In der Stadt entsteht ein 700m2 grosser Co-Working-Space. Das Projekt soll Arbeitsplätze generieren und den Austausch zwischen Studierenden und Vereinen fördern. Yannik Breitenstein (Vizepräsident SHSG) hat uns darüber aufgeklärt.

Yannik, wie muss man sich einen Co-Working Space vorstellen?

Vereinfacht gesagt ist das eine neue Form des Arbeitens, welche zu Beginn vor allem auf Startups und Freelancer ausgerichtet war. Mittlerweile gibt es auch Co-Working Space Angebote innerhalb von Grossunternehmen, als alternatives Arbeitsszenario zum klassischen Office. Den grössten Impact erreicht man, wenn sich Personen aus verschiedenen Branchen und Firmen in solchen Arbeitsumgebungen treffen, um Ideen, Erfahrungen und Know-how auszutauschen und so eine aktive Community bilden.
Auch der geplante HSG Co-Working Space greift diesen Community-Gedanken auf. Er soll zugänglich sein für Studierende aller Stufen, die Institute und Mitarbeiter der Universität, teilweise auch für die Öffentlichkeit und somit den kooperativen und interdisziplinären Austausch fördern. Es wird daher vor allem Einzel- und Gruppenarbeitsplätze geben.

Woher kommt die Idee, einen
solchen Co-Working Space an der
HSG zu gründen?

Letztes Jahr hat das Studentenparlament (StuPa) die Strategie des Vorstandes abgesegnet. Ein Teil der Strategie hat auf die Verwendung der verfügbaren finanziellen Mittel der SHSG abgezielt, man hat also nach Projektideen gesucht. Hans Jörg Baumann, Leiter Immobilien der Universität, hat uns auf einen Raum an der Müller-Friedberg-Strasse hingewiesen, für welchen noch kein Verwendungszweck definiert war. Nach ersten Gesprächen durch den Vorstand 16/17 war die Idee eines Co-Working Space geboren.

Welche Meilensteine
wurden bisher erreicht?

Die Eingabe der Projektidee ins StuPa erfolgte im Frühling. Das Parlament wie auch das Rektorat haben uns darin bestärkt, das Projekt weiter zu verfolgen. Bereits im letzten Mai wurde ein Grobkonzept erstellt und das Baugesuch eingereicht. Die Baubewilligung haben wir im Oktober erhalten. Zusätzlich haben uns das Rektorat und das StuPa im Oktober die nötigen Gelder zugesprochen.

Wie geht es jetzt weiter?

Baubeginn wird bereits Mitte November sein. Wir arbeiten auf das Ziel hin, den Raum am 1. April 2018 eröffnen zu können. Parallel dazu muss ein Nutzungsreglement erstellt werden. Die Universität ist verantwortlich für den Innenausbau, die Studentenschaft übernimmt primär die Ausgestaltung und Einrichtung des Raumes. Das SHSG Kernteam besteht heute aus vier Parlamentariern. Ich möchte nun schrittweise mehr Leute einbeziehen, sodass alle möglichen Wünsche und Bedürfnisse der Studenten ins Projekt einfliessen können.

In welchen grösseren Kontext lässt sich dieser Co-Working Space einordnen?

Das Mission-Statement der SHSG lautet: «Improving the quality of studies through representing students and providing services», besteht also aus Interessenvertretung und Dienstleistung. Wir sehen diese Begegnungszone daher als wichtige Dienstleistung für die Studierenden und erhoffen uns auch, dass wir damit die Vernetzung der Vereine vorantreiben können.
Gleichzeitig passt der Co-Working Space gut in die «HSG Roadmap 2025» der Universität, als Beitrag zu einem inspirierenden und befähigenden HSG-Campus. Es ist ein weiterer Schritt, den die Uni in Richtung «Stadt» macht. Insofern ist das ein gutes Leuchtturm-Projekt mit Ausstrahlungscharakter.

In welchen Räumlichkeiten wird
der Space untergebracht sein?
Wie wird er aussehen?

Im Gebäude an der Müller-Friedberg-Strasse 6/8. Die Büroflächen werden schon länger von der HSG gemietet und vom Institut für Wirtschaftsinformatik genutzt. Der Standort wurde umgebaut und im Mai 2017 neu eröffnet. Nun beherbergt das Gebäude verschiedene HSG-Forschungsstellen – und bald auch den Co-Working Space!
Der Raum soll so aussehen, wie die Studenten es sich wünschen. Mit dem oben erwähnten SHSG Kernteam werden bereits grundlegende Entscheide erarbeitet. Zu einem späteren Zeitpunkt kommt dann ein Kurator oder eine Kuratorin ins Spiel. Auch wenn der Raum eröffnet ist, wollen wir stets auf das Feedback der Raumbenutzer eingehen können.
Wir wollen bewusst nicht, dass der Raum bei der Eröffnung fertig eingerichtet ist. Es soll ein Raum sein, der sich ständig im Umbruch befindet, um auf die sich verändernden Bedürfnisse flexibel reagieren zu können. Wir sprechen daher auch von einem «Raum ohne Geschichte».

Für was ist die/der Kurator(in)
genau zuständig?

Wir haben uns im Vorfeld dieses Projekts einige Co-Working Spaces in der Schweiz angeschaut. Man findet verschiedene Ausprägungen. Einige Spaces sind als klassische «Arbeitsplätze auf Zeit» konzipiert. Das andere Extrem sind dann die «Community Spaces», bei denen die Interaktion im Vordergrund steht. Wir versuchen, uns irgendwo in der Mitte zu positionieren. Unser Learning war aber, dass man einen lebendigen Austausch nur erreichen kann, wenn jemand dafür verantwortlich ist. Im «Impact Hub» in Zürich wird dies zum Beispiel durch den «Host of the day» gemacht. Das wären in unserem Fall dann die Kuratoren. Ein genaues Pflichtenheft ist noch in der Entstehung. Eine Kernaufgabe wir aber sicher die Pflege der Community und das Bespielen des Raumes sein.

Wird der Raum 24h betretbar sein?

24/7 wird der neue Tankstellenshop im gleichen Gebäude geöffnet sein. Ganz solange wird man den Raum wohl nicht betreten können. Wir werden uns unter Berücksichtigung der vielfältigen Bedürfnisse aus Studierenden- und Nachbarschaft dafür einsetzen, dass der Raum gemäss den Wünschen genutzt werden kann. Wir überlegen uns zudem konkret, dass jeder beim ersten Besuch eine kleine Einführung absolvieren muss – ähnlich wie beim HSG-Gym. Der Zutritt würde dann über die Legi erfolgen, mit welcher die Tür geöffnet werden kann, auch andere Zutrittssysteme wie über eine App werden zurzeit evaluiert.

Wie viele Leute können gleichzeitig
im Raum sein? Steht der Raum auch Personen offen, die nichts mit der
HSG zu tun haben?

Die Brandschutzvorschriften schreiben vor, dass es nicht mehr als 150 Personen sein dürfen. Da wir aber keine Party-Location planen, sondern Anlässe wie öffentliche Vorlesungen, Podiumsdiskussionen und andere kulturelle Events hosten möchten, sollte dies ausreichend sein. Die Nutzung durch Studierende steht im Vordergrund. Wir können uns zudem gut vorstellen, dass Vereine wie Orchester oder Theater den Raum für ihre Zwecke nutzen. Im Moment suchen wir noch nach einer sinnvollen Lösung für den Sommer, wenn nur wenige Studenten den Raum nutzen werden.

Was ist der Mehrwert für
die Studierenden?

Ein Co-Working Space gehört nicht zum Grundangebot einer Universität, weshalb wir uns sehr über dieses Kooperationsprojekt mit der Universität freuen. Die SHSG trägt einen Viertel der Kosten, um einen Raum in dieser Grösse und mit diesem Angebot zu ermöglichen. Der Mehrwert liegt ganz klar darin, dass wir Raum schaffen für die Studierenden, welchen es in dieser Form an der HSG noch nicht gibt.

Was erwartet sich die SHSG
längerfristig von diesem Projekt?

Das Projekt hat eine vorläufige Laufzeit von 10 Jahren – so lange wird es den Space mindestens geben. Bis dann wird das HSG-Ökosystem mit dem neuen Learning Center und dem Platztor-Campus ziemlich anders aussehen. Wenn der Co-Working Space intensiv genutzt wird, besteht die Möglichkeit das Projekt zu verlängern, immer ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Studierenden.