Wie kommt man an die Spitze einer der grössten Unternehmungen der Schweiz? Ein Erfahrungsbericht von jemandem, der es geschafft hat: Daniel Vasella.

Die zahlreichen Veranstaltungen unserer vielen Vereine an der HSG ziehen immer wieder namhafte Wirtschafts- und Politikprominenz an. Daniel Vasella gehörte zu den grossen Namen unter den Gästen der diesjährigen Consulting-Days. prisma nutzte die Gunst der Stunde für ein kurzes Gespräch über den «Weg an die Spitze» des ehemaligen CEOs der Novartis.

Vasella neu mit Bart

Unter regelmässigen Wirtschafts-Zeitungslesern ist Daniel Vasella kein unbekanntes Gesicht. Da kann sein neuer Bart in bester Hipster-Manier in den ersten Momenten schon ein wenig irritierend sein. «In den Ferien habe ich angefangen, einen Bart zu tragen», meint Vasella und das ging dann bei seiner Rückkehr gross durch die Presse. «Seither kann ich machen, was ich will», fügt er lachend hinzu. Auf der Strasse werde Vasella von Jahr zu Jahr weniger erkannt, seit er nicht mehr regelmässig in der medialen Öffentlichkeit zugegen ist. «Die Halbwertszeit der öffentlichen Bekanntheit ist heute sehr kurz», fasst der ehemalige Spitzenmann der Novartis zusammen. Seine Abwesenheit von den Medien bewahre ihn auch vor negativen Energien: «Ich bin nicht mehr interessant oder kritikwürdig.»

«Man braucht einfach Glück»

Seinen erfolgreichen Weg an die Spitze führt Vasella einerseits auf persönliche Faktoren wie Fleiss und die eigene Freude am Aufbauen, aber ganz explizit auch auf die passenden Umstände zurück: «Man braucht einfach auch Glück.» So war sein Übertritt in die Forschung und Entwicklung keinesfalls geplant oder von ihm aktiv herbeigeführt: «Ich lehnte die Position erst ab, da ich im unternehmerischen Bereich bleiben wollte, aber habe dann doch noch eingelenkt. Zum Glück. Es war eine meiner spannendsten Aufgaben.» Sein ganzes Handeln bereits im Studium auf einen Karriereweg auszulegen, hält Vasella für unsinnig. Es habe ihm sehr geholfen, hier und dort eine Abzweigung in einen neuen Bereich mit neuen Herausforderungen zu nehmen.

Gegen- oder miteinander?

Im Kampf um die nächsthöhere Position in einer Unternehmung kommt Vasella zu einem unerwarteten Schluss: Seine Erfolgstaktik ist, sich nicht auf einen internen Konkurrenzkampf einzulassen: «Es ist paradox, ich weiss», führt er weiter aus. Die ganze Energie, die ein solcher Wettstreit beanspruche, sei besser im kreativen Handeln in der aktuellen Position investiert: «Je bekümmerter man hingegen um den nächsten Schritt ist, je unwahrscheinlicher wird dieser.» Von Karrieristen und Opportunisten hält Vasella wenig: «Die Leute merken, wenn jemand politisch oder opportunistisch ist. Man darf nicht gefallen wollen.» Im Wettbewerb mit einem unternehmerischen Konkurrenten sieht die Sache hingegen ganz anders aus: «Man muss den Wettbewerb mit der Konkurrenz lieben, denn das führt zu besseren Resultaten.» Dies habe er auch immer klar in seinen Teams und Abteilungen kommuniziert und gehört für ihn unabdingbar zum erfolgreichen unternehmerischen Handeln. Nur so führe man eine Unternehmung als Ganzes an die Spitze.

Bild: zvg