Weder ein Austauschjahr in den USA, das Englisch-Assessment, noch 113 Punkte im Toefl genügen den Ansprüchen der HSG an einen anrechenbareren C2-Nachweis. Ein nicht ganz ernst gemeinter Kommentar.

Eine Sprache beherrscht man nicht durchs Sprechen, Schreiben, Lesen und Hören, sondern einzig und allein durch das Nachweisen der richtigen Zertifikate. Daher ist es von galaktischer Wichtigkeit, die rechtlich verbindlichen Grundlagen zu verinnerlichen. Es liegt darum auf der Hand, dass man sich zur mustergültigen Vorbereitung für das Erlernen einer Sprache zuerst durch die übersichtlich und gestalterisch enorm ansprechenden Seiten der Universität klickt. Logischerweise lässt sich das Dokument aller Dokumente ganz einfach unter dem Subpunkt «Rechtsgrundlagen und Merkblätter» finden. Auf weiterführende Links geklickt und sich durch das ultraspannende Dokument «Ausführungsbestimmungen Sprachen» gekämpft, merkt man, da man das Kleingedruckte selbstverständlich mit bestechender Aufmerksamkeit liest, dass Sprachnachweise nur für Zertifikate gelten, die auch einen mündlichen Teil beinhalten (also Interaktionen zwischen Studenten und Prüfungsleitern und nicht etwa mit einem Elektronengehirn). Falls einem diese Informationen noch nicht zufriedenstellen, findet man ein weiterführendes, ausführlicheres Dokument unter der Kategorie «Austausch Leistungen» – und das, obwohl man sich für die Anrechnung der Sprachen an der HSG und nicht einmal ansatzweise für den Austausch interessiert.

Lokal vor international

Wer an der HSG den Englischkurs auf Niveau C2 besucht und die überaus knifflige Prüfung besteht, ist klipp und klar im Kompetenzvorteil gegenüber Absolventen eines Toefl-Tests. Dies könnte vorerst etwas verstörend wirken, da der Toefl immerhin international anerkannt ist. Zudem liegt ihm ein nicht von schlechten Eltern stammendes Schema zu Grunde, das sowohl Text- und Hörverständnis, als auch Schreib- und Redekünste testet. Im Rahmen einer fundierten Betrachtung sollte einem jedoch ins Bewusstsein dringen, dass der Toefl lediglich Auskunft über die Englischkenntnisse an einem bestimmten Tag gibt. Dies ist wohl mitunter der Grund, weshalb der Toefl eine mickrige Gültigkeitsdauer von einem Tag (oder waren es zwei Jahre?) hat. Diese zeitliche Restriktion ist vor allem bei einer Sprache wie Englisch extrem notwendig, da man ihr im Studiumsalltag nur selten begegnet und somit das primär auswendig gelernte Sprachverständnis rasend schnell wieder vergisst. Die Universität bietet lobenswerterweise Abhilfe mit überaus nachhaltigen Lernstrategien im lokalen Sprachunterricht. So kann jeder, der den HSG-Englischkurs besucht hat, den Begriff «CIF» sein ganzes Leben lang völlig problemfrei definieren (kleiner Hinweis – Cost, Insurance, Freight).

Alles gerechtfertigt

Eminent wichtig zu verstehen ist, dass sich der Anbieter des Toefl eine Zuweisung von Punktzahl und GER-Stufe C2 bewusst schenkt. Die Referenz, dass 95 Punkte einem C1 und 113 Punkte (Maximalpunktzahl: 120) der Stufe C2 entsprechen würden, muss also schweren Herzens ausser Acht gelassen werden. Es ist daher nicht stossend, sondern vielmehr selbstredend, dass einem Studenten mit hervorragender Toefl-Punktzahl und absolviertem Englisch-Assessment der Sprachnachweis verwehrt wird. Der läppische Toefl gibt lediglich Auskunft über den Wissensstand eines Tages – die ganze Breite der Kompetenzstufe wird dabei nie und nimmer nachgewiesen.

Bild: Nina Amann