Wenn er nicht weiter auffällt, dann erfüllt er seine Aufgabe am besten: der Hausdienst. Doch was heisst es eigentlich, den Laden HSG zum Laufen zu bringen? Wir haben den Hausdienst einen Tag lang begleitet.

Jürg Müller steht mit seinem blauen Hemd (dem «Markenzeichen» des Hausdienstes) hinter der Empfangsloge im B-Foyer. Sein fester Händedruck verrät schon einiges über seine Tätigkeit: Er ist der Leiter des Hausdienstes. Egal, ob man eine Podiumsdiskussion organisieren will oder einfach nur eine Flipchart braucht, der erste Weg führt zu ihm. Sein Team umfasst 15 Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin, die sich von frühmorgens um 7 Uhr bis hinein in die Nacht, manchmal bis weit nach 22 Uhr, um die Belange der Universität kümmern. «Da steckt schon eine ganz schöne Organisation dahinter», meint er lächelnd.

Die Männer in den blauen Hemden

Acht Uhr morgens. Als Erstes begleiten wir Guido Giesinger, den Nachfolger von Hans Rüttimann als Verantwortlichen der Technik im B-Gebäude. Es ist Dienstag früh, der Zeitpunkt für die berüchtigten Assessmentvorlesungen. «Zu Beginn des Semesters herrscht da oftmals ein richtiger Verdrängungswettbewerb um die Plätze, weil es so viele Studenten gibt», sagt er uns. Und dann heisst es, die Studenten darauf hinzuweisen, dass die Benutzung der Treppenstufen als Sitzplatz einfach keine Alternative ist. Schliesslich trägt der Hausdienst die Verantwortung, dass auch im Notfall alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden können. «Aber im Laufe des Semesters lichten sich die Reihen immer mehr», fügt Giesinger hinzu, «da bekommt dann auch jeder seinen Platz.» Ausserdem seien die Übertragungen als Alternative nicht mehr so verpönt wie letztes Semester. Giesinger kann die Studenten aber diesbezüglich verstehen: «Die Qualität war aufgrund unserer fehlenden Erfahrung auf diesem Gebiet nicht immer gegeben. Wir haben aber aus den Fehlern gelernt und glauben, dass die Übertragungen nun gleichwertig zur Live-Vorlesung sind.»

Giesinger betritt das Audimax und kontrolliert mit der Professorin, ob die Power-Point-Präsentation für die kommende Vorlesung auch richtig funktioniert oder ob noch kleine Handgriffe notwendig sind. Doch die Probleme mit dem neuen Touchscreen-Präsentationstool werden immer geringer, das Feedback der Dozenten hilft, das System zu verbessern. Heute gibt es zudem eine kleine Neuerung: Ein Head-Set wird erstmals als Mikrofon verwendet. Giesinger prüft den Tonausgang und sagt zufrieden: «Passt alles!»

Die Sorgen am Morgen

Sein Arbeitstag beginnt jeden Morgen um 6.30 Uhr, dann checkt er seine E-Mails und sieht nach, ob Bestellungen für Audio- oder Tongeräte eingegangen sind. Ein grosser Teil seiner Tätigkeiten besteht aus der Koordination und Verteilung der Aufgaben an seine Mitarbeiter, doch natürlich ist auch er unterwegs auf dem Unigelände und packt mit an. So wie jetzt. Eine Dozentin hat eine Videokamera für ein Seminar bestellt. Giesinger nimmt die notwendige Ausstattung aus dem Lagerraum und schreitet pfeifend zur Tat: er hat sichtlich Spass an seiner Arbeit. Neben der Entwirrung des unvermeidlichen Kabelsalats (die Kabel verschwinden auch öfters mal …) gehört auch die Einführung der Dozenten in die «Tücken der Technik», wie Giesinger die Verkabelung von Kamera, DVD-Player und Beamer nennt, zur Aufgabe des Installateurs.

Und dann geht es schon wieder zurück ins Audimax, besser gesagt in den Regieraum in der obersten Reihe. Von dort werden die Übertragungsaufnahmen gefilmt sowie die Werbefolien abgespielt. Momentan erfolgt die Transmission der Filme noch durch komplizierte Steckermodule: in den kommenden Monaten sollen jedoch alle Räume mit Glasfasernetz verbunden werden, um dies zu erleichtern.

Auch der Hausdienst braucht mal Pause

Um 9.15 Uhr, nach der ersten Pause der Studenten, gönnen sich auch die Mitarbeiter des Hausdienstes ihren Kaffee. Die morgendlichen Gespräche der Männer in den blauen Hemden drehen sich natürlich hauptsächlich um ein Thema: Technik. Unter anderem wird das neue Mikrofon diskutiert, bei dem es scheinbar kaum Rückkoppelungen gibt. Danach folgt sogleich die Teambesprechung über das tägliche Geschehen. Ein ruhiger Tag, sind sich alle einig, keine Aufregungen bislang, alles läuft nach Plan.

Doch schon wenige Minuten später stört Giesingers Mobiltelefon die trügerische Ruhe, ein erster Zwischenfall. Die Garageneinfahrt im B-Gebäude scheint blockiert, ein Autofahrer steht hilflos vor verschlossenem Tor. Giesinger eilt zur Einfahrt, doch es ist keine grosse Sache, ein Softwarefehler, der schnell wieder behoben werden kann. «Aber genau solche unerwarteten Probleme und Arbeiten machen den Alltag so spannend», meint Giesinger, als der erlöste Autofahrer mit einer Geste des Dankes an uns vorbeifährt. Anstrengend aber auch, denn zudem muss heute noch Audio/Video-Material verteilt, die Sitzordnung eines Seminarraums umgestellt und eine Podiumsdiskussion im Audimax vorbereitet werden. Und so ganz nebenbei putzt Giesinger eine Wandtafel. Schliesslich wollen auch die kleinen Dinge gemacht werden.

Der ewige Kampf mit den PET-Flaschen

Der Nachmittag ist dann im Vergleich zum Morgen tatsächlich etwas ruhiger. Wir begleiten nun Jerome Roser, den Objektleiter der Sporthalle und des Lehrprovisoriums, bei seinen Rundgängen. Roser fällt unter den Studenten dank seines jungen Alters nicht weiter auf, und er sagt auch selbst, dass er sich in seinem Beruf ziemlich wohl fühlt: «Das Tolle hier ist, dass man neben der organisatorischen Büroarbeit auch immer den Kontakt nach aussen hat. Man ist einfach mittendrin im Studentenleben!» Zu seinem Aufgabenbereich kommen fast täglich neue Aufgaben hinzu, da die Abläufe noch nicht ganz so eingespielt sind wie im B-Gebäude. Beispielsweise gehört seit kurzem die Aufsicht des Sportplatzes zu Rosers Aufgabenbereich. Aber auch die Entsorgung der erheblichen Müllmengen erfordert einigen Aufwand. «Die richtige Platzierung der PET-Flaschen-Eimer, so dass sie die Studenten nicht übersehen können, erspart uns beispielsweise eine Menge Arbeit», bemerkt er mit einem Grinsen.

Generell fordert der provisorische Charakter der Sporthalle und des Lehrprovisoriums viel Improvisationstalent, doch zugleich bietet er einem jungen Mitarbeiter wie Roser die Möglichkeit, sich zu profilieren. Wenn alles nach Plan läuft, wird er nächstes Jahr auch die Objektleitung des renovierten A-Gebäudes übernehmen. Daher besucht er schon jetzt mehrmals pro Woche die Baustelle, um die Fortschritte zu überwachen und sich bereits jetzt im Korridorlabyrinth zwischen Rektorat, Mensa und Heizungskeller zurechtzufinden.

Die Baustelle ruft!

Begleitet wird Roser dabei von Markus Steiner vom Bereich Dienste, dem Hauptverantwortlichen für die Umbauarbeiten. Steiner ist seit Beginn der Bauarbeiten vor Ort und kennt mittlerweile jeden Winkel, vom Lüftungsschacht bis zur Bestuhlung der Hörsäle. «Es ist eine unglaublich reizvolle Aufgabe, die Veränderungen tagtäglich mitzuerleben», sagt Steiner, und man glaubt es ihm aufs Wort. Die Baustelle A-Gebäude ist sein Baby. Und er ist auch glücklich über die bisherige Einhaltung des Zeitplans: Sollte nichts mehr dazwischenkommen, ist das Gebäude zum Wintersemesterbeginn 2010 bezugsfertig. «Dann dürfte die momentan etwas prekäre Raumsituation auch wieder deutlich entlastet sein», freut sich Steiner.

Doch bis die Anstrengungen des Umzugs anstehen, bleibt dem Hausdienst die nicht minder abenteuerliche Aufgabe der Alltagsbewältigung an der HSG. Oder um es im fachlich korrekten Jargon der Universität auszudrücken: Operatives Management par excellence!