Der Kantönligeist gilt vielen als das Grundübel der heutigen Schweiz. Er kommt wohl kaum so deutlich zur Geltung wie in den beiden Appenzell, oder muss es heissen Appenzells? Appenzelle? Allein schon die Tatsache, dass der Plural von Appenzell beschissen klingt, schreit nach der Kantonsfusion. Bedenkt man weiterhin, dass Appenzell etymologisch nichts weiter als «Zelle des Abtes» bedeutet, drängt sich förmlich die Inkorporation in den Kanton St. Gallen auf.

Ob sich auf dem Landsgemeindeplatz in Appenzell ausreichend Innerrhoder finden, die ihr Seitengewehr für einen solchen Anschluss in die Luft recken, darf bezweifelt werden. Etwas harmloser käme dieser Schritt daher, wenn sich St. Gallen, die beiden Appenzeller Halbkantone und, wenn man schon dabei ist, auch das Thurgau zum Kanton Ostschweiz vereinigten.

Ein Blick in die Historie zeigt: Als Appenzell 1513 in die Eidgenossenschaft aufgenommen wurde, gab es die sinnlose Trennung noch nicht. Erst die Gegenreformation führte dazu, dass Reformierte und Katholiken je im eigenen Halbkanton zum selben Herrn beteten. Dass die religiösen Differenzen heute im gemeinsamen Interesse überwunden werden können, wird nicht nur im Tourismusmarketing sichtbar. Auch die bei der Abstimmung zur Minarettinitiative demonstrierte Verbrüderung im Angesicht des gemeinsamen Feindes offenbarte einen Ostschweizer Wertekonsens.

Erste Gedankenspiele zur Kantonsfusion machten schon 2005 die Runde, was den damaligen Ständerat Carlo Schmid dazu veranlasste, «erschiesst uns doch gleich» in die Weite des Plenarsaals zu rufen. Heute hat ein progressiverer Wind in den Machtzentren Einzug gehalten. Bei einem jüngst vom scheidenden Avenir-Suisse-Direktor Thomas Held arrangierten Treffen einigten sich die beteiligten Landammänner und Regierungspräsidenten bei Käse, Bratwurst und reichlich Most auf ein vertrauliches Positionspapier, welches prisma vorliegt. Darin wird der Kanton Ostschweiz als «mittelfristiges Ziel einer Politik der verstärkten Kooperation» angestrebt.

Aus prisma-Perspektive können diese Pläne nur gutgeheissen werden. Auf dass wir uns nie wieder mit dem Plural von Appenzell herumschlagen müssen.