Während sich St. Gallen auf Weihnachten in familiären Kreisen einstimmt, geht es in andern Teilen der Welt nicht so friedlich zu und her. Am Dinner mit den Refugees konnten sich prisma-Redaktoren einen persönlichen und spurenhinterlassenden Eindruck verschaffen.

Freundlich werden wir von Armel, eine der Organisatorinnen, empfangen und bekommen unser Namensschild. Anfangs fällt es uns noch etwas schwer, in einem Raum voller Fremden aufzutauen, doch schon nach kurzer Zeit lockert sich die Stimmung und man kommt mit Menschen aus den verschiedensten Ländern ins Gespräch. Im Hintergrund wird gekocht und der Raum ist von leckeren Düften durchzogen. Wir fragen uns, welches Gericht solche wohlriechenden Düfte erzeugt. Einer der drei Kurden erklärt auf unsere fragenden Blicke freundlich, dass es sich dabei um kein Nationalgericht handle, sondern eher um ein lokales Äquivalent zu Hamburgern, bestehend aus mit Koreander und Hühnchen gefüllten Reisbällchen. Anschliessend drehe man diese Bällchen in Ei und frittiere sie. Dazu gibt es Salat. Alle freuen sich enorm auf das Essen, das nicht nur gut aussieht, sondern auch richtig lecker schmeckt.

Strapazen einer Flucht in die neue Zukunft

Durch die individuellen Unterhaltungen beginnen die Studenten zu verstehen, dass die Bilder, welche  in der Zeitung abgebildet werden, nicht belanglos sind, sondern harte Realität. Obwohl bei vielen die Überquerung des Meeres mit dem Boot gut ging, so tragen sie doch bleibende Bilder in Erinnerung. Einer der Flüchtlinge erzählt, dass bereits nach einer Stunde auf dem Boot 25 Menschen verstorben seien und er immer wieder zu Gott gebetet habe, dass er lebend ankomme. Andere seien zwar heil angekommen, die Polizei habe dann jedoch viele ins Gefängnis gebracht, da sie illegal eingereist waren. Bei den einen habe die Reise in die Schweiz nur einige Wochen gedauert, wohingegen andere bis fast ein Jahr unterwegs gewesen seien. Und obwohl sie jetzt hier sind, und sie dankbar sind hier sein zu dürfen, sei es nicht einfach. Es gebe kein Zurück mehr, oder zumindest nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie haben alles hinter sich gelassen und wissen nicht, was jetzt auf sie zukomme.

Erlebnisse, die Gänsehaut wecken

Eine Geschichte, die uns besonders unter die Haut ging, war jene des Kochs. Im Irak studierte er für seinen Doktortitel in Finance, bis seine ganze Stadt von der ISIS kontrolliert wurde. Nun gab es für ihn zwei Möglichkeiten, von denen die Eine gar nicht erst in Frage kam. Entweder er wird nach 27 Jahren, in denen er vor allem für seine Zukunft gelernt hat, zum Krieger, oder er probiert sein Glück in andern Teilen der Welt. Seine Familie brachte sich in Sicherheit und er machte sich auf den Weg in die Schweiz. Hier sei es für ihn schwierig eine Universität zu finden an der er seinen Doktor abschliessen kann.

Tief berührt und mit Gänsehaut und Mitgefühl über diese unzähligen Lebensgeschichten und das erlittene Leid, ging der Abend seinem Ende zu. Ein Abend, der an uns nicht spurlos vorbeizog, denn diese Geschichten sind keine Märchen sondern Biographien. Diese Menschen sind keine Eindringlinge in unser schönes Land, sondern Schutz suchende Menschen, wie du und ich, die auf eine bessere Zukunft hingearbeitet haben und vor deren Augen alles zu Grunde ging.

Bilder: Alexandra Furio