Auch wenn er durch einen Unfall beide Arme verloren hat, kam ihm eines nicht abhanden – sein Lebenswille. Ein Interview mit Louis Derungs, einem von zwölf Referenten des vergangenen TEDx Events.

War das deine erste Präsentation?

Ja, das war eigentlich das erste Mal überhaupt, dass ich vor mehr als zwei bis drei Personen gesprochen habe. Bis jetzt habe ich hauptsächlich mit Freunden darüber geredet oder mit den Menschen, die ich im Spital kennengelernt habe.

Was möchtest du erreichen, wenn du dich und deine Geschichte präsentierst?

Ich denke, es ist sehr schade, dass vielen oft nicht klar ist, wie viel Potential in ihnen steckt. Ich habe Menschen kennengelernt, die traurig und unglücklich sind aus den verschiedensten Gründen. Ich dachte immer, wenn sie nur ein bisschen ihre Einstellung ändern, könnten sie diese Negativität in etwas Grösseres und Besseres umwandeln. Dieser Umstand macht mich traurig. Ich möchte den Leuten klarmachen, dass jede Erfahrung hilf- und lehrreich ist und dass man alles erreichen kann.

Also ist es alles eine Frage von Motivation und Einstellung?

Ja genau. Innerhalb der letzten anderthalb Jahren habe ich angefangen eine Methode zu entwickeln. In meinem Vortrag habe ich drei kleine Techniken und Tipps vorgestellt, die ich jeden Tag verwende um mich selbst zu motivieren. Ich versuche auch ein Buch zu schreiben, in dem man alle meine Tricks nachlesen kann, aber das ist noch ein langer Weg. Mein grösstes Ziel ist es, meine Methoden und meine Idee möglichst weit zu verbreiten.

Behandeln dich die Leute heute anders?

Ja klar und das nicht nur beim ersten Mal. Auch wenn mir die meisten anders entgegenkommen, versuche ich einfach so zu bleiben, wie ich bin. Oft bedauern die Menschen mich und meine Situation und sobald sie mich besser kennenlernen, verwandelt sich dieses Mitleid in Freude. Genau an diesem Moment, versuche ich dann jeweils anzuknüpfen.

Hat sich deine Art, wie du auf Menschen zugehst, seit deinem Unfall verändert?

Der Unfall und die anschliessende Zeit im Krankenhaus, gaben mir viel Zeit um nachzudenken. Das hat sich vielleicht verändert. Ich reflektiere heute viel. Ich fragte mich oft, was ich machen möchte und was ich erreichen will. Meine Persönlichkeit ist hingegen gleichgeblieben.

Musstest du beweisen, dass du immer noch fähig bist an einer Universität zu studieren?

Es gab viele Hürden zu überwinden auch aus versicherungstechnischen Gründen. Viele Anpassungen mussten vorgenommen und bezahlt werden. Also ja, ich musste beweisen, dass ich immer noch fähig bin. Auch als ich noch im Krankenhaus lag, habe ich mein Studium fortgeführt und auch abgeschlossen. Dafür musste ich viele Tests bestehen und das tat ich alles aus dem Krankhaus.

Während deiner Präsentation hast du erklärt, dass Misserfolg in Europa eine strikt negative Konnotation besitzt. Wie lässt sich das deiner Meinung nach ändern?

Als erstes müssen wir anerkennen, dass Misserfolg auch ein Beweis für Mut ist. Man versucht etwas zu erreichen und selbst wenn jemand scheitert, sollten wir darin Stärke sehen und nicht nur Schwäche. Auch wenn einem etwas nicht gelingt und man am Boden liegt, ist man danach immer noch am Leben, also warum nicht wieder aufstehen und es weiter versuchen.

Thomas Eddison sagt einmal: ,,Ich bin nicht gescheitert. Ich kenne nun einfach 10’000 Wege wie es nicht funktioniert.’’ Entspricht das deinem Credo?

Eigentlich schon, denn auch ich habe 10’000 Wege entdeckt wie es nicht geht, aber gleichzeitig kenne ich nun 10’000 Wege, die mir sagen, wie ich nicht mehr scheitere. Jedes Mal wenn ich scheitere, erhöhe ich die Chance, dass ich Erfolg habe. Es klingt banal, aber man muss das zuerst realisieren.

Gibt es Momente, in denen du einfach davonrennen willst?

Ja, mindestens einmal am Tag. Meine Leben ist wie eine Achterbahn. Ich erhalte nie eine gute Nachricht, ohne auch eine schlechte zu bekommen. Ich bin immer noch hier und versuche das Beste aus meiner Situation zu machen. Keine miese Laune wird mich davon abbringen es wieder und wieder zu versuchen. Wenn ich einen schlechten Tag habe, sage ich zu mir selbst, dass dieses Gefühl von kurzzeitiger Dauer ist. Anschliessend stehe ich wieder auf und mache weiter.