Mit dem Stück «Der Gemeindepräsident» versucht sich das Studententheater an einem eigens geschriebenen Stück. Wenn der Wille nach Veränderung die Vernunft um jeden Preis überzeugt – eine kurze Review.

Gallwils Gemeindehaus bröckelt. Es ist derart baufällig, dass es nicht einmal betreten werden darf. So hat sich der Gemeindepräsent Bernhard Durrer, gespielt von Benjamin Gertsch, kurzerhand im Gasthaus «Löwen» einquartiert, mitsamt Akten und KV-Stiftin Miriam (Anne Gisler). Solitär spielend vertreibt er seine Tage, während der Unmut der anderen Gemeindemitglieder wächst. Sie wollen Gallwil wieder gross machen! Da kommt es nicht ungelegen, dass Simon Dubois, ein kreativer Architekt aus der Stadt, gespielt von Peter Simon Caplazi, mit seiner Freundin und Assistentin Tanja (Tanja Hessel) das Rathaus renovieren und seine Utopie einer Stadt, Futura, in der kleinen Gemeinde verwirklichen will. Schnell erkennt der gerissene Buchhalter Paul Gretto, gespielt von Manuel Schär, seine Chance, endlich an die Macht zu kommen und die Ära Durrer zu beenden. Zusammen mit dem Inhaber des Baugeschäfts Helg, Claudio Helg (Daniel Brantschen), überzeugt er den Gemeindepräsidenten davon, Gallwil wieder gross zu machen und das Dorf zu revolutionieren. Diese Zutaten führen zu einem explosiven Gemisch, dessen fatale Wirkungen sich im Laufe des Stücks rasant entfalten.

Das Stück «Der Gemeindepräsident» schrieb Regisseur Benjamin Gertsch selbst. Nach den letzten eher schwermütigen Themen hat sich die Theatergruppe mit dieser Eigenproduktion an ein vermeintlich heitereres Stück gewagt, dessen Komik perfekt die Tragik unserer heutigen Zeit wiederspiegelt. Mehr als einmal blieb das Lachen im Halse stecken. Der Wunsch, nach «mehr», nach «grösser», «besser«, nach «great», ruft uns schmerzlich den zurückliegenden US-Wahlkampf in den Sinn. Das Stück beschreibt treffend, wie aus der Hilflosigkeit der Gesellschaft heraus der Wille nach Veränderung – um jeden Preis – die Vernunft überzeugt. Nicht Fakten, sondern Emotionen spielen die Musik. So erkennt man dann auch die Charaktere des Stücks in seinem eigenen Umfeld wieder: Sei es der KMUler, der über die Bürokratie und die Staatsangestellten wettert, der Schöngeist, der seine Utopie zu verwirklichen sucht, die eiskalte Anwältin, die über Leichen geht oder der Unternehmer, der – ein offenes Geheimnis – regelmässig die Damen im ortsansässigen Bordell beglückt. Die Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler des Studententheaters war mehr als überzeugend und auch die oben nicht namentlich Genannten unterhielten und bereicherten das Schauspiel – im wahrsten Sinne des Wortes. Eine vortreffliche Inszenierung!

Das Stück ist noch heute Abennd, 14. Dezember 2016, in der Grabenhalle zu sehen. Tickets können über studententheater.stgallen@gmail.com reserviert oder direkt an der Abendkasse besorgt werden.