In der Hochburg des Liberalismus ufert die Bevormundung freier Bürger immer weiter aus. Wenn Trauer Zorn weicht, dann ist es wieder einmal Zeit für unkonstruktive Kritik.

Er war ein Licht in der Dunkelheit des Unikellers. Er war die beste Motivation, sich in den Pausen vom gemütlichen Schlaf- und Leseplatz zu erheben. Er war an so manchem verschneiten Apriltag der einzige Grund, sich durch Unwetter und Schneegestöber kalten Fusses einen Weg zur Uni zu bahnen. Nun ist er verschwunden. Der Zigarettenautomat wurde aus dem A-Gebäude entfernt.

Nightmare after Christmas

Wir erinnern uns alle noch an jenen düsteren Tag, der ersten Vorlesung nach den Weihnachtsferien, als man aus dem Audimax heraustrat, sich eine Zigarette anzündete und schockiert feststellen musste, dass die Aschenbecher nicht mehr da waren. Auf diesen ersten Schock folgte langsames Entsetzen, als einem bewusst wurde, dass das weder ein Scherz, noch eine Aufforderung auf den Boden zu äschern war, sondern der Beginn einer nicht enden wollenden Reihe von Massnahmen uns die Wahlfreiheit, was wir wann wo unserem Körper zuführen, aus der Hand zu reissen.

Schleichend und hinterhältig werden dem nach Verantwortung dürstenden Studenten, der meint, seine Entscheidungen strategisch und wohlüberlegt selber zu treffen, immer mehr Privilegien des Managements seiner eigenen Person sukzessive entzogen. Viele von euch merken es nicht einmal. Ist euch aufgefallen, dass der Zucker in der B-Mensa jetzt in Tüten abgefüllt wird? Habt ihr euch schon bewusst gemacht, was das bedeutet, für euch, jeden Tag, in jeder Pause? Heute ist es Zucker. Morgen ist es vielleicht Klopapier. Worum es geht: Die Menge an süsser Lebensenergie die ihr zu euch nehmt, wird nicht mehr von euch selbst bestimmt, sie wird euch von oben diktiert. Klar, wenn einem nicht wie mir die Verschwendung von Lebensmitteln zuwider wäre, könnte man sich natürlich 3 Päckchen nehmen und nur zweieinhalb reinschütten. Aber wer tut das schon? Im Zielkonflikt zwischen Müllbergreduzierung und Volksgesundheit hat sich letztere durchgesetzt. Vorbei die Zeiten, in denen man sich nach eigenem Gutdünken auch die Hälfte der Zuckerdose in den Kaffee schütten konnte. Für die, die es noch nicht gecheckt haben: die Zuckerkristalle lösen sich sowieso selbständig nicht mehr auf, wenn genug drin ist. Ähnlich ist es mit dem Rauchen. Ein südamerikanischer Regierungschef soll einst gesagt haben: „Das Drogenproblem löst sich sowieso von alleine.“ Während ich mich von dieser Aussage im Hinblick auf meine zukünftige politische Karriere distanzieren möchte, so muss ich doch unterstreichen, dass an den Folgen des Rauchens jeder, der sich dafür entschieden hat, letzten Endes selber leidet. Ist es ethisch vertretbar, Sterbehilfe zu tolerieren, während man den Lungenkrebstod verpönt?

Idiotensicher

Auf den Packungen steht jetzt in fetter schwarzer Schrift auf deutsch, französisch und italienisch: „Rauchen tötet.“ Damit hätte die Schweiz den mutterinstinktiven Wahn der EU, Menschen wie mich vor sich selber zu beschützen, noch übertroffen. Statt die Schriftgrösse zu reduzieren, bedeuten hier 3 Landessprachen 3 mal soviel Platz für Raucherwarnung. Leider lese ich das immer erst, wenn es schon zu spät ist, das heisst, wenn ich mir die Zigaretten schon gekauft habe. Das ist vielleicht auch der Grund warum man die Automaten jetzt möglichst weit versteckt. „Wann immer der Konsument an eine Zigarette denkt“, so scheint das Gesundheitsministerium zu überlegen „Dann soll er keine finden.“

Auch darf der Zusatz „light“ nicht mehr verwendet werden, was mich auf die Idee bringt, die Aufschrift „2,5kg“ auf den Gewichten in der Kraftkammer nicht mehr zuzulassen. Man könnte ja meinen, die seien nicht schwer. Wo bleiben die Spaghetti mit der Information: „Bei übermässigem Genuss können Sie platzen“? Während man das auf BigMacs noch relativ einfach mit Lebensmittelfarben anbringen könnte, müsste man Tictacs konsequenterweise in Zukunft einzeln verpacken damit die Gebrauchsanweisung Platz findet. An die SKK: Ich hätte gerne einen Hinweis auf jeder dritten Skriptseite: „zuviel Lesen ist schädlich für die Augen.“ Denn ab und zu vergisst meine Mami mich anzurufen zwecks Abendessenerinnerung, und dann lese ich das ganze Skript bis zum Ende ohne bei Dämmerung das Licht einzuschalten und dann habe ich am nächsten Morgen immer Kopfweh….

Was man selber leisten kann, darf einem nicht von höherer Stelle entzogen werden, so lautet das Subsidiaritätsprinzip. Kann ich mich selbständig über Rauchrisiken informieren? Kann ich mir selbständig den Zucker einschenken? Darf ich mich selber auch gegen meine Gesundheit entscheiden? Genug gelästert, danke fürs Lesen und bitte denkt in eurem eigenen Interesse daran, eine warme Mütze aufzusetzen wenn ihr nach draussen geht! Sonst müssen wir das gesetzlich verordnen.