An unserer Haustüre klingelt es. Mein Handy zeigt 2 Uhr morgens. Ich höre, wie es in den Wohnungen nebenan ebenfalls klingelt. Im Halbschlaf denke ich mir, dass wohl irgendein Besoffener seinen Schlüssel vergessen haben muss. Ich drehe mich einmal im Bett um und schlafe weiter. Kurze Zeit später schrecke ich wieder im Bett hoch: Gepolter im Gang vor meinem Zimmer. In einer Männer-WG ist daran nichts merkwürdig. Da kommt häufiger einer der Kumpanen nach einer längeren Feier-Session erst früh am Morgen wieder nach Hause. Da ich mich schon in vergleichbarer Situation wiedergefunden habe, denke ich mir nichts dabei und schlafe wieder weiter.

Es ist 8 Uhr. Ich stehe auf, laufe aus dem Zimmer und sehe mich mit einer offenen Wohnungstüre konfrontiert. Vielleicht ist jemand gerade in die Waschküche runtergegangen und hat vergessen die Türe zu schliessen? Ich schliesse sie und laufe in Richtung Küche. Die Zimmertüre meines WG-Mitbewohner ist ebenfalls sperrangelweit offen. Drinnen schnarcht jemand lautstark. Muss wohl mein Mitbewohner sein, der es sich gut gehen liess. Wieder denke ich mir nichts dabei, mache mir einen Kaffee und laufe in mein Zimmer zurück. Kurze Zeit später klopft es an meiner Zimmertür. Mein anderer Mitbewohner steht davor und schaut mich verwirrt an: «Wer ist das im Zimmer von Roger?» Ich schaue verwirrt zurück und antworte: «Ähm… der Roger, oder?» Das sei nicht unser Mitbewohner, sondern jemand anderes. Mit dem Herz in der Hose gehe ich an ihm vorbei, trete ins Zimmer von Roger, blicke auf sein Bett und erblicke dort eine völlig fremde Person, die uns noch niemals – nicht einmal Roger – unter die Augen gekommen ist. Nach einem Besuch der Polizei, welche den ungebetenen Gast mit aufs Revier nahm, bleibt als Fazit der ganzen Geschichte: Vergesst auf keinen Fall – nicht einmal in der friedlichen Schweiz – eure Wohnungstüre abzuschliessen!