Weniger Improvisation, mehr strategische Antizipation. Ein Interview mit dem amtierenden SHSG-Präsidium Mario Imsand und Eric Tarantini.

Nach den stürmischen letzten Jahren ist etwas mehr Ruhe in die SHSG eingekehrt. Das Präsidenten-Team Eric und Mario konnte vor allem antizipativ wirken. Durch die neue Homepage konnte die Kommunikation zwischen der Studierendenschaft und den Studierenden endlich zeitgemäss gestaltet werden. Im Bereich der Lehre hat das Thema Digitalisierung an Bedeutung gewonnen und das Vorstandsteam arbeitet fleissig daran, neue Lehrformate den Dozierenden schmackhafter zu machen. Zudem setzen sie sich für die verstärkte Integration von digitalen Hard Skills im Curriculum ein. Aber nicht nur nach aussen hin ist ihnen vieles gelungen, sondern auch SHG-intern konnte das Team in seiner Amtszeit bereits Meilensteine setzen: So steht der Studierendenschaft erstmals ein digitales Tool zur Wissenssicherung zur Verfügung, was es den Nachfolgern erlaubt, von Anfang an auf einer viel höheren Flughöhe einzusteigen. Auch für die einzelnen Ressorts wurden Kochrezepte entwickelt, damit die nachfolgenden Generationen sich nicht mehr jedes Detail von der Pike auf selbst beibringen müssen, sondern direkt losstarten können.

Wenn ihr auf eure bisherige Zeit im Vorstand zurückblickt, was fällt euch als erstes ein?

Mario: Als erstes fällt mir die Teamarbeit ein, die soziale Interaktion innerhalb vom Vorstand oder auch innerhalb der SHSG. Das hat alles super geklappt und viel Freude bereitet! Es sind auch Freundschaften fürs Leben entstanden. Dass wir die Studierenden einer so hervorragenden Universität repräsentieren dürfen, ist uns eine grosse Ehre.

Eric: Der Zusammenhalt war eine grossartige Erfahrung und der Schlüssel unseres erfolgreichen Schaffens bestand in der gelungenen Rekrutierung des Vorstandsteams. Natürlich müssen die Kandidaten fachlich die entsprechenden Fähigkeiten abbilden, aber das Zwischenmenschliche ist fast noch wichtiger, da die Zusammenarbeit sehr intensiv ist. Dafür braucht es gegenseitiges Verständnis. Hätten wir nicht das Team, das wir nun haben, hätten wir bisher weit weniger Erfolg gehabt und viel weniger anstossen können.

Wie habt ihr euch persönlich durch die Ausübung eurer Ämter weiterentwickeln können?

Mario: Man kann sich so eine Universität wie einen Staat vorstellen. Um die gesteckten Ziele zu erreichen, muss man (politisch) strategisch vorgehen und wissen mit welchen Leuten man spricht. Mein Amt hat mich nicht nur hinsichtlich meines Gespürs für politische Arbeit vorangebracht, sondern auch kommunikativ. Zudem habe ich gelernt, proaktiver und antizipativer zu sein. Das ist notwendig, um in Ruhe etwas zu erreichen.

Eric: Ich konnte meine Planungsfähigkeiten ausbauen. Gerade wenn man sehr viele Termine hat, konnten wir uns eine neue Qualität des Selbstmanagements zulegen. Da nimmt man sehr viel für das zukünftige Berufsleben mit. Einer der vielen guten Seiten sozialen Engagements ist es, dass man in einem geschützten Raum die eigenen Fähigkeiten austesten und weiterentwickeln kann. Aber man wird in so einer Verantwortungsposition auch permanent gefordert, was dem eigenen Fortschritt in jeder Hinsicht förderlich ist.

Wie ist es euch gelungen, dass die HSG im Vergleich zu den Jahren zuvor weniger im Fokus negativer Berichterstattung stand?

Mario: Hierbei spielte sicher unser antizipierendes Management eine Rolle. Bisher hatten wir alles gut im Griff, aber auch Glück, dass nicht einzelne Studierende die Bühne für neue Skandale genutzt haben. Wir haben intern eine Medienanalyse gemacht, um herauszufinden, wer wieviel und was über uns schreibt. Hierauf haben wir entsprechend das Gespräch gesucht, um mit den jeweiligen Medien mehr Sorgfalt für Belange, die die (S)HSG betreffen, zu vereinbaren. Überdies hat uns die Kommunikationsabteilung der HSG gleich zu Beginn unserer Amtsperiode mit einer Einführung ins sogenannte Issue-Management professionell unterstützt.

Welche Elemente eurer Zusammenarbeit mit wichtigen Stakeholdern waren erfolgsentscheidend?

Eric: Als Präsenzuniversität ist hier natürlich der regelmässige und direkte Austausch mit sämtlichen Stakeholdern bedeutend.

Mario: Das muss gar nicht immer im formellen Rahmen sein. Uns liegt viel daran, möglichst viele Meinungen und Bedürfnisse abzuholen – das kann auch mal bei nem zufälligen Schwätzchen sein. So konnten wir viel an Akzeptanz und Legitimation für unsere Projekte gewinnen.

Eric: Ja, auf jeden Fall. Wichtig ist dabei immer, dass jede Interaktion stets von Wertschätzung und Respekt geprägt ist. Wir haben eine sehr gute strategische Planung unserer Projekte, die sich wie ein Roter Faden durch unsere Amtszeit zieht. Viele Rückmeldungen fielen dahingehend aus, dass man unsere Ruhe und unseren Fokus sehr schätzt.

Mario: Ja! Hinzufügen möchte ich noch, dass wir einen sehr guten Austausch mit den Initiativen und den Vereinen haben. Das hilft ungemein. Vor allem die Zusammenarbeit mit den Initiativen konnten wir auf einer höheren Stufe etablieren. Wir stehen jetzt mehr als Einheit dar. Wir haben zum Beispiel ein einheitliches Marketing- und Sponsoring-Konzept entwickelt, dadurch wachsen wir alle noch mehr zusammen.

Eric: Generell kann man sagen, dass uns die Kanalisierung der studentischen Interessen und Bedürfnissen in Richtung Universitätsleitung gut gelungen ist. Wir werden dort sehr positiv wahrgenommen und unsere Austauschpartner kennen unsere klar formulierten Interessen. Das ist recht hilfreich für eine belastbare Legitimationsbasis. Zum Beispiel ist es einer unser Hauptanliegen die Landschaft der Lehre zu verbessern, dies wird ja auch von den Studierenden gewünscht. Durch unser proaktives Auftreten spürt die Universität diesen Druck und unternimmt derzeit eine Menge, um sich hier zukunftsorientierter auszurichten. Wir lassen da auch nicht locker und tragen das in die entsprechenden Gremien.

Welche spannenden Projekte beschäftigen euch momentan?

Eric: Im Bereich der Ergänzungsleistungen bauen wir derzeit ein attraktives Angebot auf, ergänzend zu den bereits bestehenden Kursen. Viele Studierende wünschen sich mehr digitale Kompetenz. Diesen Mangel im Curriculum haben wir auch erkannt und wollen daher ein entsprechendes Angebot schaffen. Im Bereich der Lehre schreiben wir zudem ein umfassendes Positionspapier.

Mario: Und viele Studierenden sind mit der Prüfungseinsicht unzufrieden. Hier erarbeiten wir derzeit eine neue Richtlinie, die bald diskutiert und verabschiedet werden soll. Auch sind wir darum bemüht, unseren neuen internen digitalen Wissensspeicher noch weiter anzufüllen und effektiver einzusetzen, um unseren Nachfolgern neben den von uns entwickelten Übergabeskripten, kein implizites Wissen vorzuenthalten. Durch die Dateiablagestruktur ist ein Gefäss geschaffen worden, mit dem sie auf all unser Wissen und unsere Erfahrungen zugreifen können.

Eric: Ja! Das ist wichtig, um gleich zu Beginn eine höhere Flughöhe als bisher zu erreichen. Als Pianist spiele ich gerne vom Blatt, aber ich improvisiere auch gern. Doch bis man dahin kommt, braucht es eine gewisse Übung und so ein Jahr ist ziemlich kurz. Natürlich ist eine solide Grundkompetenz gefragt, um so ein Amt anzutreten und die Bereitschaft eine steile Lernkurve hinzulegen, aber gerade als junger Student ist man auch einfach mal froh, auf bereits bewährte Kochrezepte zugreifen zu können, die immer verfügbar sind und sich bereits bewährt haben. Freilich soll sich jeder nach seiner Individualität auch selbst einbringen können und mit der Erfahrung können diese Rezepturen dann verfeinert werden. Das ist für uns moderne Organisationsentwicklung durch strukturiertes Wissensmanagement.

Mario: Exakt. Dies ist gelebte Nachhaltigkeit. Wir fühlen uns jetzt so richtig fit, um effizient und effektiv durchzustarten, aber unsere Amtszeit ist fast vorbei. Das ging unseren Vorgängern und denen davor, ja eigentlich allen davor genauso, die die Herausforderung angenommen haben, sich in dieses Amt über ihre Amtsperiode hinweg richtig hinein zu kämpfen. Diese Mühseligkeit zu Beginn gehört nun der Vergangenheit an und die Organisation kann sich Jahr für Jahr zielgerichteter entwickeln, als dies bisher der Fall war.

Wie sehr werdet ihr die Vorstandsarbeit vermissen?

Mario: Ich werde immer sehr gerne darauf zurückblicken. Andererseits habe ich jetzt auch mehr Zeit für mich und meine eigenen Projekte, wie für mein Start-up, werde auch wieder verstärkt studieren und mehr Sport machen. Natürlich gibt man ein Stück weit sein Privatleben auf, aber man tauscht es durch eine so enorme Erfahrung ein, die man sonst in keiner anderen Lebensphase hätte machen können. Das war und ist es mir auf alle Fälle wert.

Eric: Ich schaue auch mit sehr positiven Gedanken zurück. Ich werde die Zeit sicher vermissen, weil sie sehr intensiv war und bestimmt die bisher lehrreichste in meinem Leben darstellt. Aber ich freue mich jetzt auch auf meine neue Herausforderung. Ich werde am Institut für Wirtschaftspädagogik angestellt sein und wir beide bleiben natürlich weiterhin erreichbar.

Mario: Ja, auf jeden Fall. Der Abschied wird sicher melancholisch und von einem weinenden und einem lachenden Auge begleitet werden, aber noch stecken wir ja voller Tatendrang unsere Projekte so weit wie möglich voranzutreiben. Auch nach unserer Amtsperiode werden wir gerne – wenn gewünscht – beratend dem neuen Team zur Seite stehen, aber uns sicherlich nicht aufdrängen. Jeder soll hier die Möglichkeit haben sein Ding zu machen und diese Zeit zu einer ganz besonderen auch für sich selbst zu machen!

Womit wir auch schon bei den Schlussworten wären: Was wünscht ihr den neuen Vorstandsmitgliedern?

Mario: Ich hatte das Privileg Teil eines besonders guten Vorstandsteams zu sein. Das war klasse und das wünsche ich unseren Nachfolgern auch! Und so ein angenehmes Studentenparlament!

Eric: Ich schliesse mich dem auch an, ich wünsche denen auch viel Leidenschaft und den Mut neue Sachen auszuprobieren sowie in Angriff zu nehmen und dass es ihnen gelingt, die SHSG weiterhin als starken Stakeholder im Universitätsumfeld zu positionieren.

Mario: Mut ist ein gutes Stichwort! Das möchte ich unterstreichen. Es gilt, auch mal neue Wege zu gehen und auch mal Sachen über Bord zu werfen, die nicht mehr zeitgemäss erscheinen, auch wenn sie über Jahre so gehandhabt worden sind. Habt den Mut, etwas zu verändern!

Eric: Und noch eine Bitte – ja, eigentlich mehr noch – eine Aufforderung: Geniesst diese Zeit in vollen Zügen! Es ist eine extrem schöne Zeit und ein Jahr kann wirklich sehr kurz sein!

Wahlen SHSG Präsidium 2017/18
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