Bereits in der letzten Ausgabe berichtete prisma über drei neue Kunstwerke im Hauptgebäude und der Turnhalle. Doch das sind nicht die einzigen Neuerungen: Auch im Weiterbildungszentrum gibt es für Besucher etwas zu sehen, wenigstens für die Aufmerksamen unter ihnen.

Etwas abgelegen ist zumindest eines der beiden Werke, Félix de la Conchas «Panorama», das sich an der unteren Front des Hans-Ullrich-Saals befindet: Während man architekturbedingt beim Betreten des Gebäudes geradeaus zu den Eingangstüren des eigentlichen Saals geführt wird, muss man sich zur Begutachtung dieses Bildes scharf nach links wenden. Das ist schade, doch für die Sinnentfaltung des Bildes unabdingbar.

Eine Darstellung der eigenen Umgebung

Denn das Gemälde, das wie der Name schon sagt eine Rundumsicht darstellt, zeigt nicht irgendein Panorama: Sich in die lange Tradition der mit ihrer Umgebung interagierenden Kunstwerke der HSG einreihend ist auf ihm genau seine eigene Umwelt dargestellt, sodass man beim Blick auf das Bild das Tal nach Engelburg, das Hauptgebäude des Weiterbildungszentrums und auch ein anderes Kunstwerk zur Betrachtung vorgelegt bekommt – und sich umdreht, wo man genau dasselbe noch einmal sieht.

Kein gewöhnliches Panorama

Dem gewieften Leser mag sich an dieser Stelle indes eine Frage auftun: Wenn das Gemälde an einer Wand hängt, wie kann es dann eine 360°-Sicht um sich selbst darstellen? Hier liegt der eigentliche Clou des auch schon allein von der Maltechnik her sehr schön anzusehenden Werkes: Während der Erstellung blieb Künstler de la Concha nicht an einem Ort, sondern bewegte sich in einer nach innen laufenden Spirale, sodass auch «Panorama» keine Kreis-, sondern eine Spiralansicht ist – und im letzten Bild sich selbst zeigt.

Gewaltige Projektionen von Tieren

Bei der zweiten Neuheit, dem von der St. Galler Künstlerin Elisabeth Nemrini geschaffenen «Milky Way», handelt es sich indes um eine vergleichsweise innovative Darstellungsform: Das aus gekratzten Glasplatten vor einem Hellraumprojektor bestehende Werk zeigt Projektionen von Tieren, wobei die Motive (ein Wellensittich, ein Hund und ein Fuchs) in regelmässigen Abständen gegeneinander ausgetauscht werden. Dieses ebenfalls im Hans-Ullrich-Saal ausgestellte Kunstwerk ist indes prominenter platziert: Am Abgang zu den Toiletten dürfte etwa der gewaltige Spatz durchaus den ein oder anderen Besucher mit menschlichem Bedürfnis erschrecken. Denn vor allem aufgrund seiner Grösse erzeugt das Kunstwerk zumindest bei der ersten Betrachtung eine sehr erschlagende Wirkung. Erst mit der Zeit werden die Feinheiten des Bildes, etwa das an der Decke angebrachte Gitter, das wie ein Käfig für den Vogel erscheint, ersichtlich.

Grosses Interesse der Studierenden am Video

Im Gespräch mit Yvette Sánchez, welches die Betrachtung der Kunstwerke vorbereitete, ergaben sich indes auch noch weitere Aspekte: So stelle sie entgegen der vorherigen Einschätzung des Autors bei jedem Vorübergehen an Roman Signers Video-Kunstwerken (vgl. letzte Ausgabe von prisma) ein enormes Interesse der Studierenden fest, viel stärker als etwa beim imposanteren Gemälde von Gerhard Richter. «Ich mache das an der Affinität insbesondere junger Leute für bewegte Bilder fest. Und klar: Wenn ich in meinem Augenwinkel eine Bewegung wahrnehme, dann sehe ich schon mal eher hin. Und wenn ich dann nicht auf den ersten Blick feststellen kann, worum es geht, ist meine Neugier geweckt und ich bleibe stehen.»

Zusammen mit den anderen Mitgliedern der Kunstkommission setzt sich Sánchez daher auch weiter dafür ein, gerade auch die Werke junger Künstler mit anderen Herangehensweisen, etwa wie bei Milky Way, für die HSG zu gewinnen.