Zeki Bulgurcu betreibt mit Swissmeme die grösste und bekannteste Memeseite der Schweiz – und eine der ersten, die Memes auf Schweizerdeutsch teilte. Auf  Facebook hat die Seite rund 270.000 Gefällt-Mir-Angaben.

Wir holen Zeki von der Arbeit ab, um mit ihm Mittagessen zu gehen. Auf dem kurzen Weg zum Lunch fällt uns auf: Zeki wird auf der Strasse erkannt. Eine Gruppe Jugendlicher folgt uns kichernd, schliesslich trauen sich zwei Mädchen, Zeki um ein Selfie zu bitten. «Ja, das passiert schon öfters», erklärt er. «Und wenn ich mit meiner Freundin im Restaurant sitze und jemand kommt an den Tisch, dann nervt das schon ein bisschen. Aber sonst stört es mich nicht.»

Zeki Bulgurcu – Internetstar und Influencer

Im Sommer 2013 wurde Swissmeme gegründet. Die Seite entstand weder nach langer Planung, noch war es Zekis Ziel, eine Plattform mit so vielen Followern aufzubauen. Eigentlich konnte er einfach nur nicht schlafen. «Ich lag wach und aus Langeweile habe ich die Seite erstellt und mein erstes Meme hochgeladen», erinnert sich Zeki. Und an das erinnert er sich noch genau: «Es war ein Forever-Alone-Meme und darunter stand: ‹Wenn du im Kino vergisst, dein Handy auf lautlos zu stellen, aber es egal ist, weil du eh keine Freunde hast.› Die Seite gewann schnell an Likes, vor allem, weil seine Themenauswahl und insbesondere das «Schwitzerdütsche» viele Menschen anspricht. Viele Memes auf Schweizerdeutsch oder über mit der Schweiz verbundene Themen habe es davor einfach nicht gegeben», erklärt Zeki.

Aktiv beim Thema Einbürgerung

Inzwischen hat Instagram Facebook als grösste Plattform für das Sharen der Swissmemes abgelöst. Und auch auf anderen Kanälen ist Zeki aktiv. Auf Youtube und Instagram betreibt er den Blog «zekisworld», im Rahmen dessen diskutierte er sogar schon mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga die Initiative «Erleichterte Einbürgerung». Sogar in der SRF Arena war er zu diesem Thema als Medienexperte zu Gast. «Klar, das Thema betrifft mich auch selbst. Ich werde auch fast bei jedem Interview danach gefragt.» Sonst hält sich Zeki und insbesondere Swissmeme bei polarisierenden Themen aber lieber zurück: «Politik und Religion, das thematisiere ich nicht.»

Traumberuf: Memes machen

Das Team hinter Swissmeme besteht aus genau einer Person – Zeki. Er entwickelt alle Ideen, setzt diese um und übernimmt das Uploaden der Bilder sowie die Pflege der Page. Deshalb ist er immer damit beschäftigt, während unseres Mittagessens schaut er regelmässig auf sein Handy. Er erklärt uns, nach welchem Schema er vorgeht und worauf er achtet: «Ich poste hauptsächlich über Mittag Memes, da schauen sich viele Leute die Seite an. Wenn ich einen neuen Upload gemacht habe, schaue ich genau an, wie viele Likes und Kommentare in den ersten Sekunden kommen. Wenn ein Bild nicht nach einer Minute mindestens fünfzig oder sechszig Likes hat, dann lösche ich es sofort wieder, weil dann kommt es nicht gut an.» Für solche Fälle hat er immer ein paar Memes in petto: Im Laufe der Woche bereitet er immer wieder neue Memes vor, die er dann zum passenden Zeitpunkt postet. «Wichtig ist es, immer aktuelle Themen aufzugreifen, manchmal muss ich dann auch schnell ein neues Meme machen. Wenn es zum Beispiel gerade zu schneien anfängt, dann ist auf Swissmeme garantiert ein Meme mit Schnee.» Auch aktuelle Diskussionen greift die Seite auf, so zum Beispiel den Streit um die Zwei-Phasen-Kurse bei der Fahrausbildung. Daneben hat Zeki für ein gutes Meme kein besonderes Geheimrezept: «Es muss den Leuten halt einfach gefallen und sie müssen sich damit identifizieren können.»

«Scheissegal, Hauptsache Reichweite»

Dass seine Memes zum Teil ohne Nennung seiner Seite weiterverbreitet werden, sieht Zeki inzwischen gelassen. Früher, als seine Seite selbst noch viel weniger Follower hatte, habe ihn das mehr gestört. «Ich habe mal ein Meme gemacht und das hat dann Kay One kopiert und auf seiner Seite geteilt. Natürlich hatte er deutlich mehr Likes als ich. Das hat mich damals ziemlich geärgert. Heute ist mir das nicht mehr so wichtig.» Und heute sähe der Vergleich der Anzahl an Likes wahrscheinlich auch ganz anders aus. Auch von Trolls und Hatern lässt Zeki sich nicht aus der Ruhe bringen. Solche Kommentare fallen ihm meistens gar nicht auf, sagt er gleichgültig. Und selbst wenn, hat Zeki das letzte Lachen: «Diese Leute checken nicht, dass alle ihre Freunde in ihrem Feed meinen Post sehen, auch wenn sie kommentieren, dass sie es scheisse finden. Das finde ich ironisch. Ich denke mir einfach nur: Scheissegal, hauptsache Reichweite.»

Kein Fulltime-Job

Von seiner Internetzpräsenz leben kann Zeki nicht. Seine Einnahmen aus Swissmeme und «zekisworld» gehen hauptsächlich auf Werbeeinnahmen zurück. Wenn Geld reinkomme, dann zwar auf einmal sehr viel, allerdings passiere das nicht regelmässig. Vollzeit arbeitet er deshalb bei LikeMag und wurde dort speziell wegen seiner Erfahrungen mit viralen Posts und erfolgreichen Pages eingestellt, erzählt er: «Ich baue im Moment für LikeMag eine Seite mit Fun Facts über die Schweiz auf. Die steht noch ganz am Anfang, aber im letzten Monat alleine habe ich dort immerhin 25.000 Follower dazugewonnen.»

Medienexperte, Marketing-Genie, Comedian?

Wo genau es für ihn hingehen soll und was er aus seinen Erfahrungen in Zukunft macht, das weiss Zeki noch nicht so genau. Eine ernsthafte Monetarisierung seines Swissmeme-Erfolges durch grossangelegte Werbekampagnen, Produktplatzierungen und Ähnliches strebt er nicht an. Allerdings hat er natürlich schon beratend einige Marketingprojekte begleitet und könnte sich auch vorstellen, dies professionell auszubauen. Hauptsächlich sieht Zeki sich aber als Comedian und Entertainer. «Ich plane gerade verschiedene Projekte, ich kann noch nicht viel sagen. Aber ich möchte auf jeden Fall mal auf die Bühne und ins Fernsehen, und ausprobieren, wie es mit Stand-Up-Comedy läuft», verrät er uns. Die Medienwelt sieht Zeki im Wandel, er ist sicher, dass das Fernsehen bald aussterben werde. Er will sich deshalb weiter insbesondere den Plattformen YouTube und Instagram widmen.

Erfolg auf ganzer Linie

Sogar seine Freundin hat Zeki über Swissmeme kennen gelernt. Die beiden erzählen uns jeweils ihre Version der Geschichte. «Ich war im Militär und damals hatte es noch viel weniger Kommentare unter den Posts. Mir war so langweilig, dass ich tatsächlich angefangen habe, sie durchzuschauen. Und sie hatte das Bild kommentiert und ist mir dann gleich aufgefallen», erinnert sich Zeki. Sie dagegen konnte es erst nicht recht glauben: «Ich habe ein Bild auf Swissmeme kommentiert und plötzlich bekam ich einen Kommentar zurück: «Schöne Topfpflanze!», oder so, weil ich ein Selfie bei mir im Badezimmer als Profilbild hatte. Ich dachte erst, irgendeiner meiner Kollegen spielt mir einen Streich und wusste nicht, was ich antworten soll!» Am Ende sind die Beiden dann doch ins Gespräch gekommen. Der Rest ist Swissmeme-Geschichte.

Bilder: Alexander Wolfensberger / ZVG