Beinahe 600 Studierende aus der ganzen Welt nehmen jährlich an der
«Can you make it Challenge» teil. Fehim Sefic und Jonathan Giger geben einen Einblick in ihre Erfahrungen.

In den Sommerferien an einer Busstation zu schlafen – mancher Student kann sich Schöneres vorstellen. Warum ein Student sich dies dennoch antun sollte, weiss Fehim Sefic, zweimaliger Teilnehmer der Red Bull «Can you make it Challenge». Für den ehemaligen HSG-Studenten war der Reiz der Sache, nicht zu wissen, was in den nächsten Stunden passieren würde. So ging es für Sefic nie darum, die Challenge zu gewinnen, für ihn war «der Weg das Ziel». Nach seiner erstmaligen Teilnahme motivierte er seine Studienkollegen zum Mitmachen. Einer davon war Jonathan Giger. Mit ihm und Mario Imsand bildete Sefic das «Taranteamo», wie sie ihr Team nannten. Es war Gigers letztes Studienjahr und er wusste, dass er eine solche Möglichkeit in Zukunft kaum mehr erhalten würde. «Als Fehim auf uns zukam, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf, etwas Einmaliges zu erleben», kommentiert Giger.

Die Aufgabe der Challenge klingt einfach und zugleich unmöglich. Mit nur 24 Red-Bull-Dosen ausgerüstet sollen 2 000 Kilometer innerhalb Europas überwunden werden. Weder Bargeld noch Handy dürfen mitgenommen werden. Auf dem Weg zum Zielort müssen die Teilnehmer mindestens sechs sogenannte Checkpoints besuchen. Dort muss beispielsweise ein Formel-1-Rad in kurzer Zeit gewechselt werden. Gelingt dies, so erhält das Team 24 weitere Dosen Red Bull. Daneben erhalten die Teilnehmer von Red Bull eine Bucket-List. Diese beinhaltet Aufgaben wie einen Fremden umarmen, aber auch Fallschirmspringen. Des Weiteren erhält jedes Team ein Handy, um Red Bull im Notfall kontaktieren und Bilder auf einen Blog laden zu können. Wird ein Bild gelikt oder geteilt, gibt dies einen sogenannten Social Point. Jenes Team, welches am meisten Social Points gesammelt, Checkpoints besucht und Aufgaben der Bucket List gemeistert hat, gewinnt. Der Sieg steht jedoch für die meisten Teilnehmer nicht im Vordergrund. Das Abenteuer ist ihnen viel wichtiger, wie Fehim Sefic und Jonathan Giger unterstreichen. Spontanität war ein weiteres Kernelement der Challenge. Diese ist gefordert, da die Teams nie wussten, wo es sie hin verschlagen würde. Gute Vorbereitung ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Menschheit ist gut
Sefic hat aus den Challenges eines mitgenommen: «Humanity is good». Manchmal wären die Leute so nett gewesen, dass es schon fast suspekt gewesen sei. So zahlte ein Mann für Sefics Team das Hotelzimmer, eine alte Dame lud sie zu sich nach Hause ein und machte ihnen Frühstück, ein Subway-Mitarbeiter schmuggelte hinter den Augen seines Chefs Sandwiches für die Gruppe aus dem Laden, ein Militärseelsorger nahm sie fünf Stunden durch England mit ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Generell waren die Menschen viel netter und hilfsbereiter als es Sefic und sein Team erwartet hatten. 

Unangenehm war für viele Passanten, dass die Teilnehmer der Challenge kaum zum Duschen kamen. Deshalb empfiehlt Sefic zukünftigen Teilnehmenden unbedingt Deo oder Parfüm mitzunehmen. Im Gepäck des Teams befanden sich ausserdem ein Zelt, Kleidung, Snacks, eine Ukulele und ein Karton, um die Ortschaften des Autostopps zu notieren. «So viel wie nötig und so wenig wie möglich», hatten sie eingepackt. Das Gepäck von anderen Teilnehmenden sah oft ähnlich aus. Es gab jedoch auch solche, welche fast gänzlich auf Kleidung verzichteten. So trug ein Japaner während der siebentätigen Challenge bloss eine Fundoshi, eine wenig der Fantasie überlassende japanische Unterhose.

Von der Bushaltestelle zum Tourbus
Die Challenge ist Sefic zufolge nicht nur ein Heidenspass. Wie das Anfangsbeispiel der Übernachtung an der Bushaltestelle zeigt, verlangt die Challenge den Studierenden ziemlich viel ab. «Es war eine intensive Woche. Man sollte sich nicht schnell frustrieren lassen», sagt Sefic dazu. So war es des Öfteren der Fall, dass man vier oder fünf Stunden Autostopp gemacht hat, bis man mitgenommen wurde. Dafür landete Sefic und sein Team einmal im Tourbus des Sängers George Ezra. Obwohl Ezra nicht anwesend war, sei es ein unvergessliches Erlebnis gewesen. Nach Tagen auf der Strasse war der Tourbus für das Team um Sefic ein echter Luxus.

Diese guten Momente müsse man geniessen, erzählt Sefic. «Man weiss nie, wie lange sie andauern. Die schlechten Momente halten dafür auch nicht an.» Sefic nimmt diese Lektionen für sein Leben mit. Auch Giger ist der Meinung, dass man nie aufgeben sollte. Während der Challenge lernte er, jede Chance zu nutzen und den Mut aufzubringen, Dinge einfach zu tun. «Anfangs kostete es viel Überwindung, Leute auf der Strasse anzusprechen, aber irgendwann geht es wie von selbst. Man lernt sehr schnell dazu», meint Giger. Das Ansprechen der Leute war laut ihm «Trial & Error». Auch Sefic meinte, dass es eine Weile dauerte, bis das Team rausgefunden habe, wie man die Leute sinnvoll anspricht. «Anfangs waren unsere Sätze viel zu lang. Wir sprachen etwa fünf Minuten mit den Menschen, bis wir ihnen erklärt hatten, was wir genau taten», erzählt Sefic. Mit der Zeit hätte das Team jedoch den Dreh rausgehabt und erklärte mit prägnanten Statements rasch, was die Aufgabe der Challenge war.

Win-win-Situation
Gegenüber Red Bull hat sich jedoch Sefics Meinung nicht verändert. «Für Red Bull ist dieser Wettbewerb sicher eine dankbare Möglichkeit, für sich zu werben. Es ist jedoch eine Win-win-Situation», sagt Sefic. Die Studierenden hätten eine «geile Erfahrung» und würden ihr Netzwerk auf der ganzen Welt erweitern. Dies sieht auch Jonathan Giger so. Er sieht die Challenge als eine einmalige Gelegenheit, gratis zu reisen. Doch nicht nur das kostenlose Reisen begeisterte die beiden ehemaligen HSGler. Vom Netzwerk, welches sie durch die Challenge ausbauten, profitieren sie heute noch. Die Facebook-Gruppe mit allen Teilnehmern aus ihrem Jahrgang sei noch heute aktiv. «Wenn du irgendwo bist, postest du in die Gruppe und kannst immer einen anderen Teilnehmer treffen», erzählt Giger freudig. Auch Sefic hat gute Erfahrungen mit diesem Netzwerk gemacht. So konnte er in Portugal bei einem anderen ehemaligen Teilnehmer übernachten. «Die Besonderheit ist, dass man mit Leuten mit demselben Mindset in Kontakt kommt», meint Giger. Dieses Mindset schätzte auch Sefic sehr. 

Die Offenheit teilt der Organisator Red Bull allerdings nicht. Auch auf Nachfrage gab das Unternehmen nur Pressematerial heraus und war für ein Statement nicht verfügbar. Den Teilnehmenden der Challenge gegenüber zeigte es sich dennoch stets hilfsbereit.