Wir sehen Björn Düring fast jeden Tag, denn er bereitet unser Mittagessen zu. Damit die täglich über tausend Mensagäste ihr Gegenüber an der Theke besser kennenlernen können, serviert euch prisma dieses Porträt.

Das erste Mal aufgefallen ist mir Björn während den Semesterferien im Sommer. Genauer gesagt bin ich ihm aufgefallen, auf dem Szene Openair in Lustenau. Als ich gemütlich über das Festivalgelände gehe, erreicht mich ein Ruf: «Hey du! Dich kenn ich doch. Du studierst doch an der HSG!» Erfreut über meine vermeintliche Prominenz kommen wir ins Gespräch. Es zeigt sich, dass meine täglichen Mensabesuche nicht unbemerkt geblieben sind. Björn, Koch in unserer Mensa, hat mich erkannt.
Der sympathische 25-jährige Ostschweizer arbeitet seit einem Jahr in der Uni-Mensa. Zuvor war er Koch in einem «à la carte» Restaurant. Unregelmässige Arbeitszeiten, wenige freie Wochenenden und späte Feierabende brachten Björn dazu, sich bei der Uni-Mensa zu bewerben. «Nun bin ich viel freier in meiner Freizeitgestaltung», erklärt er seine Beweggründe.
Während des Vorlesungsbetriebs ist auch in der Mensa Hochkonjunktur. Zwischen 800 und 1200 Portionen gehen täglich über die Theke. Das kann schnell einmal einen Zehn- bis Elfstundentag bedeuten. «Wir bauen während des Vollsemesters viele Stunden auf, welche wir in den Sommer- oder Winterferien wieder kompensieren können. Da kommt es auch mal zu der einen oder anderen Dreitage-Woche», freut sich Björn. So bleibt viel Freizeit während den schönen Jahreszeiten. Klingt vertraut.

Albtraum Startwoche

Die anspruchsvollste Zeit für das Mensa-Team ist die Startwoche. Wer an einem solchen Mittag selbst einmal Gast in der Mensa war, weiss wovon ich spreche: «Es war brutal», beschreibt Björn seine Sicht. Wenn sogar extra Support-Crew-Mitglieder der Startwoche Assessies in die richtige Warteschlange einlotsen müssten, kann man sich vorstellen, was in der Küche losgewesen sein muss. An solchen Tagen erreicht man schnell eine Spitzenleistung von 1200 Personen, was etwa einem Gesamtgewicht von 500 Kilogramm an Essen entspricht. «Die enormen Mengen sind eine Herausforderung», erinnert sich Björn.
Die vielen Anlässe an der HSG bringen eine willkommene Abwechslung: «Am HSG-Ball werden wir ein Drei-Gang-Menu für euch kochen», freut sich Björn sichtlich. Man merkt, dass Kochen für ihn mehr als nur ein Beruf ist, den er einmal erlernt hat.

Koch durch und durch

Auch in seiner Freizeit spielt Kochen und gutes Essen eine wichtige Rolle: «Ich koche täglich zuhause, meist für meine Freundin.» Wenn genügend Zeit da ist, darf es ruhig auch ein wenig aufwändiger sein: «Lammrack mit Olivenkruste», nennt Björn als Beispiel und ohne überhaupt zu wissen, welcher Teil des Tieres dies nun ist, bekommt man bereits Hunger. Zum Schluss des Ausflugs in sein kulinarisches Privatleben gibt Björn noch einen Geheimtipp: Pizza mit selbstgemachtem Teig und im Kugelgrill zubereitet. Mit dem richtigen Grill und dem passenden Aufsatz bekommt man perfekte 320 Grad, «so wird die Pizza aussen schön knusprig und bleibt innen weich», erklärt der Fachmann. Sein Lieblingsgericht in der Uni-Mensa ist der Karriere-Burger, welcher auch unter den Studierenden sehr beliebt ist.

Björn der Festivalgänger

Wie zu erwarten, war es kein Zufall, dass ich Björn an einem Festival kennengelernt habe. Neben dem Szene Openair in Lustenau besucht er auch das Openair St. Gallen, das Frequency in St. Pölten oder das Southside. In Sachen Ausgang fühlt sich Björn eher zu Zürich hingezogen als St. Gallen: «Dann darf es gerne auch mal ein anständiger Rave sein.» Zur Olma meint er kurz: «zu eng, zu viele Leute.» Fest im Programm steht auch das wöchentliche Feierabendbier mit Weisswurst freitags im Adhoc, wo sich das Mensa-Team zum Wochenabschluss trifft.
Sein Verhältnis zu den Studierenden der HSG beschreibt Björn ganz nüchtern: «Die meisten sind freundlich und anständig», und wenn er Zeit hat, hält er gerne mal einen Schwatz. Von den Vorurteilen gegenüber den HSG-Studenten hält er nichts: «Als ich in meinem Zwischenjahr durch Australien, Bali und Neuseeland gereist bin, habe ich gelernt: Man muss den Menschen offen gegenübertreten .» Mit der gleichen Einstellung kam er vor einem Jahr an die HSG und hat es bis heute nicht bereut, gibt Björn zu.