahmen waren.«

Eine neue Dimension des Wahlkampfes

«Der nächste Song ist für Hansueli Vogt und Thomas Matter, welche grosse DJ Ötzi Fans sind«, ruft Toni Brunner ins Mikrofon und lässt als nächstes «Ein Stern« laufen. Die beiden Angesprochenen laufen vors DJ-Pult, klatschen gemeinsam nicht ganz im Takt zu dem Après-Ski Klassiker und feuern voller Begeisterung ihren Parteipräsidenten an. Handelt es sich hierbei um eine neue Dimension des Wahlkampfes? Als wir Toni Brunner nach seinem Auftritt fragen, ob er in seiner neuen Funktion als Discjockey nervös gewesen sei, antwortet er auf humorvolle Art und Weise: «Nein, gar nicht. Wissen Sie, ich gehe dieser Tätigkeit in regelmässigen Abständen nach, nämlich alle acht Jahre mal wieder.»

In der Menge lassen sich erstaunlich viele junge Gesichter ausmachen. Das Ziel des Abends scheint somit teilweise in Erfüllung gegangen zu sein. Über den ganzen Event ist eine stetig zunehmende Besucherzahl zu beobachten, die aber überschaubare Ausmasse beibehält. Ivan Louis, im 5. Semester des Masters in Law and Economics und seit Juli 2015 St. Galler Kantonsrat für die SVP äussert sich überrascht über die grosse Anzahl an Gästen. Er hätte nicht mit so vielen Personen gerechnet, viele andere wahrscheinlich auch nicht.

Schliesslich setzt der Höhepunkt des Abends ein, zumindest für die SVP-Anhänger. Das Welcome-to-SVP Musik-Video läuft an und wird auf einen grossen Bildschirm übertragen. Während die Klänge des Songs den Raum füllen, zeigt ein Gang zur Bar, wie weit die SVP in ihrem humoristischen Selbstverständnis bereit war zu gehen. Ein aufgehängtes Papier preist K.O.-Tropfen Shots für rund 5 Franken an. Wie kann man nur solch horrende Preise verlangen? Da ist auf jeden Fall die Grenze zwischen Spass und bitterem Ernst zu ziehen. Natürlich soll dies eine Anspielung auf die Zuger Sexaffäre von Markus Hürlimann sein, genau wie sie im Video selber schon aufgetaucht ist.

Die SVP-Familie

DJ Tommy alias Thomas Matter hat ebenfalls einen Auftritt am DJ-Pult. Ich persönlich hätte ja gerne noch DJ Zmörgeli zugejubelt, welcher sich leider jedoch nicht die Ehre gab und so gebe ich mich mit Thomas Matter zufrieden. Dieser lässt «We are Family» laufen. Der Song gerät sogleich in einen Loop und so geniessen die Zuschauer für die ersten drei bis vier Minuten seines Auftritts die sich wiederholenden ersten fünf Sekunden des Liedes. Trotz Loop bei «We are Family“» ist festzuhalten, dass sich die SVP, wie sich an diesem Abend gezeigt hat, dennoch als eine grosse Familie sieht. Auch wenn es die Familie ist, an welcher andere Familien oftmals Anstoss nehmen. Welche Erfahrungen und Eindrücke sind von der SVP-Party mitzunehmen? Nun ja, es gibt zweifellos gewisse Vorurteile, welche es nach diesem Erlebnis zu überdenken gilt. Physisch mitzunehmen gab es eine CD mit dem Welcome-to-SVP Song und ein Kondom mit der Aufschrift «Für mehr Sicherheit!».