Seit rund acht Monaten erzählt die Wahlzürcherin Yonni Meyer auf ihrem Facebook-Blog «Pony M.» Anekdoten aus dem Pendlerleben, philosophiert über die Angst vor dem Morgen und trifft damit mitten in die Herzen ihrer Leser.

Soll ich dich eigentlich Pony oder Yonni nennen?

Yonni. Pony ist mehr Zufall als Kalkül.

Du scheinst ja recht busy zu sein im Moment?

Ja, extrem. Einerseits ist es weniger reines Eightto-six, aber es ist sehr viel intensiver, diverser und mega lässig. Aber auch anstrengend.

Fühlst du dich manchmal gestresst wegen der ganzen Kommentare von Menschen, die deine Beiträge lesen?

Das ist ein Bestandteil meiner Arbeit, aber ich sehe das eher als eine Belohnung. Ich habe aber angefangen, mich mit meinen eigenen Kommentaren zurückzunehmen. Ich schaue so alle zehn bis fünfzehn Minuten nach, ob es Beiträge hat, die unter der Gürtellinie sind. Wenn aber jemand etwas Emotionales erzählt, will ich darauf reagieren.

Was hebt dich eigentlich von all den Menschen ab, die auf ihrer Pinnwand über das Leben philosophieren? Worin siehst du den Grund für deinen Erfolg?

Schwierige Frage – denn ich habe nur die interne und nicht die externe Perspektive. Dass es funktioniert, zeigt sich; wie es funktioniert, ist mir teilweise ein Rätsel. Mein Blog bewegt etwas in den Menschen. Sie nehmen sich Zeit, längere Texte zu lesen. Das ist ja auf Facebook sonst weniger der Fall. Es schmeichelt mir natürlich, wenn 600 Leute meinen Text liken, denn das heisst, sie haben sich die Zeit genommen, sich hinzusetzen und zu lesen.

Wie gehst du mit anstössigen Kommentaren um?

Auf Messages, die einfach doof sind, reagiere ich gar nicht mehr. Ich finde es aber wichtig, dass jeder seinen Kommentar abgeben kann. Wenn jemand vermehrt negativ auffällt, finde ich «tues doch eifach unlike». Das konstant Negative stört mich, solche Leute sperre ich dann auch schon mal.

Was denkst du über HSGler?

Auf meinem Blog spiele ich natürlich gerne mit Stereotypen. Jene der HSGler haben sich bis jetzt aber in der Realität nie bestätigt. Ich hatte während meiner Tätigkeit in der Personalbranche ab und zu mit Studenten der HSG zu tun und die Leute wissen, was sie wollen. Es ist, glaube ich, schon so, dass man ein bisschen mehr «Speutz» braucht, um da durchzukommen.

Widmest du dich nur noch dem Schreiben?

Ja. Einige Monate nach dem Start meines Blogs hatte ich bereits einige spannende Jobangebote, ohne mich beworben zu haben. Dann wusste ich, dass es kein Himmelfahrtskommando wäre, mich voll und ganz aufs Schreiben zu konzentrieren. Es ist eine ganz andere Lebensqualität. Das tönt so super-esoterisch, aber es ist wirklich eine Selbstfindungsgeschichte und extrem bereichernd.

Was war bis jetzt dein Höhepunkt als Schreiberling?

Mich selber auf dem Migros-Magazin-Cover zu sehen war ober-surreal. Ich war im Zug, vis-à-vis sassen Leute mit einer Zeitung auf der meine Visage abgebildet war. Als ich auf die Interviewanfrage zugesagt hatte, dachte ich, das sei was ganz Kleines. Erst beim Fototermin meinte der Fotograf, er würde jetzt noch den Covershot machen. Darauf habe ich erst mal leer geschluckt.

Hast du mit dem Schreiben deine Bestimmung gefunden?

Eigentlich habe ich von der Bloggerszene keine Ahnung. Es war nie absehbar, dass meine Texte so einschlagen würden. Ich treffe wahrscheinlich einfach den Nerv der Zeit – das mache ich nicht mal extra. Ich erzähle einfach das, was ich selber spannend oder lustig finde. Vielleicht bin ich einfach Mainstream und alle finden dasselbe lustig. Ich tue das, was ich am liebsten tue und am  besten kann und die Leute mögen es auch noch – also ja, ich denke, da kann man ohne Übertreibung vom Finden einer Berufung sprechen.