Zu teuer, zu voll und bald Geschichte. An unserer Mensa und deren orangen Betreiberin scheiden sich die Geister und Gerüchte halten sich hartnäckig. Doch was ist wirklich daran?

Die HSG-Mensa sei eine Goldgrube auf dem Rücken der Studierenden. Der Verpflegungsmonopolist presst die studentische Zitrone bis auf den letzten Tropfen aus und die Universität lässt das zu. Aus Sicht der kleinen Geldbeutel ein nachvollziehbares, aber vorschnelles Urteil. Neben dem Preis sind auch andere Kriterien zur Beurteilung des Angebots zu berücksichtigen. «Eine hohe Qualität und grösstmögliche Menu-Vielfalt sind ebenfalls wichtige Aspekte, wenn es um ein attraktives Angebot geht. Die Wahl des Menus selbst ist schlussendlich eine Mischung aus verschiedenen Faktoren, der Preis ist lediglich einer davon», sagt Pia Fach, Leiterin des Bereichs School des Gastronomieunternehmens SV Schweiz. Der Unterschied in der Wahrnehmung der Einflussmöglichkeiten der Auftraggeber gegenüber den Mensen- und Kantinenbetreibern als Auftragnehmer sei aber durchaus sehr unterschiedlich: «Es gibt Unternehmen, welche für ihre Mitarbeiterrestaurants Preisvorgaben bis auf das kleinste Sandwich machen.» Im schulischen Umfeld sei das anders, so Fach.

Ausschreibung gestartet
Der Betrieb der Mensa wird als Auftrag im Rahmen des öffentlichen Beschaffungswesens neu vergeben, womit auch die entsprechenden wettbewerblichen Richtlinien zur Anwendung kommen. Das Auftragsvolumen ist beachtlich: Zwischen vier und fünf Millionen pro Jahr. Dies macht auch eine europaweite Ausschreibung notwendig. Zurzeit wird der Ausschreibungskatalog finalisiert und bereits im Sommer 2019 wird die neu ausgewählte Betreibergesellschaft ihren Betreib aufnehmen. Die Attraktivität unserer Alma Mater scheint sich auch hier zu zeigen: «Wir würden uns sofort bewerben und hätten eine riesige Freude, die Mensa der HSG zu betreiben und Gastgeber für die Studierenden zu sein», sagt Yvonne Wicki, Business Director Customer Management & Sales bei SV Schweiz und selbst HSG Alumna.

Der Verwaltungsdirektor der HSG, Dr. Bruno Hensler, ist für das kommende Ausschreibungsverfahren verantwortlich. Dem Vorwurf der tolerierten Ausbeutungspraxis erteilt er eine klare Absage: «Es kommt natürlich darauf an, was man als Vergleichsbasis heranzieht.» Die Preis- und Angebotssituation werde jährlich durch die Mensa-Kommission evaluiert. Deren Präsidium wird zwar von der Universitätsverwaltung besetzt, die Mehrheitsverhältnisse fallen aber zugunsten der Studierendenvertretung aus. Zudem wird bereits heute nicht der Vollkostenpreis bezahlt. Je nach Modell übernimmt der Auftraggeber verschiedene Kosten wie Miete, Energiekosten oder stellt die Ausstattung des Standortes selbst zur Verfügung.

Dass diese Kostenvorteile für die Betreibergesellschaft auch der Kundschaft zufliessen, wird durch ein weiteres Instrument sichergestellt: «Es gibt und es wird weiterhin durch uns vorgegebene Preisspannen für einzelne Menus geben», erklärt Hensler. Signifikante Preisveränderungen, besonders gegen unten, sind nicht zu erwarten. «Hier liegt auch nicht mehr viel drin.» Dass sich mit dem Betrieb der Mensa Geld verdienen lässt, ist wohl unbestreitbar. Die HSG ist dabei gewinnbeteiligt: «So fliesst auch ein Teil des Geldes wieder zurück in Forschung und Lehre», sagt Hensler.

Das sagen die Studierenden
Schlechte Nachrichten für die knapp 230 Befragten, die bei der SHSG-Umfrage zum Verpflegungsangebot an der Universität das Preis-Leistungs-Verhältnis der Mensa mit durchschnittlich 2.5 von 5 bewertet haben. Mehrheitlich wurde hier der zu hohe Preis bemängelt. Gleichzeitig gewichten die Befragten aber die Zubereitungsart («gesund und frisch» mit 8 von 10) höher, als schlicht die Menge (7 von 10). «Wir werden in der Preis-Leistungs-Thematik den Hebel bei der Leistung ansetzen», sagt Christina Borner, studentische Vertreterin in der Mensakommission. Auch an einem anderen Ort drückt der Schuh: «Die Mensa ist eigentlich zu klein», ist sich Hensler mit den Befragten einig. Ebenso wird man sich in Zukunft öfters an Foodtrucks verpflegen können, was die Studierenden bereits jetzt sehr schätzen (4 von 5), da so zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden. Ebenfalls einen Spitzenplatz (4 von 5) erreicht die Freundlichkeit der Mitarbeitenden der Mensa, was in der Debatte um die Preise nicht untergehen sollte.