Im Rauchermilieu machen viele Halbwahrheiten die Runde. Die Raucherinnen und Raucher haben nicht nur schlechte Argumente, sondern sind auch schlecht informiert. Fokus räumt mit den fünf grössten Raucherlügen auf.

Die Lektüre des nationalen Programms zur Tabakprävention 2001–2005 des Bundesamts für Gesundheit (BAG) erweist sich als wahre Fundgrube für Informationen zur Klärung dieser Irrtümer. Im vorherigen Artikel wurde das Argument der Wirtschaftlichkeit vom ethischen Standpunkt aus als illegitim entlarvt. Es lassen sich aber auch aus rein wirtschaftlicher Perspektive genügend Gründe finden, warum Rauchen eine schlechte Idee ist.

Dem Staat geht eine wichtige Einnahmequelle, die Tabaksteuer, verloren

Dem ist entgegenzuhalten, dass die Folgen des Rauchens und Passivrauchens erhebliche Kosten verursachen. Gemäss einer Studie der Universität Neuenburg belaufen sie sich jährlich auf zehn Milliarden Franken. Das sind 2,7% des Bruttoinlandprodukts. Die Kosten unterteilen sich in fünf Milliarden direkte Kosten aus Produktivitätsverlust wegen medizinischer Behandlung von Raucherkrankheiten und Tod. Die anderen fünf Milliarden sind indirekte Kosten wegen Einbussen der Lebensqualität. Die Einnahmen aus der Tabaksteuer betrugen letztes Jahr 1,67 Milliarden Franken und kamen vollumfänglich der AHV zugute. Das sind gerade mal 6% der Einnahmen; Tendenz fallend. Dazu kommen etwa 100 Millionen Franken an Gewinnsteuern der Tabakkonzerne. Sie kommen den Kantonen zugute. Die Kosten des Rauchens sind enorm und stehen in keinem Verhältnis zum Ertrag. Das logische Gedankenspiel zum Schluss: Wenn von heute auf morgen alle aufhören zu rauchen, verliert der Staat 1,77 Milliarden Franken an Steuern, aber das Land spart zehn Milliarden Franken an Kosten ein. Während das Rauchen den Kassen der AHV zugute kommt, leert es auf der anderen Seite diejenigen der IV. Tabakkonsum verursacht jährlich 16 100 gemeldete Invaliditätsfälle. Aus-serdem gehen jährlich wegen Raucherkrankheiten vier Millionen Arbeitstage verloren. Ganz populär ist das Argument, dass viele Arbeitsplätze mit dem Tabakgeschäft zusammen-hängen. Diese würden verloren gehen. In der Schweiz sind dies etwa 5 800 Arbeitsplätze. Hinzu kommen branchenfremde «Profiteure» wie z.B. Werbeunternehmen und Personen, die sich von den Tabakfirmen sponsern lassen. Die Expertinnen und Experten der Weltbank haben alle unabhängigen Studien zum Thema Auswirkungen der Tabakprävention analysiert und kamen zu folgendem Ergebnis: Der komplette Wegfall des Tabakkonsums hätte nur auf solche Länder negative Auswirkungen, die fast die ganze Tabakproduktion exportieren. Betroffen wären Malawi und Zimbabwe. Überall sonst würde das frei gewordene Einkommen für andere Güter verwendet. Deren Herstellung und Handel würden neue Arbeitsplätze schaf-fen. Ein öffentliches Rauchverbot hätte sogar positive Auswirkungen auf die Beschäftigung in der Schweiz.

Die schädliche Wirkung des Rauchens wird überschätzt

Womöglich liegt es an der schwachen Beobachtungsgabe der Menschen, dass diese Lüge noch immer im Umlauf ist. Ist ein Mensch oder mindestens jemand aus seinem engen Be-kanntenkreis von einem Problem nicht betroffen, so existiert es für ihn auch nicht. Also wird angenommen, dass kaum ein Raucher je an Krebs gestorben ist oder an Raucherbeschwerden zu leiden hatte. Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Im Zigarettenrauch befinden sich 40 zweifelsfrei Krebs erregende Substanzen sowie toxische Gase. Die Hälfte aller regelmässig Rauchenden stirbt frühzeitig. 22% sterben an Lungenkrebs, 12% an weiteren Krebsarten, 47% gehen an Herz-Kreislauf-Krankheiten zugrunde, und die letzten 17% sterben an der Erkrankung der Atemwege. In der Schweiz sterben jährlich 8000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, das ist ein Achtel aller Todesfälle. Diese Zahl ist doppelt so hoch wie die der Todesfälle durch Verkehrsunfälle, illegalen Drogenkonsum, Aids, Morde und Suizide zusammen. 800 sterben sogar vor dem 55. Lebensjahr. Weltweit sieht die Lage noch finsterer aus. 1999 starben vier Millionen Menschen am Tabakkonsum; wenn sich das Konsumverhalten so weiterentwickelt wie heute, werden im Jahr 2030 zehn Millionen Tote zu beklagen sein. Das ist ein Sechstel aller Todesfälle weltweit. Damit wäre die Sterblichkeitsrate bei Tabaksucht höher als die jeder anderen Einzelkrankheit, Aids und Malaria inbegriffen. Auch die früh erkennbaren Krankheitssymptome sind äusserst unangenehm. Wegen Herz-Kreislauf-Veränderungen in den Blutgefässen, die bereits bei jungen Rauchern zwischen 25 und 34 Jahren feststellbar sind, wird die Blutzirkulation beeinträchtigt. Dies führt bei Männern z.B. zu Erektionsstörungen. In der Schweiz wird die Zahl der betroffenen Männer auf etwa 18 000 geschätzt. Raucherinnen müssen sich unter anderem auf vorzeitige Hautalterung einstellen. Es ist ein Skandal dass ein derart tödliches «Gut» in der Schweiz einfacher erhältlich ist als Brot. Die WHO teilt ihm berechtigterweise einen Sonderstatus zu: «Die Zigarette ist das ein-zige Konsumgut, das bei der dafür vorgesehenen Verwendung seinen Konsumenten tötet.»

Die Diskussion übers Passivrauchen ist reine Hysterie

Es ist leicht vorstellbar, wie gefährlich Passivrauchen ist, wenn man sich die Schäden des Rauchens vor Augen führt. Studien haben ergeben, dass Passivrauchen das Lungenkrebsrisiko um 26% und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 25% erhöht. Daneben gibt es noch weitere Gesundheitsrisiken wie Brustkrebs, Hirnschlag, Bronchitis und Asthma, die direkt mit dem Passivrauchen zusammenhängen. Kleinkinder und Föten sind ganz besonders empfindlich gegen Tabakrauch. Passivrauchen bei Kindern kann laut BAG Asthmaanfälle auslösen und erhöht die Gefahr von Mittelohrentzündungen, Bronchitiden und Lungenent-zündungen. Noch schlimmer trifft es ungeborene Kinder von rauchenden Müttern. Deren Ge-burtsgewicht liegt durchschnittlich 200 Gramm tiefer als das von Kindern nichtrauchender Mütter. Zudem kann die psychische Entwicklung des Kindes beeinträchtigt werden und die Gefahr von Kindstod liegt fünfmal höher. In Anbetracht dieser Fakten kann die Angst vor dem Passivrauchen nicht ernsthaft als hyste-risch eingestuft werden. Das BAG zieht dementsprechend Fazit: «Da ‹kein anderer Risikofak-tor derart massgeblich an der Entstehung von Krankheiten und der Verringerung der Lebenserwartung beteiligt ist wie der Tabakkonsum›, ist die mit ihm verbundene gesellschaftliche Last, die ‹burden of desease›, sehr hoch.»

«Vom Rauchen komme ich ganz einfach los …

und wieso soll ich, Krebs ist ja ein vergleichsweise angenehmer Tod.» Eine Mehrheit der 1,9 Millionen Raucherinnen und Raucher in der Schweiz möchten von ihrer Sucht loskommen. Tatsächlich schafft es nur einer von 20. Das verwundert nicht im Geringsten. Nikotin ist zwar nicht Krebs erregend, aber macht so süchtig wie «harte» Drogen. Deshalb wird Tabakabhängigkeit von der WHO als Krankheit anerkannt. Dass Nikotin schwer süchtig macht, darf laut BAG als Hauptgrund für Tabakkonsum angesehen werden. Dass der Krebstod für eine angenehme Todesart gehalten wird, muss implizit angenommen werden. Anders lässt sich die Lockerheit, mit der Raucher/innen über «irgendwann sterbe ich sowieso» reden, nicht erklären. Leider gibt es keine Studien zum Schmerzempfinden von Leuten mit Raucherkrankheiten. Der Leiter des Schmerzprogramms der Krebsliga meint dazu: «Das Schmerzerleben ist sehr individuell, grundsätzlich tut es eben grauenhaft weh und die Schmerzen lassen sich in fortgeschrittenen Stadien nur mit hohen Dosen von Opiaten eini-germassen lindern. Ganz zu schweigen von schwersten Atembeschwerden, Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme sowie allenfalls dem Verlust der eigenen Stimme nach Laryngektomie.»

Nach dem Studium aller Fakten zeigt sich, das es nicht den geringsten Grund fürs Rauchen gibt. Rauchen ist illegitim, irrational und schwer gesundheitsschädigend für alle Beteiligten. Wir brauchen ein öffentliches Rauchverbot und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es durchgesetzt wird.