Höhere Preise als an der FH, Konkurrenzverbot für das Adhoc: Die Migros nützt ihre Monopolstellung auf dem Rosenberg aus. Und die Universität gewährt studentischen Vertretern keinen Einblick in die Verträge.

Dass die Preise in der Migros-Mensa an der Fachhochschule St. Gallen tiefer sind als jene an der HSG, ist eine alte Geschichte. Über die Gründe dafür wurde schon viel spekuliert. Dass die Migros auf dem Rosenberg von ihrer Monopolstellung profitiert, lässt sich zumindest nicht abstreiten, gibt es neben der Mensa kaum Verpflegungsmöglichkeiten auf dem Rosenberg.
Ein Blick in den Kooperationsvertrag, welcher die Universität zur Neueröffnung der Mensa 2009 mit der Migros abgeschlossen hat, würde ein für alle Mal Antworten liefern. Er regelt, zu welchen Bedingungen die Migros die Mensa an der HSG betreibt.  Doch den Vertrag hält die Universität unter Verschluss. In gerade dieses Papier müsste aber die Mensakommission Einsicht erhalten, wenn sie ihren Aufgaben pflichtgerecht nachgehen will.

Kein Einblick in Dokumente

Die Kommission, welcher Vertreter der Studentenschaft, der Migros, der Universität sowie externe Mitglieder beisitzen, hat gemäss Reglement folgende Aufgaben und Kompetenzen: (a) das Anrecht zur Mitbestimmung des Anbieters, (b) die Beurteilung der Kundenzufriedenheit, (c) die Betreuung eines Reklamationsmanagements, (d) das Tätigen von Investitionen zur Verbesserung des Angebots, (e) die Stellungnahme zum Reporting der Mensa, (f) die Mitwirkung bei der Festlegung, Überprüfung und Anpassung des Betriebskonzepts der Betreiberin und (g) die Mitwirkung bei der Ausarbeitung von Arealstrategien.
Um diese Verantwortlichkeiten wahrnehmen zu können, wäre nicht nur Einblick in den Vertrag zwischen Universität und Migros wichtig, sondern auch Zugang zum Betriebskonzept und der Rechnungslegung der Mensa. Gemäss Anastasia Beheshti, Präsidentin des Studentenparlaments, wurde den studentischen Vertretern der Kommission aber nie Einblick in diese Dokumente gewährt. Und auch die Kundenzufriedenheit sei in letzter Zeit systematisch überprüft worden.

Studiengebühren für die Mensa

Hinzu kommt: Für die Mensakommission wurde ein HSG-Spezialfonds, der Mensafonds, eingerichtet. Diesem fliessen aus jeder bezahlten Semestergebühr drei Franken zu – oder jährlich rund 48 000 Franken. Mit diesen studentischen Geldern im Fonds werden Projekte wie eine zusätzliche Kaffeemaschine im B-Gebäude oder ein Foccaccia-Ofen finanziert. Wenn Studenten also die Mensa mit ihren Studiengebühren mitfinanzieren, sollten studentische Vertreter auch Einsicht in den Vertrag erhalten. Gemäss Anastasia Beheshti bedient sich die Universität aber einer Ausredetaktik: «Jedes Mal, wenn wir nach dem Vertrag fragen, heisst es, dass man nicht genau wisse, wo er abgelegt ist.» Herausgegeben worden sei der Vertrag bisher aber nicht.
«Ich bin enttäuscht, dass wir den Vertrag nicht einsehen können», sagt Beheshti. Dies bestätigt auch Max Faulhammer, SHSG-Vorstandsmitglied und Präsident der Mensakommission: «Die Mensakommission versucht seit Jahren, Einblick in die relevanten Passagen zu erhalten, um ihren reglementarischen Pflichten nachzukommen. Fakt ist auch, dass sie bislang keinen Einblick erhalten hat.» Über die Gründe dafür kann auch SHSG-Präsident Mario Imsand nur spekulieren: «Ich gehe davon aus, dass in dem Vertrag eine Geheimhaltungsklausel verankert ist. Was genau der Grund ist, weiss ich aber nicht.» Man sei momentan im Gespräch mit Veraltungsdirektor Bruno Hensler, da die aktuelle Situation unbefriedigend sei und Raum für Spekulationen zulasse, sagt Imsand.

Konkurrenzverbot für Adhoc

Das Monopol der Migros auf dem Rosenberg hat derweil bizarre Formen angenommen: Wer auf dem Universitätsgelände einen Apéro für Gäste bereitstellen will, ist verpflichtet, das Cateringangebot der Migros zu beziehen. Das ist gerade für die SHSG und Vereine problematisch, sind doch die Preise der Migros für solche Apéros nicht für alle studentischen Vereine tragbar. Auch das Adhoc darf ausser Sandwiches (und auch das erst ab 16 Uhr) keine Speisen anbieten. «Ich bin ganz klar der Meinung, dass dieses Konkurrenzverbot für den Bereich G aufgehoben werden sollte», sagt sie. Während die Mensa zusätzlich durch den Mensafonds unterstützt wird, finanziert sich das Adhoc selbst – und nutzt allfälligen Gewinn zur weiteren Senkung der sonst schon tiefen Preisen. «Das Adhoc kann aber über den Mittag nicht mal einen Hot Dog für drei Franken anbieten», sagt Beheshti.
Auch Max Faulhammer stösst sich am Konkurrenzverbot: «Studierenden wird an dieser Universität das bilaterale Polypol zur Erreichung eines effizienten Marktes gelehrt – es soll möglichst viele Marktteilnehmer geben. Dass die Studierenden Unverständnis äussern, weil die Uni nun in diesem Bereich selbst ein Monopol geschaffen hat, kann ich deshalb komplett nachvollziehen.» Die Universität solle endlich mit offenen Karten spielen, findet Beheshti: «Dieser Vertrag ist essentiell und ganz bestimmt nicht in irgendeinem Laufwerkordner der Universität verschwunden!» Trotzdem will Beheshti hervorheben, dass die Monopolstellung nur ein Aspekt ist. Die Mensa sei stets offen, die Ideen der Studenten und der Mensakommission aufzunehmen und versuche, ihr Angebot an die Bedürfnisse der Studenten anzupassen. «Auch die Zusammenarbeit in der Kommission ist gut.»

Kommentar
Die Universität verzichtet bewusst darauf, den Kooperationsvertrag mit der Migros auszuhändigen. Dafür mag es verschiedene Gründe geben; die Taktik täuscht aber nicht darüber hinweg, dass hier etwas geheim gehalten wird. Zumal via Mensafonds auch studentische Gelder in die Betreibung der Mensa fliessen, muss die Universität endlich mit offenen Karten spielen. In ein paar Jahren muss der Betreibervertrag für die Mensa gemäss öffentlichem Beschaffungswesen zudem neu ausgeschrieben werden und neben der Migros können sich neue Betreiber um den Zuschlag bewerben. Spätestens dann sollte die Universität die Möglichkeit nutzen, endlich Transparenz zu schaffen. Sollte sie mit dem neuen Betreiber einen ähnlich geheimen Vertrag aufzusetzen, kann sie sich auf Gegenwehr der Studentenschaft schon mal vorbereiten.