Die Studynet-Lernplattform von Fronter ist in die Jahre gekommen. Deshalb
will die Uni sie durch eine interaktive Plattform inklusive App ersetzen. Ein
Einblick in die Testphase.

ie bald zehnjährige Lernplattform Studynet kann mit den digitalen Gewohnheiten der Studierenden nicht mehr Schritt halten», meint Felix Seyfarth, Senior Fellow Digital Learning. Eine interaktivere Lernplattform soll Teamarbeit einfacher gestalten und auch von mobilen Geräten zugänglich sein, erzählt Seyfarth. Das Programm Office 365, von dem die Studierenden heute bereits ihre Mails abrufen und Dokumente bearbeiten, soll dabei voll integriert werden. Ausserdem sind ein Chat, Videokonferenzen, ein integrierter Kalender sowie eine App zur Lernplattform geplant. Das Lizenzieren einer solchen Plattform wird die Universität St. Gallen nicht mehr als circa 10 Franken pro User im Jahr kosten, berichtet Seyfahrt. Die genaue Zahl ist abhängig von der Software, die am Schluss gekauft wird.
Eine Variante für eine neue Lernplattform ist «Itslearning». In der momentanen Testphase wird sie in rund 20 Kursen eingesetzt, kommt weltweit aber bereits auf über vier Millionen Nutzer. Die HSG muss als öffentliche Institution auf ihre Kosten achten. Laut Seyfarth sind jedoch nicht nur die Kosten für die Lizenzierung, sondern auch jene für den laufenden Betrieb und die Weiterentwicklung zu berücksichtigen. Für das Upgrade kommen nur Lernplattformen in Frage, die mit den schweizerischen Datenschutzbestimmungen konform sind. Ausserdem ist Fronter – die Software, auf der Studynet beruht – vor zwei Jahren an eine andere Firma verkauft worden.

Durchzogenes Feedback

Die studentischen Test-User sind sich über die Vorteile der neuen Lernplattform uneinig. Einige loben den Aufbau der Seite und die Anzeige von Aktualitäten. Andere bemängeln sie sei zu vollgepackt mit teilweise unnötigen Inhalten. «Itslearning» wirke etwas wie eine «Facebook-Plattform», meint ein Student.
Obwohl die Studierenden kaum Einführungen in die Lernplattformen bekommen haben, wird dies nicht bemängelt. Sie scheint für die meisten Studierenden so «intuitiv» bedienbar zu sein, wie sie Seyfarth beschreibt. Die Umstellung fällt den meisten Studierenden indes nicht leicht. Sie haben sich mit dem aktuellen Studynet abgefunden und hätten kein Problem damit, die alte Lernplattform weiter zu nutzen. Bei der Überzeugung der Studierenden besteht folglich noch Luft nach oben.
Die Dozierenden, welche sich bereiterklärt haben, die Lernplattform in einem ihrer Kurse zu testen, zeichnen ein positives Bild derselben. «Eine Steigerung im Oberflächendesign und in der Nutzerfreundlichkeit», haben die Wirtschaftspädagogen Bernadette Dilger und Tobias Jenert festgestellt. Kurse müssten aber zur sinnvolleren Nutzung der neuen Lernplattform neugestaltet werden, ergänzen die Didaktik-Experten. Sowohl die Dozierenden als auch das Teaching Innovation Lab legen sich nicht fest, ob «Itslearning» oder ein anderes System eingeführt werden soll. Laut Seyfarth gebe es keine «beste» Lösung, sondern nur eine, die am besten zur Strategie der HSG in der Lehre passt. Und diese gilt es zu finden. Die Dozierenden wünschen sich einen «kriterienorientierten Vergleich» in der Auswahl des kommenden Learning Management Systems.
Ab dem Frühjahrssemester 2018 sollen noch mehr Kurse «Itslearning» einsetzen. Wenn alles glatt läuft, wird ab dem Herbstsemester 2018 ein neues Studynet ins Leben gerufen.