Im Kurs National Model United Nations (NMUN) werden 20 Bachelor Studierende auf eine Teilnahme an der weltweit grössten Simulation einer UNO-Konferenz in New York im März 2016 vorbereitet. Die Universität St. Gallen wird in diesem Jahr Afghanistan repräsentieren. Während dem Herbstsemester 2015 fanden regelmässige Meetings statt, um die zukünftigen Delegierten in die Strukturen und Prozesse der UNO einzuführen. Zwei dieser 20 Studierenden sind Aline Wani und Benjamin Reis. Aline und Benjamin sind beide im vierten Semester, sie studiert International Affairs, während er sich auf Jus spezialisiert hat. Sie werden in New York Teil der Comission on Narcotic Drugs (CND) sein. Die CND ist das zentrale Gremium für Drogenpolitik der UNO.

Wir haben die beiden zu dem Modul und zu ihrer bevorstehenden Reise befragt.

Was war deine Motivation, dich für diesen Kurs anzumelden?

Benjamin: Ausschlaggebend waren für mich mein Interesse an Politik und internationalen Zusammenhängen. Ich setze mich oft mit dem aktuellen Weltgeschehen auseinander und dieser Kurs schien mir die optimale Gelegenheit, mehr über die UNO, eine der wichtigsten internationalen Organisationen, zu erfahren.

Aline: Ich interessiere mich ebenfalls sehr für Politik und das internationale Geschehen. Zudem war ich bereits seit längerem daran interessiert, Neues über die komplexen und vielseitigen Vorgänge einer so einflussreichen Institution zu erfahren.

Was gefällt euch besonders am Projekt NMUN?

Aline: Im NMUN-Kurs lernte man sicheres Auftreten in Präsentations- und Verhandlungssituationen, wovon ich persönlich viel Neues mitnehmen konnte. Zudem befassten wir uns auch mit den formellen Seiten der UNO und erhielten so eine realistische Einsicht in die abwechslungsreichen Prozesse innerhalb der Organisation. Beispielsweise war es unsere Aufgabe, ein Position Paper (ein konzises Statement des Mitgliedsstaates für das entsprechende committee) zu verfassen. Hierbei war es vor allem wichtig, kurze und präzise Argumente anzuführen. Ausserdem war ich sehr dankbar dafür, dass Benjamin und ich dem CND committee zugeteilt wurden, da wir Beide die Drogenproblematik als eines der akutesten Probleme Afghanistans betrachten.

Benjamin: Ich schätzte besonders den Praxisbezug. Viele meiner anderen Module sind akademisch orientiert. Des Weiteren war es für mich sehr spannend, sich in die Lage eines fremden Landes mit einer komplett anderen Mentalität zu versetzen. Um den Staat glaubwürdig vertreten zu können, war es notwendig, sich intensiv mit Land und Leuten auseinanderzusetzen. Zudem hat sich für mich wieder einmal bestätigt, dass die Diskrepanz zwischen offiziell kommunizierten Dokumenten und der Realität oftmals sehr gross sein kann. So hat Afghanistan etwa die Eröffnung von Rehabilitationszentren für Drogensüchtige als beispielhafte Entwicklung dargestellt. Bei weiteren Recherchen hat sich jedoch herausgestellt, dass lediglich 2,86% der Drogenabhängigen im Land Zugang zu solchen Einrichtungen haben.

Was war dein bisheriges Highlight des Erlebnisses NMUN?

Benjamin: Der Höhepunkt des Kurses steht erst noch bevor; Die tatsächliche Simulation in New York. Ich freue mich darauf, neue Bekanntschaften aus aller Welt zu schliessen und die Möglichkeit zu erhalten, den UNO Sitz in New York zu besichtigen.

Werdet Ihr nach der Konferenz noch in New York bleiben und was wollt Ihr da unternehmen?

Aline: Nach der Konferenz bleiben wir noch genau zehn Tage in den USA. Wir haben bereits einen Ausflug nach Washington DC. geplant. Des Weiteren freuen wir uns sehr auf das Basketball-Derby zwischen den Brooklyn Nets und den New York Knicks.

Benjamin: Da es mein erster Aufenthalt in New York ist, werde ich bestimmt die allseits bekannten Sightseeing-spots aufsuchen.

Könntest du dir auch eine spätere Karriere bei der UNO vorstellen?

Aline: Ich könnte mir eine Zukunft bei einer internationalen Organisation sehr gut vorstellen. Mir ist allerdings bewusst, dass es nicht leicht werden wird, in einer der grossen Institutionen Fuss zu fassen.

Benjamin: Obwohl es ein sehr interessantes Berufsfeld ist, sehe ich meine spätere Karriere in einem anderen Bereich. Man muss sich bewusst sein, dass man, sobald man für eine internationale Organisation arbeiten will, in einem extremen Konkurrenzverhältnis zu top ausgebildeten Leuten aus der ganzen Welt steht. Hat man sich wirklich das Ziel gesetzt, eines Tages für die UNO oder eine andere grosse internationale Organisation zu arbeiten, ist es in meinen Augen nötig, seine ganze Karriereplanung auf eine solche Stelle auszurichten. Dies kommt für mich momentan nicht in Frage.

DSC_0067 (2)

DSC_0079 (2)

Vielen Dank an Aline und Benjamin für die Teilnahme an diesem Interview.

Weitere Infos: Website National Model United Nations HSG und Projekt „National Model United Nations“ HSG inSite