Man munkelt in den dunklen Gängen, tief unter der HSG, dass sich so einiges im Umbruch befände. Von neuen Legitimationskarten und Zulassungskriterien machten Schauermärchen die Runde. Doch letztlich drangen Neuigkeiten von bis anhin unbekannter Brisanz zur prisma-Redaktion durch. Am Tresen der Spelunke, in der sich die künftige Elite des Kapitalismus gerne trifft (auch als adhoc bekannt), schnappte ein Redaktor des prisma auf, wie zwei zwielichtige Gestalten von der wohl grössten Neuerung an der Universität seit der Erfindung des St.Galler Management-Modells sprachen. Im MeetingPoint soll man künftig gratis konsumieren dürfen – sofern man einen «Match» auf der Dating-App «Tinder» vorweisen kann und mit der Person zusammen an der Bar erscheint.

Man stelle sich die Verhältnisse vor, zu denen diese neue Idee führen könnte! Jeden Abend fänden sich neue «Matches». Der Weg zum Tresen des MeetingPoints wäre gepflastert mit bier- und pheromontrunkenen (Un-)Bekannten, die ab dem zehnten Gratis-Getränk aneinander klebten wie Saugnäpfe. Aufgrund der neuen feucht-fröhlichen Bekanntschaften stiege die Geburtenrate unter den Studentinnen der HSG sprunghaft an und die Fonds der Studentenschaft würden von Anfragen zur Förderung von Krippenplätzen überrollt. Die Universität wäre gezwungen, eine Reihe weiterer Kinderkrippen zu eröffnen, und die Kinder würden den gesamten Campus mit Strassenkreide verschönern. Schon nach kurzer Zeit wäre die HSG bunt bemalt und der Kinderspielplatz auf der Dachterrasse das nächste grosse Projekt des neuen SHSG-Vorstandes. Vielleicht würde sich ja auch der eine oder andere der künftigen Wirtschaftselite mal auf die Schaukel wagen oder die Rutschbahn vom Dach hinunter zum Haupteingang wählen, währenddem er auf dem Weg zu seinem Porsche ist, und sich so selbst an seine Kindheit erinnert fühlen, als er noch frei war. Frei und zufrieden mit seinem Schnuller und dem Teddy …