Oftmals planen wir unsere Reisen wochenlang im Voraus und zählen die Tage bis zum Abflug. Dabei freuen wir uns wie kleine Kinder. Doch wie sieht es aus, wenn man einfach mal ganz spontan verreisen will?

Es ist Donnerstagmorgen und ich stehe vor meinem leeren Koffer. Ich habe mich dazu entschieden, einmal ohne jegliche Vorbereitung zu verreisen: Reiseziel unbekannt. Konkret sieht die Challenge folgendermassen aus: Erstens einen Koffer packen, danach an den Flughafen fahren und schliesslich den nächstmöglichsten Flug nehmen. So schwierig kann das ja nicht sein. Doch es gibt natürlich ein paar Einschränkungen. Es muss eine mir völlig unbekannte Stadt sein. Ich habe nur drei bis vier Tage frei, deshalb will ich auch nicht mehr als drei Stunden fliegen. Mehr als 250 Franken will ich nicht für die Flüge bezahlen. Ich bin ja schliesslich Studentin und will wissen, ob sich eine solche Spontanreise überhaupt lohnt. Trotz Einschränkungen bin ich optimistisch. Von Oslo über Lissabon bis Istanbul liegen die meisten europäischen Grossstädte innerhalb der Zeitgrenze. Die Preise auf den Internetportalen scheinen auch erschwinglich.

Bikini und Wintermantel

Die erste Hürde liegt im Packen. Die Temperaturen in Europa gehen doch spürbar auseinander. Schlussendlich packe ich von allem ein bisschen ein, vom Bikini bis zum Wintermantel. Mit dem Mischmasch mache ich mich auf die Reise. Weiter als zum Flughafen Zürich komme ich allerdings nicht.
Am Flughafen angekommen, stellt sich mir die nächste Hürde. Wo muss ich denn jetzt hin, um ein Last-Minute oder Standby-Ticket zu bekommen. Meine erste Anlaufstelle ist das Swiss Ticket Büro beim Check-in 2. Meine Logik dahinter ist einfach: Einen freien Platz in einem Flugzeug zu ergattern, das binnen der nächsten Stunden abhebt, ist sicherlich ganz billig. Der Fluggesellschaft bringt der freie Platz ja nichts. Ganz nach dem Prinzip der freien Hotelbetten um zwei Uhr morgens.
Voller Vorfreude gleich mein Reiseziel zu erfahren, gehe ich an den Schalter und frage die Frau dahinter, wann und wohin der nächste Flug mit noch freien Plätzen gehe. Die Dame schmunzelt nur und erwidert, dass ich ihr schon sagen müsse, wohin ich fliegen will. Eine Liste mit freien Plätzen gibt es demnach nicht. Meine Drei-Stunden-Regel hilft leider auch nicht weiter. Tipp 1: Auch für Spontanreisende empfiehlt es sich, die Destination schon vor Abreise zu kennen, oder sich zumindest ein paar Favoriten auszusuchen.

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Doch kein Hotelzimmer

Die Frau ist zum Glück geduldig. Zusammen überlegen wir uns Städte, die passen könnten. Es stellt sich ziemlich schnell heraus, dass kaum noch Plätze frei sind. Der Winterflugplan ist ziemlich knapp bemessen. Zusätzlich habe ich wegen meiner morgendlichen Packaktion einiges an Zeit verloren und bin erst am späten Vormittag am Flughafen eingetroffen. Viele Flüge sind schon weg und natürlich muss man mindestens zwei Stunden vorher da sein. Auf meine Frage, ob ich Standby fliegen könnte, lacht sie nur und sagt, dass das vielleicht noch vor 20 Jahren möglich gewesen sei, heute gebe es das aber nur noch für die Mitarbeiter der Fluggesellschaften. Nach etlichen Suchen finden wir schliesslich doch noch einen freien Platz in einem Flug nach Athen. Für Tausend Franken. Auf meine Frage, warum diese letzten Plätze so teuer sind, erfahre ich, dass das Hotelbettenprinzip hier ganz und gar nicht funktioniere. Je näher am Abflug, desto teurer der Sitz. Tipp 2: Am besten mehrere Monate im Voraus buchen, rät mir die Frau am Schalter.

Ja, Papa…

Ich merke, mit Swiss wird das nichts mehr. Als nächstes versuche ich es beim Reisebüro beim Check-in 1. Der Mann hinter dem Schalter ist keineswegs so freundlich und schaut mich eher konsterniert an. Plätze seien keine mehr frei. Auf mein Nachhaken bemüht er sich doch noch an seinen Computer. Während er sucht, erklärt er mir in perfekter Papa-Manier, dass ich doch nächstes Mal vier Wochen vor Abflug die Angebote anschauen soll, denn dann sind diese am zahlreichsten und am günstigsten (Tipp 3). Danach kommen keine Plätze mehr dazu. Sowieso sei es schwierig, so kurzfristig noch etwas für unter einer Woche zu finden. Trotz Standpauke findet er mir dann doch noch einen günstigen Flug nach Antalya in der Türkei. Vor meinem inneren Auge sehe ich schon weisse Strände und blaues Meer und packe mein Bikini unter dem Wintermantel hervor. Mein Tagtraum ist schnell wieder zu Ende, es gibt keinen Rückflug mehr. Kurz spiele ich mit dem Gedanken, aber schlussendlich siegt die Vernunft. Ganz aufgeben will ich aber doch nicht und frage den Mann, ob er mir nicht noch einen Tipp für eine weitere Anlaufstelle hätte. Er rät mir, es doch noch bei den Reisebüros beim Check-in 2 zu probieren.

Internet ist doch billiger

Also nochmals die Treppe hoch. Im Check-in 2 angekommen sehe ich ein verheissungsvolles Schild: Last Minute Flüge von Ltur. Ein freundlicher junger Mann sitzt hinter dem Schalter und siehe da, die haben sogar noch Plätze frei. Doch auch hier gibt es keine Liste und wir müssen einzeln alle Reiseziele durchschauen. Die billigste Variante, die wir finden, ist Barcelona für 480 Franken, 670 Franken mit Jugendherberge. Die Rückreise ist jedoch erst am Montag. Tipp 4: Am Wochenende sei es immer viel teurer, wenn möglich solle man unter der Woche fliegen, erzählt er mir. Tipp 5: Leise fügt er noch an, dass es deutlich billiger sei, über das Internet zu buchen. Eine Weile liebäugle ich noch mit Barcelona, obwohl es mein Budget deutlich übersteigt. Nach der ganzen Mühsal will ich nicht einfach wieder zurück in den Zug steigen. Zudem hatte ich die ganze Woche eine grosse Klappe und habe allen von meiner superspontanen Reise erzählt. Schlussendlich muss ich einsehen, dass es nicht sein soll. Zumindest habe ich etwas gelehrt. Tipp 6: So ganz spontan ohne jeglichen Plan lohnt es sich nicht, weder zeitlich noch finanziell.

Bild zvg