Die EuroTour führte in das Herz Russlands, in eine Stadt, die auf seltsame Weise nur schwer zu begreifen ist. Ein Bericht aus einem fremden Land.

Moskau ist eine Stadt der tiefen Gegensätze. Sie ist Weltstadt und Moloch, sie ist sexy und dreckig, sie ist unfreundlich und gesellig, sie ist bettelarm und unfassbar reich. Für eine Woche fuhren 20 Studierende der HSG in das Herz Russlands, um die Extreme der grössten Stadt Europas einzufangen.

Zuvor hatten im ersten Teil des EuroTour-Austausches 20 Studierende der Lomonossov-Universität für sieben Tage die Schweiz besucht. Auf einer Tour durch das ganze Land – ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung u. a. von M&M Militzer und Münch – machten sich die Russen ihr ganz eigenes Bild von der «so ruhigen und süssen» Schweiz. In der Tat zeigt sich das Leben in Moskau von seiner hektischeren und vielfältigeren Art.

Zwischen glorreicher Historie und tristem Alltag

Das Bild der Moskauer Innenstadt ist geprägt durch das Spiel zwischen geschichtsträchtigen Bauten und sowjetgrauen Betonklötzen. Im Kreml glänzen eindrucksvoll die goldenen Kuppeln der Paläste und Kirchen, seine riesigen Mauern aus rotem Backstein verleihen dem Zentrum einen seltenen Klecks baulicher Farbe und historischer Aura. Direkt daneben stehen staubig graue Häuserblöcke in unzählbar beginnenden Reihen. Je weiter man von hier aus die Stadtmitte verlässt, desto zahlreicher und baufälliger werden die Gebäude – bis sie irgendwann in endlose Plattenbauten münden. Wenn Russland ein Problem mit Alkoholismus hat, spätestens hier findet man eine erste Erklärung dafür.

Die Kälte und die Schönheit

Die Stadt scheint manchmal durch den Smog und den Staub wie in einen braun-grauen Schleier gehüllt. Da helfen auch die unzähligen Strassenarbeiter nur wenig, die vom Bordstein bis zum Zaun jedes öffentliche Objekt zu bemalen scheinen. Und so wirkt die Stadt tagsüber bedrückt, fast schwermütig. Trotz der Massen an Menschen, die in Moskau unterwegs sind, sieht man kaum ein lachendes Gesicht oder einen freudigen Ausdruck. Diese emotionale Kälte ist wohl mit ein charakteristischer Grund für die zahlreichen Schönheiten unter den russischen Frauen. Bei den russischen Männern scheint dies jedoch nicht in gleicher Weise zu funktionieren.

Die Eigenheiten der Nacht

Erst in der Nacht erwacht Moskau und seine junge Generation sammelt sich in Clubs und Bars. Jetzt beginnt der Puls der Stadt lebhafter zu schlagen und ihre Extreme und Eigenheiten werden noch offensichtlicher: Während in Sichtweite die Penner auf Alkoholreste warten, steht vor dem Club der Maybach. Ob und wer eingelassen wird, liegt in der frei ausgeübten Willkür der Türsteher oder an der eigenen Zahlungsbereitschaft. Im Club beträgt die typische Moskauer Geschlechterquote dann aber das genaue Gegenteil der St. Galler Quote: 70:30 für die Frauen. Gefeiert wird in Moskau hingegen nicht anders als in St. Gallen, ausser dass man im Moskauer Club auch schon mal das eigene Bordell mit dabei hat. Nur beim Wodka – und das war wohl die grösste Überraschung – waren die Gäste trinkfester und -freudiger als die Gastgeber.

In eindrücklicher Erinnerung bleibt die Nacht auf einem privaten Saunaboot, auf welchem die «Umkleiden» aus Zimmern mit Doppelbetten bestanden. Hier konnte man förmlich noch die reichen russischen Geschäftsmänner mit den Prostituierten auf den Polstern riechen. Abwechselnd wurden Bier und Vodka erst getrunken und dann in der Banja als Aufguss benutzt. Und auf diese Weise ergaben sich heitere Abende, durchtrunkene Nächte und einige Freundschaften.

Am Ende einer Woche Moskau bleiben lustige und bestürzende Eindrücke; die Erinnerungen an gute russische Freunde, einiges Erstaunen und eine tolle Zeit – ein kurzer Einblick in eine seltsam fremde Stadt.