Yoga, Ruheraum, Massage – die HSG bietet eine breite Palette von Angeboten zum Energietanken auf dem Campus an. prisma hat sich einen halben Tag Zeit genommen und einen Entspannungs-Marathon hingelegt.

Mein Tag beginnt beim Early Bird Power Yoga. 7.15 Uhr ist ganz schön früh – doch wer an einem Vormittag alle Entspannungsangebote unserer Alma Mater schaffen will, muss eben früh anfangen. Das Yoga-Programm des Unisports beinhaltet mit Power, Hatha und Vinyasa einige Spielarten des beliebten Sports. Besonders wertvoll für Entspannung im Alltag ist die Atemtechnik, die im Yoga vermittelt wird. Diese Technik nennt sich Prânâyâma und ist neben Körperhaltung und Konzentration eine der elementaren Bausteine. Jeder von uns war wohl schon in der Situation, in welcher er sich selbst beruhigen wollte, sei es vor einer wichtigen Prüfung, einem Vorstellungsgespräch oder Date. Hierbei kann die Kontrolle des eigenen Atems wahrlich Wunder wirken, da sie den Puls beruhigt und die Gedanken auf eine ruhige, regelmässige Tätigkeit lenkt. 

Selbstverständlich kann man sich hervorragend über den spirituellen Touch belustigen, doch wer sich auf diesen Sport und die dazugehörige Meditation einlässt, der wird nach der jede Stunde beschliessenden Schlussmeditation die Energie durch seinen Körper strömen spüren. Die verschiedenen Übungsleiter verbreiten je eine gänzlich andere Stimmung und legen andere Fokusse, so ist hier auf jeden Fall für jeden ein Stück Entspannung dabei. Mein persönliches Highlight war eine Yogastunde, in welcher uns die Instruktorin ganz am Ende aufforderte, darüber nachzudenken, wofür wir im Leben dankbar sind. Da traten mitten an einem stressigen HSG-Tag alle Alltagssorgen für einen Moment in den Hintergrund und den Teilnehmern wurde klar, was für unglaubliches Glück uns doch allen zuteilwird. 

Eine andere Sportart, welche auch für die Verbindung von Fitness, Körperhaltung und Entspannung bekannt ist, ist Pilates. Vom Unisport sechsmal die Woche angeboten, fördert Pilates insbesondere die Bauch- und tiefer liegende Beckenbodenmuskulatur und gilt als ganzheitliche Trainingsmethode. Diese Sportart soll Haltung und Beweglichkeit verbessern und lässt sich zusammenfassen als Kombination aus westlicher Gymnastik und fernöstlichen Yoga- und Selbstverteidigungstechniken. 

Trotz all der Atemtechnik und Meditation ist Sport natürlich anstrengend und schweisstreibend, daher geht es nun erstmal unter die Dusche. Wer auch hier nach Entspannung strebt (was ja das Ziel dieses Artikels und grundsätzlich auch mein eigenes ist), geht als Frau auf jeden Fall in die hintere Umkleidekabine. Hier hat die Duschende auch bei Höchstbetrieb im Sportgebäude ihre Ruhe und kann sich gänzlich entspannt der Körperpflege widmen.

Ruhezone deluxe
Frisch geduscht und ein wenig erschöpft von Sport und heissem Wasser geht es anschliessend in den Ruheraum der SHSG. Warum dieser manchmal – ausser natürlich am Ruheraum-Rushhour-Donnerstag – so wenig ausgelastet ist, ist mir als Dauernutzerin gänzlich rätselhaft. Wie das prisma schon vor ein paar Jahren berichtet hatte, entstand die Idee eines Ruheraums im Rahmen der Bachelorarbeit von Petra Brühwiler im Jahr 2011. Sie fand in einer Umfrage heraus, dass die Studenten eine Ruhezone klar befürworten würden. Daraufhin nahm sich auch die SHSG dieses Themas an. Am Anfang stand auch die Idee im Raum, eine Chill-out-Lounge zu entwickeln, doch im Mai 2012 stand das heutige Konzept. Offiziell eröffnet wurde der Ruheraum letztendlich im Herbst 2013 und bietet seither allen an der HSG die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, zu entspannen oder zu schlafen. 

Was kostet der Ruheraum die SHSG heute? In den letzten Jahren wurden jeweils jährlich 18 000 Franken budgetiert für Mitarbeitende und Reparaturen bzw. Investitionen in neue Liegen, Decken, Ear-Plugs etc. Wo wir schon beim Thema Aufsicht sind: Jeder, der sich ein wenig im Ruheraum auskennt, weiss, dass es während bestimmten Zeiten um die Mittagszeit herum eine Aufsicht gibt, die gleichzeitig als Weckdienst fungiert – mehr Luxus ist kaum möglich! Fünf bis sechs Personen sind für diesen Dienst angestellt, wobei die Nachfrage sehr hoch ist und es sogar eine Warteliste gibt. 

Ich persönlich bin auch schon in der 15-minütigen Pause während den Vorlesungen in den Ruheraum gejoggt, nur um mal schnell die Augen schliessen zu können und eine Sekunde durchzuatmen! Während es in einigen Ländern selbstverständlich ist, nach dem Mittagessen eine Pause einzulegen und sich einen Powernap zu gönnen, ist das in unseren Breiten oft noch verpönt. Viele sitzen lieber den ganzen Nachmittag halb schlafend vor ihrem Laptop, statt sich eine halbe Stunde Ruhe zu erlauben, um danach wieder produktiv arbeiten zu können. Nun, die Nutzung liegt bei uns – ich werde sie nach meinem baldigen Abschied von der HSG schmerzlich vermissen.

Einmal durchkneten, bitte!
Obwohl die Leder-Liegen des Ruheraums zu den bequemsten Schlafgelegenheiten überhaupt zählen, kann man sich beim Schlafen durch eine unangenehme Position verspannen. Als nächstes geht es also zur Unisport-Massage. Diese finden eigentlich immer montagabends statt, doch dieses Detail ignorieren wir, da es leider gar nicht in das Konzept dieses Artikels passt. Wer sich für das einstündige Angebot zum Preis von 60 Franken angemeldet hat, findet sich zur vereinbarten Zeit im Sanitätsraum des Unisports ein und trifft dort auf Sabrina. Der kleine Raum ist mit einer Massageliege und dem nötigen Ambiente ausgestattet, um sich einfach mal fallen zu lassen. Sabrina arbeitet seit einem Jahr im Unisport und ist medizinische Praxisassistentin mit Ausbildung zur medizinischen Masseurin mit diversen Weiterbildungen. Allerdings sollten Interessierte ihren Termin nicht zu spät buchen, denn die Nachfrage der Studierenden und Mitarbeitenden der HSG ist erheblich. 

Es werden klassische Massagen und Sportmassagen angeboten, wobei diese verschiedenen Ausprägungen unterschiedliche Ziele verfolgen. Die klassische Massage ist wohl eher die, die wir uns als Entspannungsmöglichkeit wünschen: Die Muskulatur wird gelockert, Verspannungen lösen sich und dem Kunden wird neue Energie und Vitalität verliehen. Wer allerdings wirklich, wirklich schief auf seiner Schlafliege lag oder sich schon beim Yoga am Morgen zu sehr verbogen hat, der wird sich vielleicht für die Sportmassage entscheiden. Hier arbeitet sich Sabrina tiefer durch die Muskulatur, löst Bindegewebsverklebungen und Verhärtungen in der Muskulatur. Dies kann sehr schmerzhaft sein, führt aber dazu, dass die Muskulatur gelöst wird und wieder ihre normale Funktion einnimmt.

Anschliessend wird es höchste Zeit für das Mittagessen. Jetzt wird es schwierig, denn an der komplett vollgestopften HSG ist es wirklich nicht einfach, in entspannter Atmosphäre sein Mittagsmahl zu sich zu nehmen. Wer den Menschenmassen in A- und B-Mensa entgehen möchte, dem ist das Food-Bike im Hauptgebäude zu empfehlen. Zwar ist das Essensangebot beschränkt, doch muss hier weder stundenlang angestanden, noch um einen Platz gekämpft werden.

Nach dem Essen und eventuell einem weiteren nach-dem-Mittagessen-Nap geht es in die zweite Tageshälfte. Am Nachmittag muss auch ich leider mal arbeiten – aber nach all der Entspannung geht das fast wie von selbst!