Die Gründer von Nanoleq, dem Start Summit Gewinner 2017, erzählen im Interview, warum sie ein Start-up gegründet haben, an dessen Erfolg glauben und die Schweiz als gutes Umfeld für ein Start-up wahrnehmen.

Warum habt ihr am Start Summit teilgenommen?

Vincent Martinez: Wir haben von dem Start-up IDUN HealthTech gehört, dass es diesen Event gibt und dass dieser ziemlich lohnenswert für Start-ups ist.

Wie habt ihr den Start Summit erlebt?

Es war ein sehr emotionaler Event für uns. Wir hatten drei Präsentationen für den Pitch-Wettbewerb. Die erste war ziemlich schrecklich. Die Powerpoint-Präsentation funktionierte nicht, und ich verlor den roten Faden. Wir waren überrascht und überglücklich, dass wir am Schluss trotzdem gewinnen konnten. Wir konnten auch viele Kontakte zu potenziellen Investoren und Partnern knüpfen. Das hat sich für uns sehr gelohnt. Denn eigentlich sind Unternehmen, die Kabel verkaufen, nicht so sexy.

Was denkt ihr, wieso habt ihr den Start Summit gewonnen?

Wir lösen ein real existierendes Problem. Ich selbst musste schon fünf Kopfhörer entsorgen, weil die Kabel einen Defekt hatten. Das Schmerzniveau kann sehr hoch sein, wenn ein Kabel kaputt geht, beispielsweise in der Medizinaltechnik, Robotik oder der Luftfahrttechnik. Es ist also ein wichtiges Bedürfnis, robuste Kabel zu haben. Dies, in Kombination mit der Grösse des Kabelmarkts, hat die Jury wohl überzeugt.

Wie habt ihr euch für den Namen Nanoleq entschieden?

(Lächelt). Das war meine Idee, Luca war zuerst nicht so begeistert davon. «Nano» steht für Nanotechnologie und «leq» für Elektrizität. Es war sehr schwierig einen originellen Namen zu finden. Wir wollten keinen Namen, der uns auf die Produktion von Kabeln festnagelt. Wir können uns beispielsweise vorstellen, unsere Technologie in fünf Jahren für smarte Kleidung zu verwenden.

Wie viele Stunden pro Woche arbeitest du?

Das variiert stark. Normalerweise arbeite ich 45 Stunden pro Woche. Es gab auch schon Zeiten, in denen ich 60 Stunden gearbeitet habe. Ich arbeitete auch schon an den Wochenenden. Meine Vision ist nicht zu viel zu arbeiten, da man dann auch nicht mehr effizient ist. Man sollte zuerst wissen, wo man hin will, bevor man etwas tut. Wenn man sich auf die richtigen Dinge fokussiert, dann kann man alles in einer 45-Stunden-Woche schaffen. Eine Life-Work-Balance ist mir persönlich wichtig. Sport, Familie und Freunde treffen, sich gut zu fühlen und glücklich zu sein.

Wie hoch ist dein momentaner Lohn im Vergleich zu jenem anderer Ingenieure?

Ich habe einen eher tiefen Lohn. Er ist etwas tiefer als das, was ich verdiente, als ich doktoriert habe. Ich muss damit einfach meine Ausgaben decken können.

Du kommst ursprünglich aus Frankreich. Warum habt ihr ein Start-up in der Schweiz gegründet?

Ich habe meinen Doktor an der ETH Zürich gemacht. In einem meiner Projekte ging es darum, mittels elektrischer Implantate gelähmten Tieren zu helfen, wieder laufen zu können. Wir kamen danach auf die Idee, mit den selben Materialien das Problem der ständig «brechenden» Kabel zu beheben. Wir haben mit verschiedenen Unternehmen diskutiert und es stellte sich heraus, dass solche Kabel zum Beispiel für Medtech-Unternehmen sehr interessant sind.
Generell bietet die Schweiz ein gutes Umfeld für Start-ups. So bekommen wir beispielsweise finanzielle Hilfe von der ETH und werden zusätzlich durch Coaching unterstützt. Von der ETH Pioneer Fellowship und von der Kommission für Technologie und Innovation der Schweiz erhielten wir finanzielle Unterstützung.  Unsere hauptsächliche Zielgruppe, die der Medtech-Unternehmen, ist in der Schweiz stark vertreten.

Wie ist es euch gelungen, Coaches und Berater für Nanoleq zu gewinnen?

Einer unserer Berater ist mein Onkel, der eine Menge an Unternehmer-Erfahrung beisteuert. Weitere Coaches beraten uns, weil unsere Geldgeber, das heisst der Schweizer Staat und die ETH, nebst den finanziellen Mittel auch die Berater stellen, die ein Start-up begleiten und beaufsichtigen sollen.

Wann werdet ihr voraussichtlich einen Gewinn erwirtschaften?

Ich überlege mir jeweils den Idealfall. Dieser sieht wie folgt aus: In den ersten zwei Jahren werden wir eine kleine Menge an Kabeln verkaufen. Wir wollen mit der Zeit dann immer mehr Kabel verkaufen und schnell wachsen. In diesen zwei Jahren wollen wir an Bekanntheit und Glaubwürdigkeit gewinnen und zeigen, dass unsere Idee für viele Anwendungen Sinn macht. In zwei bis fünf Jahren wollen wir einen Gewinn erwirtschaften.

In welchen Momenten habt ihr Angst zu versagen?

Wenn wir grosse Unternehmen treffen. Am Anfang haben wir uns gefragt, ob unsere Idee für diese erfahrenen Unternehmen nicht einfach naiv ist. Die Idee war neu und wir wussten zwar, dass es funktioniert, dennoch waren wir anfangs nervös. Mit der Zeit gewöhnten wir uns jedoch an diese Treffen. Jedes Treffen ist wichtig, aber erste Treffen mit einem Unternehmen sind für mich immer am schwierigsten.

Wie beruhigt ihr euch in solchen Situationen?

Ich denke daran, dass es auch viele andere Unternehmen gibt, mit denen wir zusammenarbeiten könnten. Wenn wir in einer Verhandlung nicht weiterkommen, wird es noch andere Chancen geben.

Was werdet ihr tun, wenn ihr versagt, kein Geld mehr habt, oder keine Investoren mehr findet?

Dass kommt darauf an, ob wir dann noch an das Projekt glauben. Ich würde von meinen Ersparnissen leben, Freunde und Familie um Geld bitten und versuchen, das Projekt zu pushen. Wir würden aber sicher intern darüber diskutieren, ob und wie lange wir so weitermachen könnten. Wir würden uns vor allem fragen, warum wir kein Geld mehr bekommen. Das Business-Modell müssten wir in diesem Fall sicherlich überarbeiten, denn ein Scheitern könnte höchstens am Geschäftsmodell liegen, da sind wir uns sicher. Von der Technologie und deren Nutzen sind wir überzeugt.

Wie stark werdet ihr von der ETH, die euch finanziell unterstützt, beeinflusst?

Wir werden sehr stark von unserem Hintergrund geprägt, also von unserer Ausbildung zu Ingenieuren an der ETH. Ich sehe mich dadurch als ein sehr rational denkender Mensch. Viele Start-ups verkaufen sich über ihrem Wert, wir eher darunter. Wir relativieren unsere Resultate eher, als dass wir sie hochloben. Unser Denken ist also stark von unserer Ausbildung beeinflusst. Dies müssen wir teilweise noch ablegen, vor allem dann, wenn es darum geht, das eigene Unternehmen zu verkaufen.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit für euch?

Unser eigentliches Ziel war es, ein Produkt zu kreieren, auf welches man zählen kann. Nachhaltigkeit war nicht unser oberstes Ziel. Nachhaltigkeit kann aber ein Argument sein, da Produkte mit unserer Technologie eine längere Lebensdauer haben, und somit beispielsweise weniger Elektroschrott anfallen würde.

Könnt ihr euch vorstellen euer Start-up zu verkaufen?

Momentan nicht. Wenn wir sehen, dass unsere Technologie in vielen Bereichen zum Einsatz kommt, dann könnte ich es mir vorstellen. Wir wollen, dass die Menschen von unserem Produkt profitieren können.

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Nach einer Phase der Überzeugungsarbeit bei Unternehmen werden wir sehen, welche Produktionspartner wir für uns gewinnen konnten. Sollten wir keine Partner finden, wollen wir eine eigene Fabrik eröffnen und unsere eigenen Kabel verkaufen