Am 20. April fand in der Lokremise der fünfte, eintägige Un-Dress Event statt. prisma hat sich unter die Besucher gemischt, mit Designern gesprochen und war an der fulminanten Fashionshow mit dabei.

Eingelullt von der kreativen Atmosphäre der Lokremise laufen wir vorbei an kleinen Ständen der eingeladenen Labels und bewundern die extravaganten Kleidungsstücke. Es scheint eine sehr spezifische Besuchergruppe angelockt worden zu sein. Die Garderobe wurde nach den schönsten, glanzvollsten Kostbarkeiten durchsucht, welche sich nun an die Körper der Anwesenden schmiegen. Ein Biologe wäre trunken von dem hier vorzufindenden, erstklassigen Genpool und müsste sich wie in einer optimierten Genfabrik vorkommen. Im Vorhinein schwirrte natürlich schon eine gewisse Erwartung an den Event in den Köpfen umher, denn keine Überraschung ist es, dass in der Welt der Mode Heimische, meistens nicht über fehlende Schönheitsattribute zu klagen haben. Die Hand schwebt reglos über dem seltsam nutzlos vorkommenden Notizbuch, angesichts solch vorherrschender Anmut.

Jede neu entgegenkommende Person erscheint sympathischer als jene zuvor und die eigenen Kleider fühlen sich an wie Lumpen. Noch nie war die eigene Sterblichkeit deutlicher zu verspüren als in jenem, klaren Moment, umgeben von absoluter Perfektion.

Un-Dress – eine Studentische Initiative

Die Studentische Initiative Un-Dress wurde von oikos, einer gemeinnützigen Organisation, welche sich für Nachhaltigkeit in verschiedensten Gebieten einsetzt, ins Leben gerufen und bietet eine Plattform für die zukunftsorientierte Weiterentwicklung von nachhaltiger Mode an. Die Nachfrage nach dem eintägigen Event war im Vorhinein bereits sehr gross und die Tickets schnell ausverkauft. Ganz in Manier des letztjährigen HSG-Balls (prisma berichtete in den HSG-Short News) wurden noch am Vortag auf Sharing is Caring Erkundigungen eingeholt, ob es noch Tickets für die Veranstaltung zu verkaufen gebe. Informationen über die auf dem Schwarzmarkt angebotenen Preise liegen prisma zu diesem Zeitpunkt leider nicht vor.

In der kreativen und architektonisch zu begeisternd wissenden Atmosphäre der Lokremise bietet der Event verschiedenste Workshops an, mit dem Ziel Interessierten einen Einblick in die Problemstellung verantwortungsbewussten Kleiderkaufs und der fairen Herstellung von Textilien und Modeaccessoires entlang der gesamten Supply-Chain zu bieten. Diese werden von unterschiedlichen Expertinnen und Experten aus verschiedensten Disziplinen geführt. Den Workshops am frühen Nachmittag und damit verbundenen Vorträgen von verschiedensten Modeexperten, folgt eine öffentliche Designerausstellung, welche es den Gästen ermöglicht, auch Kleidungsstücke und sonstige Accessoires direkt vor Ort zu erwerben. Ausgewählte Teile werden exklusiv im Globus St. Gallen – einem Partner des Events – zum Kauf angeboten.

Die Expo verführt zum Verweilen

Auch die Designer, welche von Un-Dress eingeladen wurden, können bereits von weitem erspäht werden. Sie zeichnen sich allesamt durch eine unaussprechliche Grazie aus und einen Stil, der seinesgleichen sucht. Wir sprechen mit der Designerin Sonja Fritschi von «Fashion by Sonja Fritschi», die schon zum zweiten Mal am von Un-Dress organisierten Event teilnimmt. Sie erzählt uns, dass dieser im letzten Jahr doppelt so gross gewesen sei und im Hotel Einstein auf zwei Stöcken stattfand. Inwiefern sich der heutige Event denn vom letztjährigen unterscheide, fragen wir sie. «Es ist die Atmosphäre, das Licht und vor allem das schöne Wetter. Es passt alles einfach super zusammen.» Wir merken an, dass die Wirksamkeit der Location sicherlich auch bei den Besuchern spürbar sei. «Auf jeden Fall! Die Begeisterung ist auch im späteren Verkauf im Globus wahrnehmbar.» Das hänge ganz klar vom vorherrschenden Ambiente ab.

Gleichsam begeistert von der Stimmung in der Lokremise ist Sandra Haldi von «Atelier S&R», die von Phillip Hachen – Mitglied des Un-Dress Teams – persönlich zum Event eingeladen wurde und den Weg von Zürich auf sich genommen hat. «Als Online Design Shop sind wir vor allem an Messen aktiv. Wir sind zum ersten Mal hier und ganz begeistert.» Das Schweizer Designlabel stellt eigene Produkte her und zeichnet sich ebenfalls – wie alle anderen anwesenden Labels – durch ökologisch nachhaltige Arbeitsprozesse aus.

Durch die ganze Veranstaltung spielt Nachhaltigkeit die grösste Rolle. Es wurden im Vorhinein zwölf Kriterien der Nachhaltigkeit definiert. Diese umfassen unter anderem «Recycling, Natürliche Rohstoffe, Sozialverträglichkeit, ökologische Materialverarbeitung usw.». Jedes Label kann sich je nach Engagement diese verdienen. So wurde zum Beispiel «Sanikai – Ethical Vegan Clothing» mit neun von zwölf erfüllten Kriterien belohnt.

Ein Label, welches ebenfalls durch eine interessante, nachhaltige Idee zu begeistern weiss, ist «Vieri». Es zeichnet sich durch eine ausschliessliche Verarbeitung von ethisch nachhaltig erwirtschaftetem Gold aus und einer engen Zusammenarbeit mit den Minenarbeitern, denen der Juwelier ein Gesicht und eine Stimme gibt. «Respect the beautiful» ist das Motto des Juweliers und fasst ebenso den ganzen Event auf eine schöne Art und Weise zusammen.

Die Fashionshow als fulminanter Abschluss

Langsam bewegt sich die plötzlich angeschwollene Menschenmenge in Richtung Eingang in den für die Fashionshow vorbereitenden Saal. Mit einer kleinen Verspätung beginnt das Spektakel moderiert von Sven Epiney, der uns mit seinem sympathischen Berner-Dialekt begrüsst. Jeder Schweizer kennt Epiney von unzähligen – fast zu vielen – Sendungen im Schweizer Fernsehen. Sämtliche Models sind HSG-Studenten, mit einigen wenigen Ausnahmen. Mit den stylishen Outfits und der chilligen Musik von DJ «Herr Vogel» stimmt das Gesamtpaket. Nacheinander präsentieren alle Labels ihre Kollektion ausgestattet mit verschiedensten Accessoires wie Brillen von «VIU», Ledertaschen von «Atelier S&R» und Schmuck von «Vieri».

Eines der Highlights der Show bildet die Breakdance Gruppe «Lastremix» aus Neuchâtel dar, die ihre akrobatischen Moves unter tosendem Applaus präsentieren. Auch sie haben sich passend zum Abend unter dem Thema der Nachhaltigkeit mit alten Trainern gekleidet und scheinen einem Old-School Hip-Hop Musik Video entsprungen.

Am Schluss der Show bittet Epiney das Un-Dress Vorstandsteam auf die Bühne, welche für ihre tadellose Arbeit mit einem herzlichen Applaus belohnt werden. Ganz nervös bedankt sich Marie Droll bei den zahlreichen Sponsoren, den Helfern und den Designern, ohne die der ganze Tag nicht möglich gewesen wäre. Sven Epiney verabschiedet sich mit dem Schlusssatz, dass «Nachhaltigkeit eben doch eine Rolle spielt», was uns der von Un-Dress organisierte Event ohne jeden Zweifel gezeigt hat.

Bilder Simone Brunner