Ob virtuelle Welten oder Eye-Tracking: Das Behavioral Lab der HSG ist eine Plattform für Forschung, welche weit über traditionelle Online-Umfragen und Experteninterviews hinausgeht.

Wir kennen es aus Kinofilmen und TV-Serien: Ein Verdächtigter wird in einem Raum befragt, von aussen schauen Polizisten zu, doch das sieht der potenzielle Täter nicht – die Spiegelscheibe lässt nur Blicke von aussen nach innen zu. Auch die HSG hat eine solche Scheibe. Allerdings wird sie am Behavioral Lab an der Tellstrasse dafür benutzt, um herauszufinden, wie sich eine Testperson unter Beobachtung verhält. Denn experimentelle Forschung wird auch für Marketing, Spieltheorie und Tourismusforschung immer wichtiger.

Kontrollierte Umgebung

In den Naturwissenschaften sind Experimente schon lange ein wichtiges Forschungsinstrument. In den Sozialwissenschaften hingegen, wo es Forscher mit Menschen und deren Verhalten zu tun haben, war es lange schwierig, ein Umfeld zu schaffen, welches äussere Einflüsse kontrolliert. «Im Vergleich zu Umfragen, an welchen die Leute zuhause teilnehmen und nebenbei noch einen Kaffee trinken oder fernsehen, erlauben Experimente im Labor, einen spezifischen Zusammenhang isoliert und kontrolliert zu untersuchen», sagt Labinot Demaj, welcher das Behavioral Lab zusammen mit Tobias Schlager führt.

Das Lab ist seit dem Frühlingssemester 2016 in Betrieb und stellt für Forscher der HSG eine Infrastruktur für experimentelle Forschung zur Verfügung. Neben dem Spiegelraum gibt es einen Computerraum, in dem man Testpersonen simultan oder abhängig von ihrem Verhalten etwas präsentieren kann. Wer hingegen herausfinden möchte, wie er seine Webseite anordnen muss, um ein bestimmtes Produkt zu positionieren, der kann in einer Eye-Tracker-Studie herausfinden, wie sich Besucher auf der Website verhalten. Dabei wird verfolgt, wie sich die Augen über den Bildschirm bewegen oder wie gross die Pupillen sind. Auch Räume für Fokusgruppeninterviews – ausgestattet mit Kameras – bietet das Lab.

Das Lab ist eine Infrastruktur der Universität und nicht an ein einzelnes Institut gebunden. «Es steht allen Forschern der HSG zur Verfügung und wir begleiten Experimente von Anfang bis zum Schluss», sagt Demaj. Auch Bachelor- und Masterstudenten können das Lab benutzen, müssen sich aber an einen «Principal Investigator», einen Professor, anhängen. Gleiches gilt für Studien mit Partnern aus der Privatwirtschaft. Finanziert wird es momentan durch die Uni. «Es ist eigentlich Standard, dass eine Universität eine solche Infrastruktur hat, und die HSG ist hier eher ein Nachzügler. Das bedeutet aber nicht, dass wir schlechter sind, wir können stattdessen viel lernen, wie es andere gemacht haben und versuchen, es besser zu machen», sagt Demaj.

Ein solche Innovation ist das Forschen mit Virtual Reality. Im Behavioral Lab können Forscher ihre Testpersonen so in fremde Welten versetzen – auf den Mond oder in eine Ikea-Küche. «Dieses Gebiet ist noch ganz neu, hat aber sehr viel Potenzial, das wir ausnutzen möchten», sagt Demaj. Virtual Reality erlaubt es dem Forscher, eine Situation zu kreieren, die es gar nicht gibt oder die real nur schwer zu erreichen wäre. «Im Tourismusbereich ist das eine gute Möglichkeit um zu erforschen, wie sich Menschen an verschiedenen Orten bewegen.»

Verwende diesen QR-Code,um als Participant an einem Experiment teilnehmen oder im Lab zu forschen.