Treibhausgase, fossile Brennstoffe, Klimaerwärmung, Atomausstiegsinitiative und Super Gau. Wie kann und will die Schweiz ihre Energie gewinnen. Ein kurzes Resümee der Podiumsdiskussion vergangener Woche.

Die Meinungen zur schweizerischen Energiepolitik gehen nach wie vor diametral auseinander, allerdings ist diese Angelegenheit ein wenig in Vergessenheit geraten, schliesslich gibt es mittlerweile Themen, über die öffentlich noch hitziger debattiert wird; wie beispielsweise die Flüchtlingskrise. Um diesem Trend entgegenzuwirken organisierte foraus St. Gallen, eine Regiogruppe des schweizweit operierenden «Think-Tanks» foraus, am 28. Februar eine Podiumsdiskussion zum dem Thema: «Energiestrategie 2050 – Erneuerbare Zukunft oder mehr Auslandsabhängigkeit». Hierzu waren Professor Doktor Bernd Schips, ehemaliger Leiter der Konjunkturforschungsstelle der ETH und Forschungsdozent an der Fachhochschule St. Gallen sowie Doktor Basil Oberholzer, Kantonsrat St. Gallen und Mitglied Stadtparlament St. Gallen als junger grüner. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Pascal Vuichard einem Doktoranden der HSG.

Abhängige Schweiz

Die eigentliche Podiumsdiskussion beschäftigte sich mit drei konkreten Fragestellungen, welche nacheinander diskutiert wurden. Erstes Thema war die Möglichkeit einer gesteigerten Auslandsabhängigkeit aufgrund des geplanten Atomausstiegsprogramms. Professor Schips warnte vor genau dieser Gefahr, vor allem im Hinblick auf die Möglichkeit, dass das Stromangebot aus dem Ausland zurückgehen könnte. Laut Dr. Oberholzer ist die Schweiz jedoch bereits jetzt, aufgrund ihrer Atomkraftwerke, vom Ausland abhängig. Schließlich müsste für Atomkraftwerke auch Uran importiert werden. Hierbei sei zu bemerken, dass Uran zwar in der Schweiz vorkommt, jedoch trotzdem importiert wird.

Helvetische Musterschülerin

Beim zweiten Thema, dem Pariser Klimaabkommen waren sich die Diskutierenden zunächst einmal relativ einig. Zumindest die Ziele, so beide, seien grundsätzlich gut, Klimaerwärmung sollte global bekämpft werden. Etwas schwieriger gestaltete sich jedoch die Frage, welche Rolle die Schweiz hierbei spielen sollte. Diese Unstimmigkeit beruhte auf einen Zielkonflikt der Diskutierenden. Während Dr. Oberholzer die Schweiz gerne eine Vorreiterrolle in Sachen Klimapolitik übernehmen sähe, sollte nach Professor Schips die Schweiz vor allen Dingen ihre Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten. Staatlicher Alleingang, so Schips, sei ökonomischer Selbstmord. Basil Oberholzer beharrte jedoch darauf, dass, die Schweiz ihre Wettbewerbsfähigkeit bereits deshalb nicht aufs Spiel setzten würde, weil sich auch andere Länder während den Pariser Konferenzen zu ambitionierten Zielen verpflichtet hätten.

Forschung trotz Rückbau

Der letzte Themenbereich beschäftigte sich mit der Finanzierung des geplanten Atomausstiegs. Mit dem Rückbau von AKWs seien hohen Kosten verbunden, unter anderem aufgrund eines Mangels an Know-how und ob die Rücklagen für den Rückbau ausreichen, sei ungewiss. Zumindest soweit waren sich die Redner einig. Professor Schips machte jedoch noch auf ein, seiner Meinung nach, noch dringenderes Problem bei einem Rückbau von AKWs aufmerksam: Ein Ende oder zumindest eine Verminderung der Forschung an dieser Technologie. Ob dies tatsächlich problematisch sei, oder nicht, darüber konnten sich Dr. Oberholzer und Prof. Schips nicht einigen. Basil Oberholzer erklärte hierzu, dass ein Atomkraftwerk ohne Atommüll und ohne Supergaugefahr sicherlich seine Berechtigung hätte, aber solch ein Atomkraftwerk gäbe es jetzt nicht und auch nicht in absehbarer Zukunft; selbst bei extensiver Forschung.
Schlussendlich endete die letzte Diskussion genau wie die vorhergehenden: mit nicht mehr vereinbaren Punkten und Argumenten. Trotzdem, oder gerade deshalb, gab die Podiumsdiskussion einen guten Einblick in die Schweizer Energiepolitik und die verschiedenen Positionen hierzu. Ethisch unantastbare Energiepolitik und global Wettbewerbsfähigkeit werden wohl nicht immer vereinbar sein. Aber die Annahme, dass sich die beiden Ziele notwendigerweise immer widersprechen würden, ist sicherlich ein Irrtum.