Grosser Besuch in der Aula der HSG: Am 21. November erzählte UBS-Chef Sergio Ermotti auf Einladung des Tessinervereins SGOC über sein Leben als CEO der grössten Schweizer Bank und wie es dazu gekommen ist.

Nachdem alle die Eingangskontrolle durchlaufen haben, warten 270 Studierende gespannt, bis Sergio Ermotti durch einen Hintereingang in der Aula auftaucht. «Wir sind stolz, dass wir einen so hochkarätigen Tessiner zu uns holen konnten», erklärt Stefano Robbiani vom Vorstand des SGOC. «Immerhin ist es das erste Mal, dass sich Sergio Ermotti als CEO in einem solchen Rahmen mit Studierenden trifft».

In seiner Rede spricht Sergio Ermotti über die Herausforderungen, die das regulatorische und makroökonomische Umfeld zur Zeit an die Finanzindustrie stellt. Gleichzeitig betont er im Hinblick auf die 150-jährige Geschichte seiner Bank, dass es Krisen in der Vergangenheit immer gegeben hat, und dass es der UBS stets gelungen ist, diese zu meistern.

In der anschliessenden Gesprächsrunde erfährt das Publikum, dass Ermotti als 16-jähriger Banklehrling dachte, er würde einfach seine drei Jahre absitzen und danach etwas Spannenderes tun. Dann aber habe das Banking ihn gepackt. «Wissen Sie, alles was auf der Welt geschieht, hat einen Einfluss auf unser Geschäft. Darum gefällt mir meine Arbeit so sehr». Und er hängt gleich noch einen guten Rat an: «Versuchen Sie, immer das zu tun, was sie lieben. Leidenschaft bringt Sie als Person weiter und macht Sie für Arbeitgeber attraktiv.» In der Vergangenheit seien in der Finanzindustrie viele Leute angestellt worden, die hauptsächlich auf das schnelle Geld und Prestige aus waren. «Wir haben ja gesehen, wohin uns das geführt hat.»

Auf eine Frage aus dem Publikum erklärt er, die Zukunft werde eine Rückkehr zu klassischeren Geschäftsmodellen bringen. «Das Investment Banking ist nicht tot, es bleibt eine wichtige Komponente unseres Geschäfts. Aber um erfolgreich zu bleiben, muss die Komplexität reduziert werden, was – wie Sie sicher gehört haben – leider auch Entlassungen beinhaltet. Doch unsere Strategie macht uns bereit für die Zukunft. Dazu gehört auch der Nachwuchs. Wir werden also nicht aufhören, in junge Talente zu investieren.» Puh, da haben wir ja nochmals Glück gehabt …

Drei Fragen an Sergio Ermotti

Nach dem Event hatte prisma die Gelegenheit, direkt mit Sergio Ermotti zu sprechen. Herr Ermotti, die HSG-Studierenden haben gerade vieles über UBS erfahren. Was wissen Sie über unsere Uni?

Es ist sicher eine sehr gute Universität, die viele Topleute hervorbringt. Ich kenne die Statistiken nicht, aber man begegnet häufig Alumni der HSG in wichtigen Positionen. Ausserdem finde ich es bemerkenswert, dass eine so angesehene Universität in einer kleinen Stadt wie St. Gallen angesiedelt ist.

Eine Frage, die sicher viele HSGler interessiert: Wie wird man CEO einer Grossbank?

Ich muss dazu sagen, dass ich nicht mit dem Gedanken in meine Karriere gestartet bin, eines Tages CEO zu werden. Das ist wichtig. Man darf sich selbst nicht zu ernst nehmen, sonst versteift man sich – und wenn man scheitert, ist die Frustration umso grösser. Achten Sie darauf, dass auch Spass und Erholung ihren Platz haben. Und seien Sie mit Leidenschaft bei der Sache. Das garantiert zwar den Erfolg noch nicht, ist aber eine wichtige Voraussetzung.

Was hat UBS jungen Absolventen zu bieten, die ins Berufsleben starten?

Wir können Berufseinsteigern vieles bieten, zählen aber auch auf den persönlichen Einsatz jedes Einzelnen. UBS schafft ein Umfeld, in dem Absolventen gute Leistungen erbringen, ihre Fähigkeiten einsetzen, diese erweitern und schliesslich aufsteigen können. Übrigens trifft man in der Schweiz immer wieder Kaderleute verschiedenster Branchen, die irgendwann mal bei der UBS gearbeitet haben. Sie können den Einstieg bei uns also auch als Sprungbrett sehen, um andere Träume zu verfolgen.