ShelterBox ist eine internationale Hilfsorganisation, die Menschen in prekären humanitären Notsituationen unterstützt. Die Schweizer NGO befindet sich noch in den Start-up-Phase, sie hat jedoch Grosses vor. prisma hat mit Stefan Grösser, Vizepräsident von ShelterBox Schweiz, gesprochen.

ShelterBox ist eine «international disaster relief charity». Was soll man sich darunter vorstellen?
ShelterBox hilft überall dort, wo Menschen über akute Ersthilfe hinaus längerfristig humanitär versorgt werden müssen, bis die ursprüngliche Infrastruktur wiederhergestellt ist. Leidvolle Beispiele der jüngsten Zeit sind Haiti, Mexico und China, wo ShelterBox im Einsatz war und zum Teil immer noch ist. Den Hilfsbedürftigen werden Notunterkünfte sowie lebenswichtige Materialien für die ersten sechs Monate nach der Katastrophe zur Verfügung gestellt. Eine ShelterBox, eine 58 kg schwere, praktische Transportkiste, enthält mehr als 150 Einzelteile, um eine Grossfamilie zu versorgen. Diese spezielle Art der Hilfeleistung wird durch kein anderes Hilfswerk erbracht.

Es gibt verschiedene andere Hilfswerke. Was zeichnet ShelterBox aus?
Die von über zehn Ländern getragene und in England ansässige Organisation ShelterBox International führte in ihrem 10-jährigen Bestehen über 80 Einsätze in mehr als 50 Ländern durch und konnte sich so mehrfach beweisen und stetig verbessern. Der Gründer von ShelterBox, Tom Henderson, war ein Rettungstaucher der britischen Royal Navy, wodurch er die Bedürfnisse der Notleidenden genau kennt und die ShelterBox entsprechend darauf abstimmen und eine Lücke im humanitären Unterstützungssystem schliessen konnte. ShelterBox arbeitet darüber hinaus effizient mit anderen Hilfswerken zusammen, um den Einsatz bei Naturkatastrophen zu optimieren.

Welche Verbindung besteht zum Entrepreneurship-Programm der HSG?
ShelterBox Schweiz ist gerade mal 16 Monate alt! Wir befinden uns also in der Start-up-Phase. Meine Ausbildung zum Entrepreneur an der HSG hilft mir bei der Weiterentwicklung von ShelterBox. Zudem arbeite ich mit zwei Entrepreneurship-Studierenden zusammen, um Handlungsbedarfe zu identifizieren, Lösungen zu erarbeiten und diese zu implementieren.

Warum setzt du dich für ShelterBox ein?
ShelterBox hilft Notleidenden auf der ganzen Welt schnell und effizient. Für mich ist es wichtig, dass ich mich mit der Leitidee und den Werten der Organisation identifizieren kann; dies ist bei ShelterBox der Fall. Der Grossteil der Mitarbeitenden unterstützt die Organisation ehrenamtlich. ShelterBox ist ein Beispiel dafür, dass eine Idee die Realität positiv verändern kann.

Was ist das Ziel von ShelterBox Schweiz?
ShelterBox International hat die Vision, das weltweit führende Hilfswerk für Notunterkünfte in Katastrophensituationen während der ersten sechs Monate zu werden. Dies ist sehr ambitioniert. Wir möchten unseren Beitrag leisten um dieses Ziel zu erreichen. Für uns ist es deshalb wichtig, die Start-up-Phase schnell hinter uns zu bringen und an Grösse und Stabilität zu gewinnen: Wir sind auf einem guten Weg dazu.

Du arbeitest als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HSG. Fehlt dir nicht die Praxisorientierung, die für das Management eines Start-up notwendig ist?
Das mögen Andere abschliessend einschätzen. ShelterBox kann sicherlich von meiner praktischen Erfahrung im Projektmanagement wie auch meiner wissenschaftlichen Ausbildung profitieren. Für mich als Realist gehen Wissenschaft und Praxis Hand in Hand. Denn mit den Worten von Kurt Lewin gesagt, gibt es nichts Praktischeres als eine gute Theorie. Die Zukunft wird zeigen, ob sich dies bewahrheitet. Noch ein Hinweis an dieser Stelle: Von den bald acht Mitarbeitern von ShelterBox Schweiz kommen drei von der HSG.

Was sind deine nächsten Schritte?
ShelterBox strategisch und operativ voranzubringen. Ausserdem werde ich mein Doktorat dieses Jahr abschliessen. Nächste Projekte sind bereits geplant.

Vielen Dank.