Um nicht ausschliesslich auf das äusserst zyklische Bildungsgeschäft angewiesen zu sein, nimmt die HSG starke Diversifikationen vor. Die Expansion ins Ausland ist dabei unabdingbar.

Üblicherweise wird HSGlern eine gewisse Realitätsferne und Abgehobenheit vorgeworfen, die sich durch die relativ theorielastige Ausbildung und die penetrante Indoktrination des Uni-Marketing entwickelt. Doch ist die HSG auch dafür bekannt, sich solcher Kritik konstruktiv zu stellen, wie man zum Beispiel am Umgang mit der HSG-kritischen Theaterproduktion «Die Kontrakte des Kaufmanns» eindrücklich sehen konnte. Und so hat sich scheinbar die Universität, damals noch unter der Führung von Rektor Prof. Ernst Mohr, dazu entschlossen, diesen Vorwürfen glaubwürdig entgegenzutreten, indem sie ein streng geheimes Praxisprojekt startete: HSG goes Automotive… In diesem Fall speziell «Autolackierung».

Dafür wurde der Campus in den grossen Nordkanton erweitert und ein schmuckes Ausbildungsgebäude in Rastatt, Baden-Württemberg, errichtet. prisma hat diesen bisher unbekannten Campus ausfindig gemacht und das Gespräch gesucht: 2003, nach 10 Jahren Pacht, wurde dort nämlich das Unternehmen «Derler Autolackierung GmbH» wieder vom Eigentümer übernommen und mit einem altbekannten Logo neueröffnet. Die Autolackiererei verwendet das 2001 entwickelte Logo der Universität, nur in blau und mit einigen minimalen Abweichungen (siehe Grafik). Dies kann und muss klar als Indiz für die oben erläuterte Theorie interpretiert werden. Herr Derler versuchte zwar die investigativen Nachfragen des prisma mit der Erläuterung, er hätte das Logo selbst entwickelt und es zeige einen Menschen mit Lackierpistole, zu beschwichtigen. Aber wir durchschauten das Täuschungsmanöver und liessen uns nicht blenden: Ab HS 2011 werden wohl die Pflichtkurse «Autolackieren I und II» eingeführt. Ein aus unserer Sicht dringend nötiger und richtiger Schritt hin zu einer verstärkten Verbindung von Theorie und Praxis an der HSG.

Wem diese Erklärung für die offensichtliche Ähnlichkeit in Form und Proportion der beiden Logos zu weit hergeholt und zu fiktiv erscheint, kann natürlich auch davon ausgehen, dass die Autolackiererei Derler tatsächlich «nur» Autos lackiert, und dem sympathischen Herrn Derler demnächst mühsame Post der pikierten Rechtsabteilung der Universität ins Haus flattert. Eine aus Sicht der Autoren absurde Vorstellung, die dieser allzu amüsanten Entdeckung einen zu ernsten Beigeschmack verleihen würde.