Klatschen? Nur, wenn du der Schleimer in der ersten Reihe bist

Wieso klatscht der Student nach dem Ende der Vorlesung? Gibt es irgendeinen Grund einem Professor zu applaudieren, der streng genommen nur seinen Job macht und noch dazu mit Steuergeldern dafür bezahlt wird? Die Antwort ist simpel: Nein, es gibt keinen Anlass die Hände in gespielter Begeisterung zusammenzuschlagen. Dennoch gibt es Ausnahmen, die solche überschwängliche Reaktionen rechtfertigen können. Man unterscheidet zwischen drei Fällen.
Erstens, wenn ein heiliges Band von unabwendbarer Schicksalsverbundenheit (Beamer fängt Feuer, Diabetiker in der zweiten Reihe bekommt einen Anfall, jegliche Technik fällt aus, etc.) die durch «Bidding» oder Lehrpflicht zusammengefundene Menschengruppe aus Studenten und Professor auf ewig gegen jegliche Banalität immunisiert haben sollte. Voraussetzung für den nach dem Vorfall einsetzenden Applaus ist eine auf irgendeine Weise heroisch erscheinende Aktion des Professors, mit welcher er den ganzen Saal aus einer verzwickten Situation rettet.
Zweitens, wenn der Professor mit beeindruckenden, qualitativ und didaktisch hochwertigen Lehr- oder Präsentationstechniken die Studenten völlig in seinen Bann ziehen konnte, sodass sie selbst vier Stunden hätten überstehen können. Sollte der Professor gleichzeitig noch humorvoll die entsprechenden Lehrinhalte vermitteln können, wäre aufgrund der Seltenheit des entsprechenden Vorfalls sogar eine «Standing Ovation» angebracht.
Drittens, wenn der Professor an seiner Lehrtätigkeit Spass haben sollte. Das scheint eine ganz banale Voraussetzung zu sein, hängt aber stark mit den beiden vorherigen Fällen zusammen. Fehlt dem Professor der Spass verbunden mit einer gewissen Ernsthaftigkeit, ist er der Erste, der bei einem Feuer aus dem Zimmer stürmt und wird auch keineswegs didaktisch hervorstechen können.
Da habt ihr es;  wobei ein inoffizieller Fall übrigbleibt. Klatschen darfst du bei Fehlen der oben erwähnten Voraussetzungen wirklich nur dann, wenn du in der ersten Reihe hockst und ein unverbesserlicher Schleimer bist.