Bad Taste, Start Summit, Selbstjustiz oder Symposium sind allen Studenten der HSG ein Begriff. Doch wie sieht es aus, wenn man über den Tellerrand schaut? Ein Blick auf Vereine und Studentenschaften anderer Universitäten.

Die nächste Nachbarin von St. Gallen, die Stadt Zürich, kann die grösste Studentenschaft der Schweiz ausweisen: der VSUZH. Interessanterweise ist diese Studentenschaft nicht mal sechs Jahre alt. Dies ist auf eine turbulente historische Auseinandersetzung zwischen der Vorgängerorganisation und sowohl dem Kanton als auch der Universitätsleitung zurückzuführen. Die Studentenschaft der Universität Zürich, kurz SUZ, war eine wohlbekannte Institution, die schon damals ihren Mitgliedern zahlreiche Leistungen anbot. Im Gegensatz zum heutigen Verband bestand jedoch kein austrittsrecht, und die stark politische (und linke) Ausrichtung war, mal auf den Punkt gebracht, vielen in der Zürchicher Verwaltung ein Dorn im Auge.
Sie wurde 1978 aufgelöst. Heute gibt es ein Austrittsrecht und die Politik wird den Vereinen überlassen. Die neugegründete VSUZH hilft den Studenten. Zum Beispiel kann man zu Kinopreisen in die Oper (15 Franken) oder ins Theater. Vielleicht nicht etwas für jedes Wochenende, aber durchaus eine coole Sache, die man auch während des Studium mal machen kann. Der alljährliche Sporttag ist für die sportlichen Studenten gedacht, wobei man auch abends beim Grillieren «das ein oder andere Bier» geniessen kann. Stark ist auch das Angebot der kostenlosen Nachhilfe. Dabei profitieren sowohl Lehrer als auch Studenten: Der Nachhilfegeber kriegt (grosszügig) berechnete Campus Credits angerechnet und dafür erhält die Nachhilfenehmer von Kommilitonen perfekt auf die Kurse und spezifischen Anforderungen der Dozenten angepasste Nachhilfe.
Der VSUZH bietet auch noch die Möglichkeit, extrakurikulare Aktivitäten von der Uni anerkennen zu lassen, wodurch man im CV etwas Handfestes vorzuweisen hat. Der Kummerkasten, eine abendliche Telefon-Hotline für alles Mögliche, und Schnuppersemester für Flüchtlinge runden das Angebot ab. Die Vereinslandschaft ähnelt stark jener der HSG – inklusive der manchmal fragwürdigen Spezialisierung. So sind Vereine für Rohstoffhandel-Interessierte, ein Verein für Studenten, die in lateinischer Sprache über Texte diskutieren oder die Studentische Organisation zum Thema Mikrofinanzierung und soziale Verantwortung im Finanzbereich vorzufinden. Insgesamt eine bunte und interessante Mischung, die für jeden etwas bietet.

Im fernen Westen weht Alpenluft

Die EPFL, zu Deutsch Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne, vertritt ihre Studenten durch die «Agepoly». Die Vereinslandschaft ist stark auf Nationalitäten konzentriert. Ob Tunesier, Vietnamesen, Tessiner, Spanier oder Iraner – alle können sich in Vereinen treffen und mit Landsleuten etwas unternehmen. Auch Professoren und Dozenten haben sich zusammengeschlossen, um ihre Interessen zu vertreten und Kontakte mit dem Lehrkörper anderer Hochschulen zu knüpfen knüpfen. Neben dem klassischen Angebot an Film-, Foto- und Coachingveranstaltungen sind einige exotische Events zu finden. Da wäre zum Beispiel «Die Challenge», ein Wettbewerb, der zwischen den zwei angeblich renommiertesten Universitäten der Schweiz im Alpinsport ausgetragen wird. Über den Röstigraben hinweg challengen sich die EPFL und ETHZ um den wahrscheinlich unbedeutenden Titel. Was den Wirtschaftsunis die Euromasters sind, ist den Ingenieurswissenschaftlern die Challenge. Ein kurzer Blick in das Aftermovie verdeutlicht die Schwerpunkte dieser Veranstaltung – und das ist nicht der Sport. Die üblichen Suff- und Feierbilder zeigen eine durchaus sympathische Gruppe, die sich gut amüsiert. Da kann man selbst als HSGler ein wenig Lust verspüren, obwohl für die HSG ernstere Konkurrenz her muss.

Text: Victor Culmann