Eine Halle voller begeisterter Menschen, die Anwesenheit der Götter und die Modernisierung der theatralischen Musik – Das Studententheater konnte erneut ausgezeichnete Fähigkeiten dem Publikum vorweisen.

Am Montag, den 14. Mai 2018, feierte das Studententheater St. Gallen die Premiere
mit dem Stück «Der gute Mensch von Sezuan». Ein Meisterwerk des deutschen Autors Bertolt Brecht, welches 1943 zum ersten Mal uraufgeführt wurde. In der chinesischen Provinz Sezuan, lebt eine junge Frau Namens Shen Te, welche mit der eigenen Armut zu kämpfen hat und sich durch Prostitution über dem Wasser halten kann. Jedoch an einem Abend ändert sich überaschenderweise ihr Leben, denn anstatt Freier befinden sich drei Götter vor ihrer Tür. Eine neue Situation, welche an sich nicht nur Gutes mit sich bringt.
Im Stück präsentiert uns die Theatergruppe ein episches Schauspiel, etwas Übliches von Brecht, welcher uns nicht eine idyllische Scheinwelt zeigen will, sondern eine lückenhafte und demzufolge wahre Lebenssituation. Dass die Geschichte im Osten stattfindet, soll keine Kritik an die asiatischen Kulturen sein. Sezuan stellt bildnerisch den Ort dar, wo eine soziale Ungleichheit und Egozentrismus zu finden ist. Und leider ist eine solche Situation in nahezu jeglicher Kultur anzutreffen.

Eine Kritik an die Studenten der Universität St. Gallen?
Das Theater soll eine Mischung von Drama und Epik sein, wobei «Der gute Mensch von Sezuan» ein perfektes Beispiel dafür ist. Es ist schnell zu erkennen, dass sich Bertolt Brecht bei diesem Werk auf alte Geschichten stützt. Es gibt bestimmte Parallele zur griechische Sage von Philemon und Baucis, sowie zur biblischen Narration von Sodom und Gomorra. Beide Erzählungen erwähnen die Ungleichheit zwischen den Menschen, welche nur dank dem Einsatz einer oberen Instant, in casu
Götter, gelöst werden kann. Das Werk spielt ähnlich wie bei den Sagen auf zwei Ebenen. Auf der einen Ebene befinden sich die armen Bewohner von Sezuan und auf der anderen halten sich die Götter auf. Somit haben die Götter eine Sicht über das Volk, welches von einer frühkapitalistischen Ungleichheit geprägt ist. Generell stellt sich die Frage in wie fern diese Situation uns Studenten betrifft. Setzt man sich als Zuschauer vor eine Bühne, welche die Alltagssituation in St. Gallen darstellen soll, ist
schnell zu bemerken, dass einige Parallelen zum Werk gibt. Denn das Zusammentreffen von verschiedenen Meinungen, wie zum Beispiel die Ansichten der Studenten der Universität St. Gallen im Gegensatz zu den Auffassungen der Bewohner der Stadt mag je nach Meinung eine Problematik darstellen, welche sich dem Werk leicht ähnelt. Nun ist aber die Frage: Wer unsere Götter sind, welche sich für das Zusammenleben einsetzen? Nicht zu vergessen ist, dass Brechts Werk ein
offenes Ende hat und somit niemand weiss, ob die eingeführte Harmonie der Götter wirklich langfristig besteht.
Eine ideenreiche Aufführung
Das Studententheater konnte das Publikum erneut mit einer ausgezeichneten Leistung begeistern. Das Werk von Bertolt Brecht stellt einen Kontrast zur letzten modernen Aufführung «Container Paris» von David Gieselmann dar. Das Einspielen, beim Werk von Brecht, des Liedes «079» von Lo & Leduc ist ein Beispiel für unerwartete Taten der theatralischen Leistung, welche das Publikum noch mehr zum
Lachen brachte. Wir bedanken uns bei unseren studentischen Schauspielern, welche uns vom 14. bis 16. Mai 2018 in der Grabenhalle eine ausgezeichnete Aufführung dargeboten haben.