Raucher-Riege STV Steinach mit einem Steinacher Tabakfabrikant

Ein Dorf-Turnverein nahe St. Gallen ruft gezielt Raucherinnen und Raucher dazu auf, in ihrer neuen Raucher-Riege mitzuturnen. Das Projekt ist eine Kooperation mit einem ortsansässigen Tabakfabrikanten. Eine betriebswirtschaftliche Betrachtung.

Wenn Mitgliederzahlen kontinuierlich schwinden und somit die Existenz eines Dorfvereins gefährdet wird, ist kreatives, unternehmerisches Denken gefragt. Was am Ende eines reflexiven Gestaltungsprozesses der Wertschöpfungskette des Turnverein STV Steinach herauskam, ähnelt auf den ersten Blick einem April-Scherz. prisma ist der Sache auf den Grund gegangen.

«Wir sind uns bewusst, dass dies eine unkonventionelle Mischung ist. Niemand denkt beim Turnsport ans Rauchen. Wir haben uns gefragt: Wieso eigentlich nicht?» kommentiert Jonas Streule, Präsident des STV Steinach. Das Produkt Raucher-Riege steht bis anhin konkurrenzlos auf dem Markt der Vereinsangebote. Was sicherlich Marktpotenzial vermuten lässt, aber auch das Risiko eines Shitstorms ist nicht zu unterschätzen: «Ich weiss. Aber wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir haben nichts zu verlieren.» erklärt sich Streule.

Mit dorfeigener Zigaretten-Marke

Als Partner für das wagemutige Projekt konnte der Verein einen Steinacher Tabakfabrikanten  gewinnen.

Jonas Streule, Präsident STV Steinach, mit Roger Koch, Geschäftsführer eines Steinacher Tabakfabrikanten

«Wenn die Raucherinnen und Raucher durch dieses Projekt den Tabakkonsum wieder mehr mit Genuss und vielleicht Sport assoziieren, als mit einem gesundheitsschädlichen Laster, raucht man auch gesünder. Analog des Placebo Effektes.» erklärt Roger Koch, Geschäftsführer eines ortsansässigen Tabakfabrikanten seine Beweggründe.

Ob nun unternehmerischer Spürsinn oder verzweifeltes Aufbäumen, nur die Zukunft wird zeigen, ob es sich schlussendlich wirklich um eine Marktinnovation handelt. Professor Oliver Gassmann, Innovationsforscher der HSG ist vorsichtig optimistisch: «Turnende Raucher sind besser vorstellbar als rauchende Turner. Zwischen Barren und Ringen noch eine Raucherpause zur Reduktion der kognitiven Dissonanzen? Ein verzweifelter Versuch das letzte Marktsegment im Dorf zu erobern. Ich sehe schon Töffli-fahrende Raucher beim 1000m Lauf.»