Christoph Blocher gibt künftigen Führungskräften nützliche Tipps

Am 17. September fand zum ersten Mal ein gesamtschweizerisches Treffen der studentischen Offiziersvereine statt. Dem Vorstand von Of@CampusZH ist es gelungen, Ex-Bundesrat und Unternehmer Christoph Blocher für diesen Anlass zu gewinnen und dementsprechend waren Interesse und Andrang gross. Allerdings war Blocher nicht dort, um über seine berüchtigten politischen Ansichten zu sprechen. Diesmal würde er sein Redetalent einsetzen, um einen Vortrag zum Thema «Führungsparallelen in Wirtschaft, Militär und Politik» zu halten.

Von Anfang an wurde deutlich, dass ein Redner mit Talent auch ohne Powerpoint oder ähnliche Hilfsmittel – also in HSG-konträrer Manier – ein Publikum zu fesseln vermag. Mit dem Rednerpult als Fixpunkt nutzte er die gesamte Breite des Vorlesungssaals und passte Lauftempo und Gestik dem jeweiligen Inhalt an. Die erste Behauptung von Christoph Blocher war zwar didaktisch geschickt, jedoch nicht sehr überzeugend. Er behauptete, gar nicht zu wissen, wie man führe. Selbstverständlich wollte er damit vor allem deutlich machen, dass Führung eine intuitive Angelegenheit ist und nicht unbedingt einer Theorie folgen muss. Gleichzeitig gab die Behauptung aber auch noch die Gelegenheit, auf das Buch hinzuweisen, worin zwei Journalisten den (intuitiven) Führungsstil von Christoph Blocher analysiert und unter dem Titel «Das Blocher Prinzip» in Buchform für die Ewigkeit festgehalten haben. Ob Blocher den Inhalt des Vortrages nun aus dem Buch oder aus einer eigenen vertieften Analyse seines Verhaltens gewonnen hat, lässt sich letztlich nicht herausfinden. Es lohnt sich aber, über die zentralen Punkte nachzudenken.

Der Auftrag als zentrales Element des Führens

Überall – ob in einer Armee, einer Firma, der Politik oder auch im privaten Kreis der Familie – wird geführt. Blocher, der selber zehn Geschwister hat und Vater von vier Kindern ist, legte dar, dass auch in dieser kleinsten Einheit der Gesellschaft ohne Organisation und Führungsperson «nichts geht». Nicht überraschend ist, dass es in der Familie Blocher – wie noch in vielen klassischen Familien – die Mutter ist, die den Haushalt und die Kinder unter Kontrolle hat. Ebenso wie überall geführt wird, gelten auch überall die gleichen Grundsätze. Nicht der Mensch, sondern der Auftrag steht im Mittelpunkt. So unmenschlich dies für die Verfechter des ethischen Managements auch klingen mag, so ist es doch die einzige Möglichkeit, persönliche Eitelkeiten aus dem Weg zu schaffen und sich ganz auf das gemeinsame Ziel zu konzentrieren. Zudem gibt es, laut Blocher, keine grössere Motivation für den Untergebenen, als zu erkennen, dass auch der Vorgesetzte einen Auftrag zu erfüllen hat. Der Auftrag des Vorgesetzten ist allerdings grösser, schwieriger und mit mehr Verantwortung belastet. Einen weiteren Motivationsschub bekommt der Mitarbeiter, wenn er merkt, dass er gebraucht wird und mit seinem Auftrag einen Teil der Verantwortung mitträgt.

Keine Zeit, Fragen zu beantworten

Neben den personellen und finanziellen Ressourcen hat eine Führungskraft vor allem eines zur Verfügung, nämlich Zeit. Aber alle diese Ressourcen sind begrenzt. Folglich gibt es kein schlimmeres Vergehen, als jemandem seine Zeit zu stehlen. Wie Blocher verdeutlichte, werden Angestellte, die sich aus der Firmenkasse bedienen, sofort entlassen. Stiehlt jemand hingegen dem Chef zehn Minuten seines Tages, so trägt er keinerlei Konsequenzen, selbst wenn der finanzielle Verlust höher ist. Da die Zeit das absolut Wertvollste ist, worüber man verfügen kann, sollte man dies «selber in die Hand nehmen». Am meisten Zeit lässt sich «sparen», indem man das Nachdenken und Ausarbeiten von Möglichkeiten auslagert und sich in der Folge auf das Fällen von Entscheidungen beschränkt. Untergebene sollten also niemals fragen, was sie denn machen sollen, sondern vielmehr schon eine Analyse des Problems und verschiedene Lösungsvarianten präsentieren. Auf diese Weise bleibt der Führungskraft die nötige Zeit, die beste Möglichkeit auszusuchen und die Ausführung zu kontrollieren.

«En furchtbare Siech!»

Nachdem etabliert war, dass der Redner etwas von der Sache versteht, kam dann doch noch die Zeit für ein bisschen Polemik. Den Zuhörern wurde ans Herz gelegt, Biografien zu lesen, um sich für das eigene Leben inspirieren zu lassen. Eine sehr interessante Biografie sei diejenige von Winston Churchill, einem «furchtbaren Menschen», der – wie auch sein anscheinend grösster Schweizer Fan – angeblich kein Blatt vor den Mund nahm. So hätte Churchill einmal auf den Vorwurf seitens einer Parlamentarierin, er sei betrunken, geantwortet: «Morgen bin ich wieder nüchtern, sie hingegen sind immer noch hässlich». Wie auch Blocher selbst, habe sich Churchill eben völlig seiner Aufgabe verschrieben und sich dadurch nicht nur Freunde gemacht. Wie auch Blocher selbst, sei dieser ebenfalls abgewählt worden, nachdem er seine Versprechungen wahr gemacht und seine politischen Ziele erreicht hatte.

Es sei dahingestellt, ob die darauf folgenden Anekdoten zu Blochers Zeit im Bundesrat und zur angeblichen Inkompetenz der dortigen Kollegen von allen Beteiligten so dargestellt würden. Festzuhalten bleibt aber, dass die Zuhörerschaft vom fesselnden Vortrag und Blochers praktischen Beispielen tief beeindruckt war. Sowohl in didaktischer als auch in inhaltlicher Hinsicht sollten sich da so manche Professoren einmal von Christoph Blochers leidenschaftlichem und praxisnahem Vortragsstil inspirieren lassen, bevor sie den Studenten die Theorie des Führens beizubringen versuchen.